Kaiser Franz Josef - III

Kaiser Franz Josef- III

Columbia / Sony
VÖ: 17.07.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Am Rande

Plötzlich war sie da. Eine Band, jung und ungestüm, die völlig unbekümmert die Bühnen dieser Welt stürmt und mit unverbrauchtem Classic Rock begeistert. Auch wenn die Anleihen an Led Zeppelin dermaßen groß sind, dass deren ikonischer Frontmann Robert Plant schmunzelnd anmerkte, dass der Sänger ihn an jemanden erinnere, den er sehr gut kenne. Krönung natürlich – neben einem fürstlichen Diss von Steven Wilson – 2018 der Grammy. The sky is the limit. Doch dies ist nicht die Geschichte dieser Band. Dies ist nicht die Geschichte von Greta Van Fleet, sondern von Kaiser Franz Josef. Warum dann aber diese einleitenden Worte? Nun, auch die Wiener konnten schon sehr früh sehr große Bühnen betreten, durften sie doch bereits 2010 noch ohne einen Plattenvertrag in der Tasche vor 80.000 Menschen für AC/DC eröffnen. Und wer das Publikum der Aussies schon einmal live erlebt hat, weiß, dass Support-Bands im allergünstigsten Fall mit höflicher Skepsis begutachtet werden – mit King's X und den großen Queensrÿche wurden schon ganz andere Kaliber von der Bühne gepfiffen, das nur am Rande.

Wie dem auch immer sei – dass nun die viel später gegründete Truppe aus Michigan mit überaus ähnlichem Konzept die Lorbeeren abgreift, scheint Kaiser Franz Josef nicht hörbar zu tangieren. Und vermutlich haben die Brüder Kiszka ohnehin noch nie von der Band aus dem fernen Austria mit dem seltsamen Namen gehört, die sich dementsprechend auf das konzentriert, was sie am besten kann – nämlich unbekümmert ihren Classic Rock spielen, ob nun im Probekeller oder im Stadion. Doch da das dritte Album immer noch im Ruf steht, so etwas wie einen Scheideweg zu markieren, überließ das Trio zumindest beim Aufnahmeprozess nichts dem Zufall. Ein hochdekorierter Starproduzent sollte es sein, nein, nicht die Metal-Ikone Jens Bogren, sondern Tom Dalgety, in dessen Portfolio Bands wie Rammstein oder Ghost stehen – und das Studio, in dem nicht völlig unbekannte Liedchen wie "Bohemian rhapsody" das Licht der Welt erblickten. Aber auch das nur am Rande.

Ganz und gar nicht randständig ist allerdings "Dive", Opener des unspektakulär "III" benannten Albums und zugleich erste Single. Denn das Stück marschiert entschlossen voran, angetrieben von einem starken Riff und dem gewohnt extrovertierten Gesang von Frontmann Sham. Was es aber bedeuten kann, wenn man mal das Tempo etwas zurücknimmt, zeigt das folgende "Cactus", für das Blues-Exzentriker Seasick Steve einen wunderbaren Groove geschmiedet hat – das ergibt nicht nur einen veritablen Ohrwurm, sondern einmal mehr eine wunderbare Plattform für den "Ich kann auch Cornell"-Frontmann. Doch auch ohne fremde Hilfe gelingt es dem Trio tatsächlich immer wieder wie bei "Strip my soul", höchst eingängig drauflos zu rocken und dabei seine ungeschliffene Spontaneität zu bewahren, Produzent Dalgety sei Dank. Und da die Wiener mittlerweile zu formvollendeten Eklektikern gereift sind, macht die Suche nach den originalen Einflüssen immer wieder Spaß – sozusagen als kleines Vergnügen am Rande.

Gut, mitunter übertreiben es die Drei mit der Hommage etwas, wenn zum Beispiel "Slow" nicht nur selbiges ist, sondern sich etwas in sich selbst verliert und dabei frappierend an Soundgarden zu ihrer Hit-Phase erinnert. Doch "Overdue" und "All in my head" können diesen kleinen Makel direkt danach locker kompensieren, indem sie sich wieder auf die Essenz konzentrieren, die aus so simplen Riffs ohne viel Chichi mitreißende Songs formt. Vor allem jedoch gelingt es Tom Dalgety über weite Strecken endlich, die Energie der Band einzufangen, sie einfach machen zu lassen und damit ein – leider etwas arg kurzes – Album zu destillieren, das unter normalen Umständen den nächsten großen Schritt bedeuten könnte. So wie eine Platte gleichen Namens für eine andere Band als Katalysator für eine große Karriere diente. Die Rede ist natürlich von Led Zeppelin. Deren Weltstar-Status werden Kaiser Franz Josef natürlich nicht erreichen, so vermessen wird niemand sein. Doch eines bleiben die Wiener ebensowenig: Eine Erscheinung am Rande.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Cactus (feat. Seasick Steve)
  • Strip my soul
  • All in my head

Tracklist

  1. Dive
  2. Cactus (feat. Seasick Steve)
  3. Strip my soul
  4. Epitaph
  5. Slow
  6. Overdue
  7. All in my head
  8. Otherside
  9. Rings to the bone

Gesamtspielzeit: 31:19 min.

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User Beitrag

Klaus

Postings: 1332

Registriert seit 22.08.2019

2020-07-10 09:36:58 Uhr
"Doch dies ist nicht die Geschichte dieser Band. Dies ist nicht die Geschichte von Greta Van Fleet, sondern von Kaiser Franz Josef. Warum dann aber diese einleitenden Worte?"

Bin ich der einzige, der denkt, das hier ein "nicht" falsch herum gesetzt ist?

Ansonsten wieder mal so ein fürchterlicher Bandname, der allein das reinhören erschwert.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18094

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-08 20:45:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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