Sparkle Division - To feel embraced

Sparkle Division- To feel embraced

Temporary Residence
VÖ: 24.07.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Some sensual sax

Das war nicht zu erwarten. Man staunt schon, wenn William Basinski, seinerseits einer der anerkanntesten und auch ernsthaftesten Ambient-Künstler, mit einem Spaß-Projekt um die Ecke kommt. Wo also bisher kopflastige, weitschweifige Kompositionen die schweren Themen zum Beispiel der Endlichkeit des Menschen und der Unendlichkeit des Universums abhandelten, steht jetzt, mit Sparkle Division, ein unmittelbares Vergnügen im Mittelpunkt. Dafür mitverantwortlich war Preston Wendel, junger Studio-Assistent Basinskis. Dieser insistierte immer wieder auf Basinskis Vorliebe für leichtfüßigen Jazz und bewog den New Yorker dazu, endlich wieder seiner Zuneigung fürs Saxophon zu frönen. Daraus entwickelte sich ein Projekt, welches auf "To feel embraced" auf leichtfüßige Art eben jenen Jazz mit geschmackvollen Electronica verbindet. Eigentlich waren die Aufnahmen bereits 2016 im Kasten, doch Basinski, ganz der Kopfmensch, empfand es als unpassend, nach Ereignissen wie der Trump-Wahl und der sich zuspitzenden Klima-Krise mit so etwas Leichtfüßigem aufzutauchen. Vier Jahre später sieht es zwar nicht rosiger aus, aber inzwischen ist Basinski der Meinung: Bei all dem Übel kann ein bisschen einfacher Spaß nicht schaden.

Und den gibt es direkt mit "You go girl!", bei dem das Big-Band-Fieber exorbitant ansteigt. Das kurze Stück hat Schwung, hat Schmiss und tänzelt leichtfüßig durch die Cocktail-Bar, die Sorgen haben Pause. Dass jedoch nicht blindes Halli-Galli diese Platte prägt, zeigen die fast ein wenig düster auftretenden Beats von "You ain't takin' my man". Hier tritt auch das aus einer beseelten Tiefe emporsteigende Saxophon-Spiel Basinskis das erste Mal auf. Dies ist dann unheimlich smooth, mit einer spielfreudigen, leicht schattierten Coolness ausgestattet. Beruhigend also, dass Basinski, selbst, wenn er sich locker macht, mit seiner Musik nicht auf den "Fetenhits" landet.

Stattdessen gibt es ein versonnenes Klavierspiel in "Oh Henry!", welches von dem unheimlich warmen, weichgezeichneten Saxophon umgarnt wird. Die verwickelten Beats, organisch und kräftig, bilden dafür einen wunderbar sensualen Untergrund. So heißt Spaß eben nicht gleich Party, sondern bedeutet eher, dass Basinski und Wendel hier ästhetisch unmittelbar ansprechende Musik kreiert haben, die auf direktem Wege die Sinne umschmeichelt. Gerade "To feel", mit sechs Minuten Laufzeit das Kernstück des Albums, kommt wie ein stimulierender Kurztrip in eine Wohlfühl-Oase daher. Dabei findet man auch Anflüge der Kernkompetenz Basinskis, weich ausgelegten Ambient, der in Wellen kommt und geht. Es folgt dann der Titeltrack, welcher sorglose Weitläufigkeit durch verwaschene, repetetive Electronica vermittelt.

Doch Kerngebiet dieses Albums ist ein gutmütiger, entspannter Jazz, wie er zum Abschluss in "No exit" vorgetragen wird. Basinski entlockt seinem Lieblingsinstrument wieder weiche, geschmeidige Töne, dazu wird ein leichter Funk-Beat angedeutet. Es ist hier, wie auf der ganzen Platte, erstaunlich, wie Wärme und Lockerheit verbunden werden und der Spaß kein oberflächlicher bleibt. Denn "To feel embraced" ist neben dem Wunsch nach einfachem Spaß eben vor allen ein Herzensding, jeder Ton und jeder Beat sind mit Liebe gespielt und kein flüchtiger Schnellschuss.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • You ain't takin' my man
  • To feel
  • To feel embraced
  • No exit

Tracklist

  1. You go girl!
  2. You ain't takin' my man
  3. For Gato
  4. Oh Henry!
  5. To the stars Major Tom
  6. Oh no you did not!
  7. To feel
  8. To feel embraced
  9. Slappin' yo face
  10. Mmmmkayy I'm goin' out now and I don't want any trouble from you!
  11. Queenie got her blues
  12. Sparkle on sad sister mother queen
  13. No exit

Gesamtspielzeit: 41:24 min.

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User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 576

Registriert seit 19.05.2014

2020-09-24 18:41:50 Uhr
Wer ist denn das heisse Maedel auf dem Cover?
Musik na ja, aber Anwaerter auf das Coverartwork des Jahres ?

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-23 20:21:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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