Bruce Hornsby - Non-secure connection

Bruce Hornsby- Non-secure connection

Zappo / Thirty Tigers / Membran
VÖ: 14.08.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Skizze reicht

Bruce Hornsby kann zufrieden sein. Als durchaus bekannter Künstler konnte er immer seine künstlerische Freiheit bewahren. Seinen größten Hit hatte er mit "The way it is" direkt auf seinem ersten Album 1986. Seine darauf folgende Karriere baute Hornsby vor allem mit Projekten auf, die ihn selbst befriedigten. Das waren Solo-Alben, die unangestrengt Authenzität und künstlerische Glaubwürdigkeit vermittelten. Im letzten Jahrzehnt hat der amerikanische Songwriter sich zusätzlich mit dem Schreiben von Film-Scores für Spike Lee hervorgetan. Im Rahmen dieser Soundtrack-Arbeiten ist auch ein Teil der neuen Songs für sein Album "Non-secure connection" entstanden. Es handelt sich dabei um Stücke, bei denen Hornsby spürte, dass sie Gesang benötigten und nicht zur rein instrumentalen Untermalung eines Filmes taugten. Bei der Umsetzung kann der 65-Jährige auch dieses mal eine illustre Gästeschar aufweisen, Justin Vernon (Bon Iver), James Mercer (The Shins) und Jamila Woods gehören neben anderen zu den Kollaborateuren.

"Non-secure connection" ist aber trotz der zahlreich auftretenden Mitwirkenden nicht üppig oder überfüllt geraten. Es ist eher eines dieser Songwriter-Alben, die sich immer wieder mit spartanischen Skizzen begnügen, anstatt alles bis zum Ende durchzuformulieren. So genügt dem Opener "Cleopatra drones" ein verträumtes Klavierspiel, leicht gefasster Chor-Gesang und ein locker aufgehänger Groove zur Entfaltung. Alles bleibt ein wenig in der Schwebe, lässt Fragen verwaschen am Horizont stehen. Dieser leichte Zugriff, das Belassen im Fragmentarischen zeichnete bereits den Vorgänger "Absolute zero" aus, hier liefert Hornsby ein Update. Die Hacker-Biographie des Titelsongs, "I'm routing attacks / Through an unsuspecting little shop", lässt seine quälende Trägheit mit leichtem Handgriff in Dringlichkeit und Hektik umschlagen, bleibt dabei jedoch spartanisch und karg.

Eine vollendete, ausformulierte Pop-Schönheit ist dagegen "My resolve", die Zusammenarbeit mit James Mercer, welches geschmeidige Gesangsharmonien und einigen Streicher-Zucker bietet. Hier entfaltet sich voll das große Verständnis für melodiösen Schönklang, den sowohl Mercer als auch Hornsby besitzen. Es folgen dumpf pumpende Club-Beats, die "Bright star cast" einleiten. Jamila Woods unterlegt mit mildem Soul Hornsbys Gesangsvortrag, das Stück gefällt mit urbaner Attitüde und geschmeidigen Funk-Vibes.

Jedoch, dies muss auch gesagt sein, verliert sich die zweite Albumhälfte ein wenig in seinem Laissez-faire. Denn ein Song wie "Shit's crazy out there" wirkt nicht unangestrengt, sondern halbherzig. Streicher-Fragmente, einige schwergewichtige Klaviertöne, all das bleibt unausgegorenes Bruchstück eines vollwertigen Songs. Auch "Porn hour", nervöses Piano-Geklimper und eine flüchtige Streicher-Melodie, erscheint unfertig und zusammengestückelt. Da tröstet auch nicht der Umstand, dass Hornsby anscheinend genau auf solche Skizzen abgezielt hat. Denn zumindest Albumhälfte zwei liefert einige Songs ab, die sich wirr und unausgegoren geben, das Vergnügen beim Hören ist dadurch gedämpft, ähnlich einer nur halb erzählten Geschichte.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Cleopatra drones
  • My resolve (feat. James Mercer)
  • Bright star cast (feat. Jamila Woods & Vernon Reid)

Tracklist

  1. Cleopatra drones
  2. Time, the thief
  3. Non-secure connection
  4. The rat king (feat. Rob Moose)
  5. My resolve (feat. James Mercer)
  6. Bright star cast (feat. Jamila Woods & Vernon Reid)
  7. Shit's crazy out there
  8. Anything can happen (feat. Leon Russell)
  9. Porn hour
  10. No limits

Gesamtspielzeit: 40:04 min.

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User Beitrag

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 3072

Registriert seit 14.05.2013

2020-08-25 18:18:30 Uhr
In der Rezension fehlt ein kompletter Song "The ratking"

Das war sowohl beim Rezensieren und beim Redigieren wohl durchgerutscht, ist jetzt korrigiert. Danke für den Hinweis!

dreckskerl

Postings: 3670

Registriert seit 09.12.2014

2020-08-25 17:50:53 Uhr
edit: vermeintliche Skizzenhaftigkeit

dreckskerl

Postings: 3670

Registriert seit 09.12.2014

2020-08-25 16:04:00 Uhr
Wie ich mir schon dachte, ist nicht zeitweiige Reduziertheit und vermeintiche Problem mit dem Album.
Trotz des wirklich schönen Tracks mit James Mercier, fehlt es diesem Album im Gegensatz zu Absolute Zero an emotionalen Momenten.

Der Titelsong und Porn Hour haben eine Melodieführung, die mich schlicht nervt, dass ist mir way too artsy. Das Gleiche gilt für Shit's crazy ot there, der Track hat aber einen fetten Schlußpart mit Schweineorgel.

In der Rezension fehlt ein kompletter Song "The ratking" ein stark an Gabriel erinnernder Song.
Zweimal funkt und groovt es leidlich.

Gebe auch 6/10 jedoch aus anderen Gründen.

Quill Eupner

Postings: 48

Registriert seit 18.06.2013

2020-08-12 19:32:11 Uhr
„Absolute Zero“ ist wirklich stark. Außer mir hat aber jeder Armins Thread dazu ignoriert:

https://www.plattentests.de/forum.php?topic=94770&seite=1

Ich bin etwas überrascht, dass Bruce Hornsby schon wieder nachlegt. Mal hören.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-12 19:08:54 Uhr - Newsbeitrag
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