The String Theory - The Los Angeles suite

The String Theory- The Los Angeles suite

Project C / ADA / Warner
VÖ: 04.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Groß, klein und alles dazwischen

Das 2006 in Berlin gegründete Orchester The String Theory um die Initiatoren und Produzenten PC Nackt und Ben Lauber wirkte bisher am eindrucksvollsten als Kooperationspartner so unterschiedlicher MusikerInnen wie José González, Wildbirds & Peacedrums, Robot Koch und Anna von Hausswolff. Für das Spoken-Word-Album mit Sekou Andrews wäre 2019 sogar fast ein Grammy drin gewesen, der letztlich aber auf den Kaminsims von Michelle Obama wanderte. Aber sei's drum, denn aufwärts ging es für das Künstlerkollektiv seit Beginn seiner Karriere so oder so. Ausverkaufte Konzerte in Europa und Amerika und fünf international erfolgreiche Alben verschiedener Genres ließen The String Theory in der letzten Dekade zur anerkannten Orchesterinstitution avancieren.

Auf der gemeinsamen Tournee mit Singer-Songwriter José González haben sich The String Theory in den vergangenen Jahren vor allem im Folk-Kosmos Freunde gemacht. "The Los Angeles suite" entfernt sich jedoch ein Stück weit von den letzten Projekten im Folk- und Spoken-Word-Bereich und wendet sich mehr der Popmusik zu. Und auch hier beweisen The String Theory ihr gutes Händchen für Atmosphäre und Stil. Sei es im langsam treibenden Opener "Jealous days", in dem Klavierakkorde schleppend auf ein Finale hindrängen, das dann wider Erwarten zugunsten eines langsamen Versickerns der Melodie gleich dem Verschwinden von Wasser auf trockenem Sand ausfällt und den Hörer zwar ratlos zurücklässt – aber auch mit dem Blick nach vorne, gespannt auf das, was kommen mag. Oder wie im süßlich swingenden "Hollywood calling", das sich ein Vintage-Kleid überzieht und unbeschwert dahertänzelt. Gerade in den minimalistischen Stücken zeigt sich, wie gekonnt PC Nackt und Lauber ihre Ressourcen einsetzen. Ein 60 MusikerInnen starkes Ensemble wie The String Theory mag sicher zu ausufernden und großen symphonischen Formen verleiten, bändigt sich auf "The Los Angeles suite" in vielen Fällen aber auch gekonnt selbst. So werden Pathos und Kitsch einerseits sicher umschifft, andererseits die Wirkung und Klanggewalt beim punktuellen Einsatz des ganzen Orchesters gezielt verstärkt.

Denn groß und gewaltig können The String Theory mindestens genauso gut wie dezent und atmosphärisch. Da wäre zum Beispiel das theatralische "California lover", das mit klagendem Gesang und dominanten Streichern zu gewaltiger Größe anwächst, oder die imposanten neoklassischen Stücke und Soundexperimente, die im Wechsel mit den poppiger anmutenden Tracks immer wieder für Atmosphäre sorgen. Der Klangkosmos dieses Ensembles spannt auf "The Los Angeles suite" einen gekonnten Bogen von orchestraler, dichter Neoklassik über Indie-Pop, folkige Klänge bis hin zu elektronischen Sounds. Als Hörer wird man hier aber keiner Stelle von diesem Potpourri erschlagen, sondern beinahe an die Hand genommen, vorsichtig an die Ideen herangeführt und mit zarten Melodien betört. Wunderbar arrangierte Soundscapes finden auf diesem Album ihren Platz neben Elektronik und Symphonischem, Spoken-Word-Passagen neben Popmusik und Neoklassik. Das Wunderbare an "The Los Angeles suite" ist neben seiner Vielseitigkeit und meisterhaften Produktion, dass es trotz sehr unterschiedlicher Elemente herrlich schlüssig ist und an keiner Stelle unter der Last seiner Ambitionen ins Wanken gerät, sondern gekonnt Fäden unterschiedlichster Couleur zu einem eindrucksvollen Klangerlebnis verwebt.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • California lover
  • Hollywood calling
  • Remember (Suite No. 1)

Tracklist

  1. Jealous days
  2. California lover
  3. Abundance (Suite No. 4)
  4. Hollywood calling
  5. RoBolero
  6. No one believes a ghost
  7. Stars and hypes
  8. Moon landing
  9. Remember (Suite No. 1)

Gesamtspielzeit: 39:28 min.

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User Beitrag

Scoutout

Postings: 1

Registriert seit 17.03.2015

2020-08-26 12:07:10 Uhr
Habe schon oft sehr gute Tipps dank euch erhalten. Aber diese Ausgabe ist etwas vom übelsten und langweiligsten, was mir in meiner „Musikkarriere" je untergekommen ist. Bitte nicht mehr solch öde Vorstellungen!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-23 20:21:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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