Giant Rooks - Rookery

Giant Rooks- Rookery

Universal
VÖ: 28.08.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Königlich

Giant Rooks sind keine Anfänger – auch wenn "Rookery" ihr Debütalbum ist. Die Formation aus dem beschaulichen Hamm in Nordrhein-Westfalen genießt bereits eine siebenstellige (!) monatliche Listener-Zahl bei Spotify, war schon im Tatort-Soundtrack vertreten und trotz gerade mal zwei offiziell veröffentlichter EPs spielt sie ausverkaufte Konzerte von Rom, über Paris bis Manchester. Eine deutsche Band?! Jawohl. Auch hierzulande füllte der Indie-Vierer im gerade mal fünften Jahr des Bestehens ebenfalls Venues, die andere nach zehn oder 15 Jahren Karriere kaum wagen, auf den Tournee-Plan zu setzen.

Doch obwohl Giant Rooks verdammt genau wissen, wie sie auf dem Genre-Parkett glänzen können, kokettieren Vokalist Frederik Rabe und Co. zurecht mit einer gewissen Frischlings-Attitüde. Denn das Quartett verhilft einem im Grunde leicht abgegrasten, kaum überraschenden Indie-Pop-Sound mit außergewöhnlicher Leichtfüßigkeit und songwriterischer Raffinesse zu frisch poliertem Glanz. Kostproben gefällig? Nun, schwer zu glauben, dass einige dem von der 2019er-EP bekannten Pop-Stampfer "Wild stare" bisher noch nicht begegnet sind.

Und nachdem die Hörerschaft sich zappelnd zu anderen Tanz-Perlen dieses Debüts verausgabt hat, wie etwa dem fast kitschigen und dennoch famosen "Watershed", dem Seventies-infizierten "Silence" oder dem cheesy Ohrwurm "Very soon you'll see", umgarnt den Hörer schon ein weiterer Vorzug von Giant Rooks: Wo anderen Bands manchmal die Tiefe abhandenkommt, sind Songs wie "Heat up" nicht nur extrem tanzbar, sondern ähnlich wie der entspannte Brit-Popper "All we are" ebenso soulig wie feinfühlig, warmherzig und umarmend. Das experimentelle "What I know is all quicksand" etwa vermengt Indie, Soul und HipHop und zelebriert seine leichte Alt-J-Schlagseite derart selbstbewusst, dass man alle Referenzen im Kopf längst wieder ausgelöscht hat.

Oder die Westfalen berühren mit melancholischer Ernsthaftigkeit, wie der Opener "The birth of worlds", der zunächst über gut zwei Minuten eine bedrohlich schöne, Foals-Atmosphäre aufbaut, bevor Rabe mit seiner tollen, soul-getünchten Stimme den wunderbaren Turnaround des Stücks einleitet und der Menschheit kein gutes Zeugnis ausstellt: "I don't believe in life after death / There isn't such a thing as regret / We are alone and always will be." Puh, zum Glück schickt der junge Mann ein schüchternes "But I'll get along" hinterher – geht schließlich nicht nur ihm so.

Die Artpop-Ballade "Misinterpretations" schwebt zunächst auf feinem Percussion-Teppich – wie auf der gesamten Platte setzen Giant Rooks hin und wieder Piano-Sprenkel ein – bevor Synthies, Gitarren sowie ein Mix aus Gospel- und Soul-Chor den funkelnden Refrain stilecht auf das Silbertablett bringen. Ob intensive Spannungsbögen, knallige Rhythmen oder spontane Mitsing-Parts – faszinierend neben dem juvenilen Pop-Punch ist die positive Selbstverständlichkeit, mit der der Vierer seinen eigenen Sound voll und ganz definiert, ungeachtet der namhaften Referenz-Künstler. Giant Rooks sind keine Anfänger, sondern die kommenden Indie-Pop-Könige.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • The birth of worlds
  • Watershed
  • Misinterpretations
  • What I know is all quicksand
  • Wild stare

Tracklist

  1. The birth of worlds
  2. Watershed
  3. Heat up
  4. Very soon you'll see
  5. Rainfalls
  6. Misinterpretations
  7. Silence
  8. What I know is all quicksand
  9. Wild stare
  10. Head by head
  11. All we are
  12. Into your arms

Gesamtspielzeit: 48:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kalle

Postings: 84

Registriert seit 12.07.2019

2020-09-01 11:23:29 Uhr
Also der Vergleich mit AMK ist ja wohl so was von an den Haaren herbeigezogen. Sowohl in Bezug auf Sound als auch Qualität der Musik.

musie

Postings: 2880

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-01 08:57:27 Uhr
Klar ist es eine gute Platte, aber der Zauber ist für mich weg. Auch die Stimme ist nicht mehr so wie sie war, geht nun etwas mehr in Richtung AMK.

Vennart

Postings: 531

Registriert seit 24.03.2014

2020-08-31 22:35:54 Uhr
Ich höre mal rein, die Eps finde ich ganz angenehm.
Dass die Musik der Giant Rooks bereits im Tatort lief, tut mir wirklich Leid für die aber hoffentlich sind dadurch wenigstens neue Hörer auf die Band aufmerksam geworden :)

Kalle

Postings: 84

Registriert seit 12.07.2019

2020-08-28 15:54:48 Uhr
Also ich empfinde das Album als sehr schöne Indie-Pop-Platte. Nur die Autotune-Spielerei hätten sie sich sparen können.

Gordon Fraser

Postings: 1681

Registriert seit 14.06.2013

2020-08-28 15:31:02 Uhr
Puuh, schon lange haben sich 49 Minuten nicht mehr so zäh hingezogen. Der Abschluss ist dann echt der Knaller mit sieben Minuten Autotune-Nerverei ohne Song dahinter. Da bleibt nix hängen, alles sehr seicht und unsexy.
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