XTR Human - Interior

XTR Human- Interior

Blackjack Illuminist
VÖ: 29.05.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus der Schachtel

"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen ...", meinte einst eine berühmte Filmfigur in einem Kult-Streifen. Einspruch, denn zumindest manchmal ahnt man ziemlich genau, was drin ist. Eine leise Vorahnung hin zu einer in dunkle Schokolade getauchten, atmosphärischen Spielart des Indie-Rock lassen zumindest Bandname und Platten-Cover erahnen. XTR Human nennt sich der Vierer um Songschreiber Johannes Stabel, und die Truppe läuft bislang zu Unrecht noch ein wenig unter dem Radar der Szene. Wobei wir da vielleicht dem Kern dieser Zustandsbeschreibung näherkommen: Gibt es für Post-Punk oder Indie-Rock wirklich noch eine aktive Szene? Vielleicht auch wurscht, weil auf jeden Fall sehr viele Menschen anno 2002 bis 2006 die Nacht der Nächte gleich mehrfach erlebt haben, sprich mit der zweiten New-Wave-Welle sozialisiert wurden, und den Sound der Berliner mögen dürften.

Eines vorweg: Wer ausschließlich Ausschau hält nach einem dunkel funkelnden Meisterwerk wie beispielsweise "Turn on the bright lights", darf jetzt schon zur nächsten Rezension klicken. Denn XTR Human orientieren sich deutlich an der von Lichtstrahlen gefluteten Wand des Post-Punk-Tunnels. So zappelig, beinahe Talking-Heads-like wie in "New dawn" ist dieses "Interior" dann zwar eher selten, aber Bassline, Gitarre und Rhythmusfraktion betten jede Menge feine Synthie-Bögen und die breit ausufernden Melodien des zweiten XTR-Human-Albums auf ein stets kraftvolles Fundament. Der feine Opener "With a smile" startet mit Bass, Drums und Synthies zurückhaltend, befördert alsbald jedoch Schwingungen, die einen gewissen The-Cure-Vibe gar nicht erst leugnen. Bis der Refrain dann zunächst schüchtern, später aber, wie in frühen White-Lies-Tagen, mit wuchtigem Gitarren-Kick den Kehraus macht.

Das bereits 2019 ausgekoppelte "On a greater scale" schielt im üppigen Refrain mit einem Auge hinüber in hübsche Dream-Pop-Landschaften, entscheidet sich dann aber doch spontan für einen Surf-Rock-Kurs. Der Song profitiert wie etliche andere Tracks von der sauberen, warmen und mehr als zweckdienlichen Produktion vom Jaguwar-Mann Lemmy Fischer. In experimentelleren Momenten, etwa zum Auftakt des später offensiven und hymnischen "On miracles", scheint Stabels Gesang manchmal nah bei Konstantin Gropper beziehungsweise Get Well Soon. Zu viel Name-Dropping? Zum einen darf man dann The Twilight Sad nicht vergessen, an deren Morbiditäts-Sound sich "Dreams" versucht. Zum anderen wird auch Stabel wissen, warum XTR Human klingen, wie sie klingen – und dürfte zur Verteidigung genauso anbringen, dass zwischen den Stühlen der Großen durchaus Platz für eine eigene Note ist. Unterm Strich packt die B-Seite den Hörer dann leider nicht ganz so beim Schopfe wie die Stücke der tollen A-Seite – ein paar edle Pralinen für Synth-Rock-Freaks hat die Schachtel namens "Interior" aber allemal zu bieten.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • With a smile
  • On a greater scale
  • New dawn
  • On miracles

Tracklist

  1. With a smile
  2. On a greater scale
  3. New dawn
  4. Masks of faith
  5. On miracles
  6. Dreams
  7. Hearst
  8. Giants
  9. Darkest side
  10. Goodbye

Gesamtspielzeit: 40:34 min.

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User Beitrag

MM13

Postings: 1909

Registriert seit 13.06.2013

2020-07-18 16:08:16 Uhr
eigentlich genau mein sound,überzeugt mich aber beim ersten hören noch nicht ganz,muss ich nchmal eine zweite chance geben,erinnert mich vom gesang her stark an o.children oder ritual howls.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18088

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-17 22:12:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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