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L.A. Salami - The cause of doubt and a reason to have faith

L.A. Salami- The cause of doubt and a reason to have faith

Sunday Best / Membran
VÖ: 17.07.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die volle Kontrolle

Es ist Blackout Tuesday, der 2. Juni 2020. Aus einer Initiative der amerikanischen Musikindustrie entsteht ein ziemliches Lauffeuer. Als Zeichen der Solidarität mit der Black-Lives-Matter-Bewegung wurden Musiklabels dazu angeregt an jenem Dienstag auf die Veröffentlichung neuer Musik zu verzichten und auch sonst ihre Geschäfte weitgehend ruhen zu lassen. Am Ende des Tages sah man auf Instagram nur noch schwarze Quadrate, gepostet von Millionen von Nutzern ebenfalls als Zeichen der Solidarität. Nur einer wollte nicht mitmachen: der Londoner Lookman Adekunle Salami. Als Grund zählt er auf seinem Profil Situationen auf, in denen Vertreter der Musikindustrie ihn wegen seiner Hautfarbe benachteiligt haben. Beispiel: Bei Jools Holland wollte man ihn nicht, weil seine Musik nicht zu seiner Hautfarbe passe.

Es ist immer wieder traurig, solche Schilderungen zu lesen, zumal von einem Ausnahmetalent wie Salami. Auf seinem letzten Album "The city of bookmakers" hat er mal eben die Zerrissenheit des United Kingdom in meisterhaften, poetischen Texten und spielerischen Pop-Melodien abgehandelt. Umso schöner ist es nun zu lesen, dass Salami auf seiner dritten Platte, "The cause of doubt and a reason to have faith" endlich ganz er selbst sein kann. Wie der Pressetext wissen lässt, ist es das erste Album, bei dem die kreativen Zügel komplett in seinen Händen lagen, ohne Einmischung der von ihm kritisierten Musikindustrie. Es ist, wie zu erwarten war, ein geschwätziges Album geworden, voller virtuoser Textzeilen, denen man wahrscheinlich ganze Analysebände widmen könnte. Selbst da, wo man einen harmlosen Pop-Refrain vermutet, in "Things ain't changed", bleibt einem bei genauerem Hinsehen der Ohrwurm im Halse stecken: "To live life's the aim / In a decent way / But decent ain't always / Where you start."

Es ist auch ein noch eigensinnigeres Album geworden, was hier im positivsten Sinne gemeint ist. Die Platte umfasst nur sieben Songs, abgesehen von einem sehr kurzen Stück haben dafür auch alle eine beachtliche Länge. Der Titeltrack, der das Album eröffnet, schlägt anfangs immer wieder Haken, startet mit einer gezupften Gitarre und gehauchtem Gesang, die dann plötzlich übertönt werden und es scheint, als würde ein zweiter Song einsetzen. Auch dieser klingt aus, der Hauptteil des Tracks beginnt, der bis auf den Gesang auch von Kurt Vile stammen könnte. "I could be a soldier in a chess war / A nationless soul in an airport / A loner who will always need the last score / A lover with no lover in the arms of an escort" singt Salami, der Grübler, der immer mehr zum Nachdenken anregt, als vorwurfsvoll mit dem Finger auf Probleme zu zeigen. Nach neun Minuten ändert dieser Opener mit einer Tonaufnahme eines Dialogs über Löwen wieder die Richtung und klingt so langsam aus.

Zugänglich ist dieses Album nicht, man muss es sich erhören. Im besten Fall hat man die Lyrics parat, ansonsten drohen Zeilen wie "Maybe Kanye West is insane / But maybe he's not always wrong / But if you wanna play it safe / And keep out of the view of the monster / It's best to just play along" einfach an einem vorbeizuziehen. Die Passage stammt aus "When you play god (The 2018 copyright blues)", einem ins Psychedelische driftenden Folk-Song, der auch wieder die Schicksale verschiedener Menschen behandelt. Mit "The cage" hat Salami einen waren Rap-Epos von acht Minuten aufgenommen, dem es nicht gerecht werden würde, ihn nur mit einzelnen Zeilen anzupreisen. "Thinking of Emiley" und "Dear Jessica Rabbit" haben weniger gesellschaftskritische Ambitionen, sind dafür aber persönlicher und überzeugen in ihrer Ehrlichkeit und Klarheit. Es ist kein leichtes Album, aber wer aufmerksam zuhört, bekommt eines der spannendsten und stärksten Werke des bisherigen Jahres geboten.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • The cause of doubt and a reason to have faith
  • Things ain't changed
  • The cage

Tracklist

  1. The cause of doubt and a reason to have faith
  2. When you play god (The 2018 copyright blues)
  3. Thinking of Emiley
  4. Dear Jessica Rabbit
  5. Things ain't changed
  6. The cage
  7. The talis-man on the age of glass (Redux)

Gesamtspielzeit: 43:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Vive

Postings: 418

Registriert seit 26.11.2019

2020-07-08 21:29:05 Uhr
Geiler Shit. Bandname hat mich angesprochen und gleich Bingo!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18836

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-08 20:47:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Hubble

Postings: 121

Registriert seit 14.06.2013

2020-04-30 20:44:25 Uhr
Ui, ich bin gespannt. The City of Bootmakers war sehr gut!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18836

Registriert seit 08.01.2012

2020-04-29 18:32:14 Uhr - Newsbeitrag
“A talented Visionary, his poetry channels the fierceness I first heard in Bob Dylan's Highway 61 Revisited, but with a prowess found in today's best hip-hop” NPR



“Like Joni Mitchell and Neil Young at their most sublime” Fred Perry



“I love the deliberateness, cleanness and colour of modern music, but I also miss the complete chaos of old, like some Captain Beefheart and Velvet Underground records, or even 90s HipHop records with the peaking 808s and static compressed vocals al la Wu Tang, or blues records like Robert Johnson’s. Somewhere in there is the carnival I’ve been searching for. This entire album could very well be a love letter to Lou Reed and The Velvet Underground.” (Lookman Salami)

Lookman begann sehr früh mit dem Schreiben von Gedichten, aus denen sich dann das Schreiben von Texten entwickelte, mit 21 Jahren erst brachte er sich die Gitarre autodidaktisch bei. Bisher erschienen die Alben "Dancing With Bad Grammar" (2016) und "The City of Bootmakers" (2018). Seine beschwörenden, poetischen Texte spannen den Bogen von großen existentiellen Fragen bis hin zu Vignetten des Alltagslebens.

Album Pre Order - https://orcd.co/causeofdoubt



Live:

22 AUG EDLING, KUAHGARTN OPEN AIR

23 AUG MANNHEIM, ALTE FEUERWACHE

25 AUG ERLANGEN, E-WERK

26 AUG KÖLN, BLACKFOOT BEACH

29 AUG BERLIN, KUNSTHAUS DAHLEM


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