Fontaines D.C. - A hero's death
Partisan / Rough Trade
VÖ: 31.07.2020
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Nicht dasselbe
Wer gut ist, füllt irgendwann die Hallen. Manchmal gilt der in der Populär-Musik höchst umstrittene Grundsatz tatsächlich, bei Fontaines D.C. zumindest. Das Quintett aus Dublin schoss 2017 und 2018 mit diversen hochkarätigen Singles auf den Musikkritiker-Radar. Jene Ohren, sofern dem Post-Punk zugeneigt, betrauerten derzeit nicht unbedingt einen Mangel an zu featurenden Bands. Um "Dogrel" kam man kaum herum, denn Grian Chattens und Co. legten Qualität nach. Und mauerten ihren Status als wohl heißesten Irland-Export seit langer Zeit in Zement. Da Fontaines D.C. jedoch nicht nur unentwegt tourten, sondern auch eifrig neue Songs schrieben, legen sie bloß gute 15 Monate nach dem Debüt mit "A hero's death" bereits nach.
"Dogrel" ist nicht nur stark wegen der zackigen Post-Punk-Biester, in deren Erbe der hiesige Titeltrack steht. Das Album blühte auch und gerade wegen seiner markanten Melodien und Tanzflur-Hits wie "Boys in the better land". So viel vorweg: Der Nachfolger schraubt den Anteil an offensiven Hymnen merklich zurück. Stoisch und benebelt wirkt Chattens im eröffnenden "I don't belong", einem resignierten und zugleich zauberhaften Opener, der Basslauf und Gitarren-Riff ebenso eintönig wie beharrlich auskostet – und der sicherlich nicht per Zufall dieses "A hero's death" eröffnet. Fontaines D.C. stellen statt hektischer Ekstase die Beklemmung, die trockene Repetition, die Dämmerung, die Reduzierung in den Fokus ihres zweiten Longplayers. Und Chattens' mantraartig gebetetes "Life ain't always empty" im Titelsong? Vielleicht bloß ein Akt braven zivilen Gehorsams.
"Televised mind" fungiert im folgenden als Katalysator, die bestimmten aber dosierten Gitarren bremsen die Intensivierung des Stücks nur am Rande, es dominieren nach vorn peitschende Drums. Welche hier immerhin noch halbwegs im Takt bleiben, verglichen mit dem rhythmisch ordentlich neben die Spur getriebenen Post-Punker "Love is the main thing". Das ist nur konsequent, denn das morbide Gitarrenthema des Stücks möchte alles, bloß keine neuen Freunde finden – in Sachen Liebe ist die persönlich errichtete Festung mit den hohen Mauern ohnehin standfest. Gegenstück zu dieser leicht entrückten, manchmal traurigen Stimmung, die auch das schöne "You said" durchflutet, ist der Rocker "I was not born", der stur auf seiner Gitarre reitet. Und natürlich das geniale "A lucid dream": Zu Beginn schon metern sich die Gitarren wie eine üppige Strumflut auf, der stoische Bass und das tolle, hypnotische Gitarrenthema ziehen uns mitten in die berstende Brandung, wo das Schlagzeug längst im Sturm wütet. Und auf dem letzten noch manövrierfähigen Kahn hat der Untergangs-Pogo begonnen.
Man sollte dieses Album auf sich wirken lassen. Denn Fontaines D.C. gehen introvertierter zu Werke als auf dem Vorgänger. Was wiederum nicht bedeutet, dass "A hero's death" mit Schönklang geizt. "Oh such a spring" zum Beispiel, diese kleine Songwriter-Perle, oder der melancholische Abschluss "No", zu dem man sich, sofern nötig, einen leichten Dublin-Slang aneignen kann, vertreiben die Wolken. Und passen als zart konträre Pole dann irgendwie super zu dieser nicht einfachen, aber durchaus mutigen zweiten Platte. Für Fontaines D.C. gilt: Wer gut ist, macht nicht zweimal dasselbe.
Highlights
- I don't belong
- Televised mind
- A lucid dream
- Oh such a spring
Tracklist
- I don't belong
- Love is the main thing
- Televised mind
- A lucid dream
- You said
- Oh such a spring
- A hero's death
- Living in America
- I was not born
- Sunny
- No
Gesamtspielzeit: 45:51 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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kingsuede Postings: 5227 Registriert seit 15.05.2013 |
2025-08-18 17:03:56 Uhr
Mittlerweile auf Platz 3. immer noch vor Dogrel, aber hinter den beiden Nachfolgern. |
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edegeiler Postings: 3274 Registriert seit 02.04.2014 |
2025-08-18 16:13:58 Uhr
Fängt gut an und hört gut auf und das meiste, was dazwischen kam, hab ich schon wieder vergessen. |
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kingsuede Postings: 5227 Registriert seit 15.05.2013 |
2021-12-31 15:54:19 Uhr
Für.mich immer noch besser als tolle Debüt. |
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Dulle Postings: 469 Registriert seit 29.10.2021 |
2021-12-31 15:37:11 Uhr
Sowohl der Opener als auch der Titelsong erinnerten mich vom Gitarrensound her sofort an Sonic Youth zur Dirty-Zeit (Beispiel "Sugar Kane"). |
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VelvetCell Postings: 9445 Registriert seit 14.06.2013 |
2021-12-31 13:55:55 Uhr
Ui – fast ein Jahr her! Habe die Scheibe tatsächlich noch mal beiseite gelegt. Und ständig sagte sie mir, mensch, leg mich doch mal wieder auf! Und das habe ich die letzten Tage getan. Recht oft. Ein typischer Grower. |
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Referenzen
Protomartyr; Shame; Preoccupations; The Strokes; Ought; Joy Division; No Age; Parquet Courts; Off!; The Jam; Circle Jerks; Idles; Sleaford Mods; Art Brut; Iceage; Marching Church; Life; The Murder Capital; The Clash; The Streets; Jamie T; New Order; Slaves; The Icarus Line; Ty Segall; Ty Segall Band; The Stooges; Iggy Pop; MC5; The Sonics; Obits; The Men; Interpol; Editors; Pavement; Buzzcocks; Ramones; We Are Scientists; Arctic Monkeys; Motorama; Sex Pistols; Kaiser Chiefs; Oasis; The Beatles
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