Phillip Boa & The Voodooclub - C90

Phillip Boa & The Voodooclub- C90

RCA / BMG
VÖ: 01.09.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tapedreck

Fickt den Wohlklang! Phillip Boa, der auf Malta lebendste Dortmunder der Welt, trägt den Geschmack des schon bei "The red" geleckten Blutes noch immer wie Schaum vorm Mund. Es lebe der Krach, und so scheppert, grummelt und frotzelt es auf "C90", daß es ein wohlfeiler Schmerz im Gesäß ist. Schon die öffnende Single "Slipstream" ist allerbeste schlechte Laune. Ob's am reichlich zerschossenen Sound liegt, der trotz (oder dank?) der Fummelei gleich eines Halbdutzends Produzenten und sonstigen Mixern herrlich nach Demo und Garage klingt? Oder rührt's daher, daß seine Verflossene Pia Lund wieder mit an Bord ist und zusätzlich zur Bohnenzüchterin Alison Galea die Sirene geben darf? Nein, nein. Das ist alles Absicht. Denn: "I'm a little complicated."

Boa hat seinen Spaß noch immer vor allem an der Verweigerung. Der Altmeister des Beinahe-Pops verheddert all die schönen Melodien mit voller Absicht, damit sich die Freude an der Selbstverstümmelung wie ein schiefes Grinsen über das komplette Album ausbreiten kann. Und hatte man nach dem Furor des Vorgängers vermutet, daß erneut jede Menge Voodoo-Beats die Stücke aufmischen, wummert es jetzt gerne wieder etwas ruhiger. Und oft klingt "C90" sogar beinahe harmonisch. Doch auch wenn sich "By a soul in hell" (nur echt mit zärtlichem Piano-Geklimper und Mellotronschmelz) und "Sunfeel" um den Platz des süßlichsten Geschunkels seit "Rome in the rain" balgen, läßt sich der Voodooclub niemals zähmen. Man hat schließlich Prinzipien.

Und so geht "C90" als herrlich krudes Mixtape durch. Ohne nennenswerten Sinn, aber dafür mit viel Verstand. Im hämischen "Courtney Love why not" stolpern so elektronische Bässe über sägende Gitarren, während es im "Stutter shop" staubtrocken ins Geschepper säuselt. Wenn Boa dann in "The age of reason" das Jaulen der Gitarren mit waghalsigem Streicherbombast unter eine Decke steckt, um einen zickigen Ohrwurm zu zeugen, verzeiht man ihm auch die gelegentliche Länge zwischendurch. Denn wer im rasselnden "It's not punk anymore, it's now new wave" oder "I'm an ex ½ pop star" den Spottkübel so beherzt über sich selber auskippt, gehört sowieso mit einem freundlichen "Arschloch" liebkost. Vor lauter Schreck kauft man es Boa glatt ab, als er "This is the end of music" ausrufen läßt. War natürlich nur ein Witz. Aber bitte erst angemessen schütteln, dann lachen. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Slipstream
  • I'm an ex ½ popstar
  • Murder to music
  • The age of reason

Tracklist

  1. Slipstream
  2. Down
  3. It's not punk anymore, it's now new wave
  4. Punch + Jody club
  5. Courtney Love why not
  6. Stutter shop
  7. By a soul in hell
  8. Sunfeel
  9. I'm an ex ½ popstar
  10. V
  11. The strollers
  12. Murder to music
  13. The girl who wants to die every day
  14. The age of reason

Gesamtspielzeit: 53:46 min.

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