LaBrassBanda - Danzn

LaBrassBanda- Danzn

Polydor / Universal
VÖ: 24.07.2020

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die Almdudler

Ja ja, schon klar, dass die Alm nicht direkt am Chiemsee zu finden ist, dort, wo die Bläserfusionisten von LaBrassBanda ihre Heimat haben. Aber immerhin prangt auf dem Cover ihres fünften Studioalbums eine Kuh. Mit Discokugel um den Hals – schließlich trägt das Werk den Titel "Danzn" und genau dazu sollen allem Anschein nach Homo sapiens und andere Tiere angeregt werden. Nun reichen die treibenden Rhythmen von Songs wie "InDiHö" oder "Brassfire" sicher aus, um den Menschenmassen (oder eben Kühen) bei Konzerten richtig einzuheizen. Ein Album muss sich jedoch auch daran messen lassen, welcher Gehalt im heimischen Wohnzimmer übrig bleibt. Dieser fällt bei "Danzn" leider erschreckend dünn aus.

Das Dutzend Songs dudelt zum Großteil in der Tat so unbeeindruckend durch, dass man sich Sorgen macht, ob der Sound des Septetts nicht doch mittlerweile ernste Abnutzungserscheinungen erfährt. Gretchenfrage: Wäre "Danzn" das erste Album der Truppe, würde man es besser bewerten? Doch ein Vergleich mit dem Debüt "Habediehre" bringt vielmehr hervor, dass LaBrassBanda früher schlichtweg eingängigere, mitreißendere Refrains und schweißtreibendere Tempoparts servierten. Heute reicht es, wenn über 08/15-Trompetenfiguren ein "Bababa" oder "Nanana" oder "Dadada" gesungen wird. Die ohnehin nie arg verkopften Texte werden zu unausgegorenem Beiwerk – oder gleich ganz durch einfallslose Lautmalerei ersetzt. Stefan Dettl und Co. geben sich einfach zu wenig Mühe.

So dreht sich "Gipshax" über das trotzige Tanzen mit eingegipstem Bein und viel mehr steckt nicht hinter dem recht repetitiven Stück. Die zurückhaltenden "DaOideMo" oder "Hoaße Nacht" hinterlassen keinerlei Eindruck, klassische Füller auf einem sowieso highlightarmen Album. Immerhin amüsieren die geschickt eingearbeiteten Traktor- und Muh-Samples in "Discobauer" genauso wie die lapidare Ankündigung: "Sexytime, weil heit der Besamer kommt." "Tecno III" fällt völlig aus dem Rahmen und macht mehr noch als das originale "Tecno" seinem Namen alle Ehre. Das ist deutlich elektronischer als alles, was man bisher von der Band kannte, lässt aber aufhorchen – und mittanzen. Weiterentwicklung also doch möglich. Puristen haben sich aufgrund des auf "Danzn" mehrfach eingesetzten Autotune-Effekts ohnehin schon verabschiedet.

Bei den ruhigeren Stücken, die sonst oft für heimliche Höhepunkte gut waren, fällt lediglich das melancholisch schwelgende "Stoi" positiv auf. Der Closer "Bach" deutet zwar mit den Zeilen "Di Nachrichtn machen mich krank / I verlier mein Verstand" ein Heranwanzen an ernsthafte Themen an, verliert sich aber doch nur in repetitiver Bedröppelung. Nein, "Danzn" macht in seiner Gesamtheit leider zu wenig Spaß. Die Substanz bröckelt an allen Ecken und Enden. Auch wenn das Mitwippen hier und da immer noch schwer unterdrückt werden kann, scheinen LaBrassBanda dringend neue Ansätze für ihren originellen Sound zu benötigen. Denn sich nur auf "'s Leben is schee" auszuruhen, kann es ja auf Dauer auch nicht sein.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Discobauer
  • Tecno III

Tracklist

  1. InDiHö
  2. Danzn
  3. Gipshax
  4. DaOideMo
  5. Kaffee vs. Bier
  6. Brassfire
  7. Discobauer
  8. Auerhahn
  9. Tecno III
  10. Stoi
  11. Hoaße Nacht
  12. Bach

Gesamtspielzeit: 45:43 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18062

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-24 21:12:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18062

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-19 19:43:16 Uhr - Newsbeitrag

*** LaBrassBanda veröffentlichen heute das Video zu ihrer Single „Disco Bauer ***

*** Album „Danzn“ erscheint am 24. Juli 2020 ***
Es ist an der Zeit, mal gründlich mit ein paar Klischees aufzuräumen. Und zwar höchste Zeit.

Ja, LaBrassBanda kommen aus Bayern. Ja, sie tragen gerne Lederhosen. Ja, sie spielen Blasmusik. Und das auch noch gerne barfuß.

Wer sie aber 2020 immer noch in eine Schublade stecken möchte, auf der sowas wie „Schräge bayerische Band“ steht, hat nichts verstanden.

LaBrassBanda mögen ihre Wurzeln in Oberbayern haben, längst sind sie auf der ganzen Welt unterwegs – und das sehr erfolgreich.

Mit einem Sound, der sich nicht um Genregrenzen schert. Denn für LaBrassBanda gibt es keine Grenzen. Keine Ländergrenzen. Keine stilistischen Grenzen. Keine Grenzen im Kopf.

„Und darum haben wir beschlossen, dass unser neues Album einfach ‚Danzn‘ heißt“, erzählt Stefan Dettl, Sänger und Trompeter von LaBrassBanda.

„Außerhalb von Deutschland sind wir einfach nur eine Band, bei der man tanzen kann. In England zum Beispiel sagt niemand, dass wir diese bayerischen Typen sind, die in Tracht spielen.

Sondern sie sagen, dass man bei uns eine gute Zeit haben kann. Wir haben einfach keine Lust auf Schubladendenken.“



Und darum passt die neue Single „Disco Bauer“ auch in so gar keine Schublade.

Aus Traktoren-Geräuschen und Kettensägen-Samples wird plötzlich ein Disco-Beat, bei dem man nicht stillsitzen kann.

„Wir wollten uns dem Thema ‚Bayern‘ so ironisch wie möglich nähern“, sagt Dettl. Und trotzdem ein paar Hintergedanken einbauen.

Und so wird beim „Disco Bauer“ nicht nur getanzt, sondern gleich noch das Thema Umweltschutz verhandelt. Mit dem handfesten Tipp, doch statt dem Avocado-Toast mal Omas Krautsalat zu essen.

Der würde schließlich nicht um die halbe Welt fliegen.



Das Video zu „Disco Bauer“ kann man hier sehen:





„Danzn“, das fünfte Studio-Album von LaBrassBanda, ist Popmusik im allerbesten Sinn.

Man hört Elemente aus Portugal, Frankreich und dem Balkan genauso wie aus Tasmanien und Thailand.

„Wir haben die Inspirationen, die wir auf der letzten Welttournee gesammelt haben, ohne Scheuklappen umgesetzt“, sagt Stefan Dettl.

LaBrassBanda sind Vollblutmusiker, die immer noch Lust auf mehr haben.


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