Liela Moss - Who the power
Bella Union
VÖ: 07.08.2020
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
What the world needs now
Wie konsequent ist der Mensch? Schön und gut, wenn man zum Best-friends-Urlaub nach Mallorca düst, um die ewige Freundschaft zu beschwören. Aber kaum heimgekehrt, wird erst mal wieder anonym im Netz gehetzt. Oder auch das: Am Wochenende bei der Klima-Demo in der ersten Reihe marschieren, nur um dann unter der Woche den Geschäftstermin in Hamburg mit dem Flieger anzusteuern. Nun kann man einwenden, das Leben sei widersprüchlich und bestünde nun mal aus Kompromissen. Doch die Musikerin Liela Moss aus England sieht genau darin ein Übel, das für Niedergang von Menschheit und Erde verantwortlich ist. Es brauche Verlässlichkeit, deutliche Ansagen und eben Konsequenz. Mit ihrem zweiten Album, im Heimstudio mit ihrem Lebenspartner Toby Butler aufgenommen, setzt sie klare Akzente, liefert direkte und eindeutige Songs, die vor allem die kreative Bandbreite von geschmackvollem Synth-Pop abdecken. Und auch die Beat-Architektur von "Who the power" ist recht schnörkellos, jedoch nicht weniger abwechslungsreich.
"Turn your back around" ist dabei der eröffnende Appell zu bewusstem Handeln. Ein motivierender Beat, kristalline Synths und ein agiler, zackiger Melodieverlauf liefern sofort jene mitreißende Eindeutigkeit, auf die die Frontfrau von The Duke Spirit hinauswill. Nicht weniger direkt, doch in ganz anderen Stimmungsregionen operiert "Watching the wolf": Schleppende, martialische Drums verdüstern den Himmel und kontrastieren mit Moss' stimmlichem Wechselspiel, das von milder Helligkeit hin zu bedrohlicher Schwere wechselt. Das übergeordnete Gefühl bleibt jedoch eines der Gefahr, des Fünf-vor-zwölf. Die düster wummernden Synthies von "Atoms at me" sind ein guter Nährboden für den dynamischen Gesang, der in späterer Chor-Formation durch den Refrain tänzelt. Man merkt: Atmosphärisch sind diese Songs divers aufgestellt, doch jeder einzelne Aspekt ist konkret herausgearbeitet, es entsteht der Eindruck einer geschärften Klarsicht.
Nun wäre das alles von minderem Wert, wenn die einzelnen Melodien nicht eine solch emotionale Schlagkraft hätten. "Always sliding" ist eine mit gehaltvoller Schwere ausgestattete Ballade der Post-Apokalypse, die Moss als Pop-Diva von einiger Grandeur inszeniert. Sehnen und Verzweiflung in zwingende Klänge gepackt. Auch die Menschheits-Bilzanz "The individual" wechselt zwischen ätherischem Sirenengesang und mächtig auftrumpfender Abrechnung: "You're the individual / Why are you unbeareable?". Immer wieder stark dabei, wie die Songs bei klarer Kante bleiben, sich nicht in kompositorischen Verwässerungen verlieren. Das traurige Synth-Motiv von "White feather" oder die archaischen Drums in "Battlefield" – all diese Dinge sind unmissverständliche Bedeutungsträger für wirkungsmächtige Songs.
Und so erstrahlt der Kontrast zwischen filigranem Gesang und der folgenden "heavy, heavy, heavy"-Intonierung in "Nummah" besonders akzentuiert. Und auch das abschließende "Stolen careful" ist ein Abgesang der Vergeblichkeit von klassischer Größe. Dadurch, dass jedes Element möglichst deutlich ausgearbeitet ist, gewinnt "Who the power" eine erfrischende Unmittelbarkeit und auch die geforderte Konsequenz. Liela Moss hat sich mit ihrer Musik also festgelegt – auf sie ist Verlass, auf sie kann sich der Hörer berufen.
Highlights
- Watching the wolf
- Always sliding
- Nummah
Tracklist
- Turn your back around
- Watching the wolf
- Atoms at me
- Always sliding
- The individual
- White feather
- Battlefield
- Nummah
- Suako
- Stolen careful
Gesamtspielzeit: 37:38 min.
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Referenzen
The Duke Spirit; Lanterns On The Lake; I Break Horses; Jane Weaver; BC Camplight; Torres; Grimes; Keeley Forsyth; Jehnny Beth; She Drew The Gun; Drab City; Smoke Fairies; Hilary Woods; Boniface; Katie Gately; Anna Von Hausswolff; Emma Ruth Rundle; Chelsea Wolfe; Nadine Shah; San Fermin; Klangstof; Wye Oak; Lower Dens; Anna Calvi; Sharon Van Etten; Marissa Nadler; Destroyer; Land Of Talk; Patience; Lump; Bess Atwell; The Fernweh; Lou Hayter
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