Orgöne - Mos/Fet

Orgöne- Mos/Fet

Heavy Psych / Cargo
VÖ: 19.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Plan 9 from outer space

Obwohl es natürlich mitschwingt – die Überschrift bringt keineswegs ein Qualitätsurteil mit sich. Nur stößt man bei der Beschäftigung mit Orgöne allein schon aufgrund der vielen diese Band umwabernden Merkwürdigkeiten fast zwangsläufig auf diesen angemessen schiefen Vergleich. Ein Quintett aus Frankreich und Polen, ausgestattet mit einem Namen, der wie eine Geschlechtskrankheit klingt. Gestartet, um eine, wie es von Labeleite heißt, "Back to basics"-Rockband zu sein, die ihre Hörer auf ihrem Debüt "Mos/Fet" allerdings mit einem Opener nahe der 20-Minuten-Marke erschlägt und überhaupt gleich mal mit Material für knapp 80 Minuten aufwartet. Verteilt auf nur acht Songs. Die bisweilen geradezu wahllos zwischen Spacerock, Doom-Metal, Krautrock, Psychedelia, orientalischen Einsprengseln und Stoner herumtorkeln und thematisch – ganz nebenbei in vier verschiedenen Sprachen – höchst konsistent vom antiken Ägypten, dem Raumfahrtprogramm der Sowjetunion, paranormalem Zeug und Panafrikanismus handeln.

Dabei dauert es beileibe keine 80 Minuten und braucht es keine irrsinnig anmutenden, thematischen Parforce-Ritte, ehe man sich auf Rezipientenseite zum ersten Mal fragt: Was geht denn hier eigentlich ab? Eigentlich ist es schon so weit, als man sich erst wenige Meter in den Opener "Erstes Ritual" vorwagt. In etwa dann, wenn Sängerin Olga Rostropovitch erstmals zeigt, dass da eine Sopranstimme vorhanden ist, diese aber erst mal für markerschütterndes, ritualisiert tönendes Geschrei einsetzt. Aber: Man findet sich zurecht. Weil Orgöne zwar innerhalb der 19 Minuten und 25 Sekunden so ziemlich allen oben genannten Genres einen kurzen Besuch abstatten, aber doch immer genug Songwriting-Klebstoff zur Hand haben, um das Stück vom A- bis zum Z-Part einigermaßen beisammen halten zu können. Dass die Reise dabei von hart nach zart und über zahlreiche Um- und Seitenwege wieder zurück geht und sich dabei pure Schönheit und abstoßende Dissonanzen die Klinke in die Hand geben: logisch.

Doch nicht nur die beiden Longtracks – auch das abschließende "Astral fancy" gönnt sich gute 19 Minuten – machen "Mos/Fet" zu einem bemerkenswerten Unterfangen. Auch in den restlichen 50 Minuten geschieht so einiges Hörenswertes. Die erbarmungslose Noise-Eskapade, in die die Band "Soviet hot dog (Le tombeau de Laïka)" von der Songhalbzeit an führt, sollte man inklusive ihrer Auflösung unbedingt mal gehört haben. Oder eben die Spannung erlebt haben, die "East song" von der ersten Sekunde an mit simpelsten Mitteln aufzubauen vermag. Dezentes Drumming, ein paar schlammige Basszupfer, eine im Hintergund irrlichternde Olga Rostropovitch und im Aufbau die vage Ahnung davon, dass sich Orgöne ganz hervorragend auf im positiven Sinne konventionelles Songwriting verstehen. Das oszilliert fast in soulige Gefilde, ehe die Band dem Stück den Boden unter den Beinen wegzieht und in einen polternden B-Teil purzeln lässt. Zumindest kurz. Und so weiter.

Denn klar ist: Abschließend beschreiben lässt sich so ein Stück nicht. Und bevor es zu ungelenken Versuchen kommt: Das Ding gehört sicherlich der besseren achteinhalb Minuten, die man in letzter Zeit hören durfte. Überhaupt schafft es das Album als Gesamtwerk auf die Habenseite. Mitsamt seiner angenehm dreckigen Produktion, mitsamt dem grandiosen wie völligen Space-Irrsinn, dem sich "Mothership Egypt" zwischenzeitlich hingibt, dem über die volle Spielzeit laut aufstampfenden "Rhyme of the ancient astronaut" und natürlich dem geradezu nachvollziehbar konzipierten Schlusstrack. Man kann, wenn man denn unbedingt will, natürlich zwischenzeitlich mal vorsichtig fragen, ob die Band denn nicht hier und da etwas zu viel will. Oder eben goutieren, wie viel Orgöne in die Waagschale zu werfen vermögen, wie beeindruckend kurzweilig sich diese 80 Minuten gestalten und den Film genießen.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Erstes Ritual
  • Soviet hot dog (Le tombeau de Laïka)
  • East song

Tracklist

  1. Erstes Ritual
  2. Requiem for a dead cosmonaut
  3. Soviet hot dog (Le tombeau de laïka)
  4. East song
  5. Ägyptology
  6. Mothership Egypt
  7. Rhyme of the ancient astronaut
  8. Astral fancy

Gesamtspielzeit: 78:24 min.

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Armin

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2020-07-01 19:36:40 Uhr - Newsbeitrag
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