Michelle Branch - Hotel paper

Michelle Branch- Hotel paper

Maverick / Warner
VÖ: 01.09.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Ja klar. Die Musik ist natürlich immer das wichtigste. Uns alternativen Indie-Schlingeln kommt es doch nicht auf Banalitäten wie die richtige Verpackung an. Die Optik des Künstlers? Völlig schnuppe. Es sind die Songs, die zählen. Sonst nichts. Und wenn wir mit schwitzigen Fingern durchs Booklet der neuen Michelle-Branch-Platte blättern, dann bemerken wir selbstverständlich nur nebenbei, daß die junge Dame mit dem Trademark auf die Bezeichnung "Popküken" tatsächlich noch viel hübscher geworden ist. Denn eigentlich wollen wir ja nur überprüfen, ob die Gute wieder alles selbst gemacht hat. Hat sie. Mit ein bißchen Hilfe natürlich. Aber da können wir ein Auge zudrücken. Immerhin hat der Frauen-Pop-Ring der Matrix-Songwriter seine Finger diesmal nicht im Spiel.

Ihre unverschämte Frühreife hat Michelle Branch ja schon letztes Jahr unter Beweis gestellt. Als würde es nicht längst genügen, so gut auszusehen, daß jedes vernünftige Supermodel beschämt den Dienst quittieren sollte, machte auf "The spirit room" auch die Musik was her. Haufenweise Popsongs, die gar nicht mehr aus dem Ohr rauswollten, ein richtiger Hit und ganz zum Schluß sogar ein ganz kleines bißchen, ganz zaghaftes Experiment. So hätte es weitergehen dürfen. Während aber die Hormone weiter brav auf Michelles Seite stehen, gerät die musikalische Entwicklung auf "Hotel paper" gehörig ins Stolpern. Weil die üblichen Fehler gemacht wurden.

Fangen wir hinten an. Daß Michelles letztjährige Debütsingle "Everywhere" auch auf ihrem zweiten Album auftaucht, war wahrscheinlich nicht ihre Idee, ist aber trotzdem Marketing-Mist, den man nur aus Geldverdienzwecken macht. Oder weil man Weezer ist. Das gnadenlose Gegniedel von Carlos Santana, der sich in Punkto Merkbefreitheit mehr und mehr zur Latino-Antwort auf Ozzy Osbourne mausert, hätte auch nicht sein müssen. Und wer immer noch glaubt, Sheryl Crow sei im 21. Jahrhundert eine brauchbare Duettpartnerin, wartet wahrscheinlich auch ernsthaft auf die neue Scheibe von Guns N'Roses.

So ganz und gar ungescholten kommt uns aber auch Michelle nicht aus dieser Nummer raus. Die Teen-Pop-Produktion aus Plastik haben zwar andere verbrochen, es ist aber auch ihr schwächelndes Songwriting, daß "Hotel paper" schnurstracks in den Unrat reitet. "Are you happy now?" ist die immerhin brauchbare 1B-Variante von "Everywhere", und auch der Titelsong hat seinen sympathischen eigenen Kopf. Soweit die Haben-Seite. Der Rest ist standardisierte Frau-spielt-Gitarre-Musik, zum Schlechtfinden gerade noch zu gut, zum mögen viel zu belanglos und somit auch schon wieder irgendwie sowas von egal. So lange Miss Branch ihr Nase derartig in den Wind hält, stecken wir unsere lieber nochmal ins Booklet.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Are you happy now?
  • Hotel paper

Tracklist

  1. Intro
  2. Are you happy now?
  3. Find your way back
  4. Empty handed
  5. Tuesday morning
  6. One of these days
  7. Love me like that
  8. Desperately
  9. Breathe
  10. Where are you now?
  11. Hotel paper
  12. 'Till I get over you
  13. Everywhere
  14. The game of love
  15. It's you

Gesamtspielzeit: 54:51 min.

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