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Foals - Collected reworks vol. 1

Foals- Collected reworks vol. 1

Warner
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Etanzipation

Mit mindestens einem Bein standen Foals eigentlich schon immer auf der Tanzfläche. Zu Zeiten des wendigen Debüts "Antidotes" noch mehr, auf dem schweren, wuchtigen "What went down" dann weniger. Auf ein drückendes "Inhaler" folgte jedoch häufig ein zackiges "My number", das zahlreiche Indie-Disco-Abende beschallte. Ist es konsequent, dass die Briten nun die ganz große Remix-Sause ausrufen? 2020 hat ja eh keiner so richtig einen Plan, wie die Sachen laufen sollen, da lassen sich bequem doch mal die Archive entstauben. "Collected reworks" ist als dreiteilige Serie angelegt, die über den Sommer in Häppchen verteilt wird, um am Ende als voluminöses Vinyl-Boxset zu warten. Der erste Teil präsentiert zunächst 13 Mixe von insgesamt zehn verschiedenen Songs aus allen Schaffensphasen. Bis auf den schlendernden Funk von SebastiAns "Mountain at my gates"-Version, schielen alle mit Four-to-the-Floor-Wumme Richtung Dancefloor.

Ein klassisches Remix-Album-Problem umschifft "Collected reworks vol. 1" damit schon mal. Denn trotz der verschiedenen Hände, die an die Stücke gelegt wurden, und auch trotz des doch recht unterschiedlichen Ausgangsmaterials entsteht ein flüssiges Hörerlebnis ohne große Brüche. Das hat allerdings mit dem Foals-Sound wenig zu tun, denn hier dominieren entmenschlichte Klänge, manchmal lassen sich nur anhand von Yannis Philippakis' Textzeilen bestimmte Songs identifizieren. Genau diese Varianten, die sich am weitesten vom Ursprungsmaterial entfernen, sind jedoch die interessantesten. Alex Metric lässt von "Mountain at my gates" nur noch einen Vocal-Loop übrig und baut darum einen lupenreinen muskulösen Clubtrack. Gleich darauf nutzen Hot Since 82 die melodischen Versatzstücke von "Into the surf", um darüber ein koordiniertes Chaos aus Piano und Saxofon zu legen. Großartig! Auch Hot Chip und Rüfüs Del Sol enttäuschen nicht, wenn sie mit "My number" und "The runner" jeweils Sonnenauf- und -untergang beschallen.

"Collected reworks vol. 1" tappt jedoch in drei andere Fallen dieser Plattengattung. Erst einmal sind viele Stücke einfach mehrere Minuten zu lang. Fast hundert Minuten dauert die Sammlung und kann in der Summe doch ziemlich die Geduld testen. Der "Olympic airways"-Mix ist beispielsweise nett entspannt, aber auf über neun Minuten Länge braucht das niemand. Die Lautstärke-Unterschiede zwischen den Tracks wurden außerdem nicht ordentlich austariert, man vergleiche den Alex-Metric-Mix mit der abschließenden Deadboy-Version von "Spanish Sahara". Letztere ist zudem ein negatives Beispiel dafür, wie es nicht gehen soll: Viel mehr als nur einen 08/15-Beat über das Original zu legen, macht sie nämlich nicht. Mixe dieser Art häufen sich leider in der zweiten Hälfte. Warum kann nicht die Ursprungversion konsequent weiterdenken wie Purple Disco Machine, die "In degrees" den "Funkytown"-Geist einhauchen, den es sowieso schon immer andeutete? Warum ist es so oft das Standard-Geumze ohne eigenen Spin?

Auch die anderen beiden "Spanish Sahara"-Fassungen stechen da nicht positiv heraus. Warum der Song drei Mal vorkommt, wird auch nicht klar – vermutlich weil er ein Signature Song der Band geworden ist oder weil er mit seiner spartanischen Instrumentierung genug Freifläche bietet. Gerade deshalb wäre mehr Emanzipation vom Original aber doch möglich gewesen. Trotzdem ist "Collected reworks vol. 1" zumindest das Tauchen nach Perlen wert. Die erwähnten gelungenen Beispiele haben tatsächlich viel Replay-Potenzial – etwas, das dem Album als Ganzes nicht zuletzt aufgrund seiner Länge leider abgeht. Hilft am Ende alles nix: Es ist halt doch "nur" eine Remix-Platte. Mit allem, was so dazu gehört.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Mountain at my gates (Alex Metric remix)
  • Into the surf (Hot Since 82 remix)
  • The runner (Rüfüs Del Sol remix)
  • In degrees (Purple Disco Machine remix)

Tracklist

  1. My number (Hot Chip remix)
  2. Give it all (Luxury remix)
  3. Mountain at my gates (Alex Metric remix)
  4. Into the surf (Hot Since 82 remix)
  5. Spanish Sahara (John Dahlbäck remix)
  6. The runner (Rüfüs Del Sol remix)
  7. In degrees (Purple Disco Machine remix)
  8. Mountain at my gates (SebastiAn remix)
  9. Spanish Sahara (Topher Jones remix)
  10. Out of the woods (Kulkid remix)
  11. Olympic airways (Ewan Person's return to the villa of joy remix)
  12. Late night (Solomun remix)
  13. Spanish Sahara (Deadboy remix)

Gesamtspielzeit: 97:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

oldschool

Postings: 158

Registriert seit 27.04.2015

2020-07-03 09:51:05 Uhr
Da habe ich mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt. Ich habe mein auf deinen Satz mit den 08/15-Beat bezogen und zwar generell und nicht nur in Bezug auf Foals. Viel zu oft findet man auf einer EP noch 1-2 Remixe als Füller. Nicht selten hat man den Eindruck, man brauchte diese, um die EP vollzubekommen. Ein Ibiza Techno Beat drübergelegt und das wars dann!

Ein Remix darf auch schon etwas wagen. So ist das nicht. Aber die BAsis sollte immer noch der ursprüngliche SOng sein. Erkennt man diesen gar nicht mehr, isses auch kein Remix, sondern was Neues.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5941

Registriert seit 26.02.2016

2020-07-02 15:17:21 Uhr
Du sagst damit aber gerade das Gegenteil. Ich finde hier besonders die Mixe interessant, die vom Original nicht mehr viel übrig lassen. Ob das Ziel eines Remix sein sollte, kann man drüber diskutieren, aber hier sind diese Tracks besser gelungen.

oldschool

Postings: 158

Registriert seit 27.04.2015

2020-07-02 14:26:28 Uhr
"Viel mehr als nur einen 08/15-Beat über das Original zu legen, macht sie nämlich nicht. Mixe dieser Art häufen sich leider in der zweiten Hälfte."

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer! So viel tolle Songs sind mit dieser Art und Weise quasi schon vergewaltigt und entstellt worden. Manchmal hört man nur noch mit Ach und Krach die Melodie des Songs heraus. Sorry, auf solche Remixe ist dann doch echt geschissen! Auch Remixen will gelernt sein.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18836

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-01 19:35:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Kai

Postings: 594

Registriert seit 25.02.2014

2020-07-01 19:12:22 Uhr
Es gibt Bands und Künstler mit guten Remixes... Björk zum Beispiel.

Foals gehören leider nicht dazu. Zumal es deutlich bessere Remixe in der Discographie gibt wie etwa den Supermayer mix von Olympic Airways.

Das hier kann getrost ignoriert werden.
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