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July Talk - Pray for it

July Talk- Pray for it

Sleepless / BMG / Warner
VÖ: 10.07.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Dualismus und Dreampop

July Talk waren schon immer eine Band der Kontraste. Den auffälligsten liefern natürlich die zwei Stimmen: Peter Dreimanis' breitbeinig zwischen Joe Cocker und Barry White sitzender Tiefenbohrer nebst dem Äther-Organ von Leah Fay, das auch auf einen alten Shoegaze-Klassiker gepasst hätte. Wie in den besten Beziehungen stehen sie im konstanten, nicht konfliktscheuen Kontakt zueinander und finden ihr musikalisches Echo in einem ähnlichen Spannungsverhältnis von angriffslustigem Indie-Rock und sanfterem Pop. Oder besser gesagt "fanden", denn "Pray for it", das dritte Album des kanadischen Fünfers, wirft eine Frage auf: Wie stabil ist das Gleichgewicht der Gegensätze, wenn sich die Parameter verschieben? Die July Talk im Jahr 2020 halten ihre Pferde stärker im Zaum als früher, drosseln das Tempo und lassen die Gitarren seltener krachen. Zumindest gefühlt stellt Fay nun auch den dominanteren Part dar, der sich zuweilen vom Partner zu emanzipieren versucht.

So führt "Pray for it" die elektronischen Flirtversuche seines Vorgängers "Touch" fort, nutzt sie aber weniger für Robyn'sche Antanzmanöver und mehr für enigmatische Verhüllungen. Im mysteriös verschachtelten Opener "Identical love" flirren atmosphärische Synthies umher, um im Mittelteil einem nebulösen Saxofon den Weg freizuräumen. "Good enough" spielt die Gitarre ebenso nur zaghaft an und erinnert in der süßlichen Naivität seines Drumcomputer-Hüpfens etwas an Belle & Sebastian. Ob im Blumenwiesen-Duett von "Friend of mine" oder dem wundervollen, Piano-dominierten Fast-Titeltrack "Pay for it", einem von drei Fay-Solo-Stücken: Die Band fühlt sich hörbar wohl in ihrem neuen, gut gepolsterten Tempel der absoluten Ohrmuschel-Wellness. Überwindet man die Irritation über seine ins Leere laufenden Erwartungen, bleibt die Feststellung, dass July Talk ein richtig gutes Dreampop-Album gelungen ist.

Selbst den schmissigeren Momenten wohnen zu jedem Zeitpunkt eine große innere Zufriedenheit und Wärme inne. "Pretender" stolziert erst mit bluesiger Coolness durchs Roadhouse, um im Refrain wieder in die üblichen Tagträume davonzuschweben. "The news" durchströmt ein angenehmer Collegerock-Vibe, in dem die Saiten mal mit etwas mehr Nachdruck und Verzerrung bearbeitet werden. Mit "Governess shadow" schleifen July Talk eine Uptempo-Perle des sommerlichen Anti-Punks, den zum Beispiel die frühen Best Coast zur lässigen Perfektion getrieben haben. Hier findet das Songwriting-Duo auch seine Stärke für das charakterfokussierte Erzählen wieder, das in den Pärchenstories von "Touch" seine Knospen trieb. Dreimanis singt von seiner Urgroßmutter Alice, ihren Schwestern und wie sie mit ihren vorgefertigten Plätzen in der Welt zu kämpfen hatten – eine berührende Geschichte, die mit wenigen Worten viel zu sagen weiß.

Auf hohem Niveau ließe sich höchstens darüber meckern, dass die zwei Stimmen manchmal eher nebeneinander laufen, statt miteinander zu kommunizieren. Vielleicht ist dies aber auch nur der nötige Nebeneffekt einer künstlerischen Entwicklung, die über drei Platten hinweg nie stillstand. Die Sanftheit von "Pray for it" sollte man keineswegs mit Ambitionslosigkeit verwechseln, wie vor allem "Champagne" beweist: Gemeinsam mit Kyla Charter und James Baley, zwei Vokaltalenten ihres Heimatlands, ziehen Fay und Dreimanis eine astreine Gospel-Pop-Nummer hoch, mit Handclaps, Drama und großem Finale. Auch der skizzenhafte Closer "Still sacred" lässt sich mit seinen unheilvoll wabernden Synthies kaum fassen. Es ist sicher kein Zufall, dass July Talk ihr Album in einem solchen Moment der Unruhe und Bewegung beenden, der weniger wie ein Abschluss und mehr wie der Beginn von etwas Neuem wirkt. Diese zwei Kontrastköpfe werden sich in Zukunft sicher noch einiges zu sagen haben.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Good enough
  • Pretender
  • Pay for it
  • Governess shadow

Tracklist

  1. Identical love
  2. Good enough
  3. Life of the party
  4. Pretender
  5. Pay for it
  6. Champagne (with James Baley & Kyla Charter)
  7. Friend of mine
  8. The news
  9. Governess shadow
  10. See you thru
  11. Still sacred

Gesamtspielzeit: 43:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Yndi_

Postings: 13

Registriert seit 23.09.2019

2020-07-09 14:38:32 Uhr
July Talk habe ich auch schn echt lange nicht mehr gehört, musste aber letztens an die Band denken, als ich die neue The Winter Passing gehört habe. Hauptsächlich natürlich wegen des stimmlichen Kontrasts. Wem das hier also zu zahm ist, darf dort mal reinhorchen.

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2365

Registriert seit 14.06.2013

2020-07-09 09:15:56 Uhr
Oha, July Talk sind ein bisschen zahmer geworden. Hatte die Band ein wenig aus den Augen verloren. Aber noch immer herzallerliebst.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-08 20:45:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-12 19:54:03 Uhr - Newsbeitrag

JULY TALK VERÖFFENTLICHEN „IDENTICAL LOVE“

AUS IHREM NEUEN ALBUM PRAY FOR IT



ERSCHEINT AM 10. JULI 2020 ÜBER SLEEPLESS/BMG WORLDWIDE


Bildnachweis: Lyle Bell



July Talk enthüllen „Identical Love“, einen tiefgründigen, überaus romantischen neuen Song, der sich voller Offenheit und Verlangen mit der transformativen Kraft der Liebe befasst. Das gleichermaßen betörende Video dazu wurde erstmals im „Origins“-Feature auf Consequence of Sound vorgestellt. „Identical Love“ vermittelt Hingabe und Neuwerdung, eine Botschaft, die sich durch das neue Album Pray For It zieht.

„Eines ist dir klar. Du weißt, dass du deine Liebe hinterfragen musst, wenn du selbst von ihr hinterfragt werden willst“, schreibt Co-Leadsänger Peter Dreimanis. „Deine Liebe soll dich verändern, überraschen und umwandeln. Du musst sie jedoch hinterfragen, damit sie die transformative Kraft erhält, die alle um dich herum beseelt und wie neu fühlen lässt, als wäre jederzeit absolut alles möglich.“

„Dieser Song kam mir an dem Tag im Sommer 2018 in den Sinn, an dem ich mir in Brooklyn eine neue Gitarre gekauft habe. Ich konnte nicht aufhören, diese Worte wieder und wieder vor mich hin zu singen, während ich in die alten, gebrauchten Saiten griff. Ich liebe alles an meiner Partnerin, auch die Tatsache, dass sie nicht hetero ist, und wir hatten uns damals gerade entschieden, dass es wichtig ist, diese Besonderheit in unserer Beziehung anzunehmen. In dieser Zeit wurde uns bewusst, dass unsere Liebe jegliche Form annehmen konnte, die wir ihr geben wollten. Sie war groß genug geworden, um hinterfragt zu werden“, beschreibt Dreimanis.

„Origins“-Feature HIER lesen und „Identical Love“ HIER streamen/kaufen

„Identical Love“ belegt zusammen mit dem wirbelnden Ballett von „Pay For It“ und dem surrealistischen Knurren von „Governess Shadow“ die Vielseitigkeit von Pray For It. Das dritte Album von July Talk erscheint am 10. Juli 2020 über Sleepless Records Canada/BMG Worldwide.



DIE OFFIZIELLEN VIDEOS BEREITS ERSCHIENENER SINGLES ANSEHEN:

„GOVERNESS SHADOW“


„PAY FOR IT“



„IDENTICAL LOVE“





DIE BEITRÄGE DER BAND LIVE AUS DER ISOLATION ANSEHEN:

„GOVERNESS SHADOW“


„PAY FOR IT“




July Talk erstürmte mit einem krachenden, radiogängigen Rockalbum die Szene und legte mit Touch ein explosives zweites Album mit scharfkantigem Pop und Sirenengesang nach. Für ihr drittes Album hat sich die Band weit geöffnet und eine spannende neue Balance in der Asymmetrie gefunden. Mit Pray For It bekennt sich July Talk zu der Möglichkeit alternativer Ausgänge und würdigt die Kraft der Verletzlichkeit als Chance für einen Neuanfang. July Talks Werdegang bestand noch nie in der Anpassung. Ihre Musik, instinktiv und glühend heiß, schnitt bereits mit mehreren Nummer-Eins-Singles glatt durch die Alternative- und Rock-Charts. Ihre aufwühlenden, extrem kräftezehrenden Auftritte bringen die Säle zum Brodeln und Zischen in grandioser kunstvoller Hingabe.

July Talk steigen selbstbewusst und zielstrebig immer weiter auf. Die Band hat von Anfang an eine Gemeinschaft aus Gestaltern und Mitwirkenden für Bühne und Film gefördert, darunter auch solche, die systemische Ungleichheiten hinterfragen. Die Bandmitglieder setzen sich zudem verstärkt für ein dringend notwendiges und fundamentales Umdenken in der Musikbranche ein, indem sie sich kuratorisch an Festivals beteiligen und ihre eigenen Parameter für ein sichereres Umfeld bei Rock-Shows festlegen.

Pray For It wurde produziert von Burke Reid (Courtney Barnett, The Drones, Julia Jacklin), Graham Walsh (Holy Fuck, Metz), David Plowman (Brendan Canning, Young Clancy, Michael Rault), Milan Sarkadi (Mute Choir, Said The Whale) and Ben Fox (Filmkomponist). Das Album wurde gemischt von Rob Schnapf (Beck, Cat Power, Andy Shauf).

TITELLISTE PRAY FOR IT:


Identical Love
Good Enough
Life Of The Party
Pretender
Pay For It
Champagne w/ James Baley + Kyla Charter
Friend Of Mine
The News
Governess Shadow
See You Thru
Still Sacred



July Talk sind Leah Fay, Peter Dreimanis, Josh Warburton, Ian Docherty und Danny Miles.



PRAY FOR IT erscheint am 10. Juli 2020 über Sleepless Records Canada und BMG Worldwide.



WWW.JULYTALK.COM
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