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The Streets - None of us are getting out of this life alive

The Streets- None of us are getting out of this life alive

Island / Universal
VÖ: 10.07.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Weisheit der Straße

Es kann kein Zufall sein, dass das lang ersehnte Album-Comeback von Mike Skinner ins Jahr 2020 fällt. In ein Jahr also, in dem es drunter und drüber geht, rechtsgerichtete Politiker am Rad drehen, ein Virus unser Leben auf links bügelt, Verschwörungstheorien in bestimmten Kreisen so richtig en vogue sind. Skinner, besser bekannt unter dem Pseudonym The Streets, war in den frühen Nullerjahren die Stimme der britischen Straße: Schnodderig, charmant und wortgewandt rappte er sich durch seine von zügellosen Elektro-Beats aufgeputschten Songs. Gesellschaftliche Themen spielten dabei immer wieder eine Rolle. Anfang der Zehnerjahre wurde es dann relativ lange relativ ruhig um Skinner, erst seit ein paar Jahren geht er wieder unregelmäßig auf Tournee. Mit "None of us are getting out of this life alive" legt er nun erstmals eine neue LP vor. Dabei firmiert die Platte streng genommen als Mixtape, was unterstreichen soll, dass es hier thematisch und soundästhetisch nicht den einen roten Faden gibt, sondern einen Kessel Buntes von einem nach wie vor chronisch schlechtgelaunten Geezer, dessen spitze Zunge immer noch seine schärfste Waffe ist. Und der sich darüber hinaus auch tatkräftige Unterstützung an Bord geholt hat.

Im Opener "Call my phone thinking I'm doing nothing better" rappt Skinner über lässig dampfende Beats, während Tame-Impala-Mastermind Kevin Parker die Hookline beisteuert. Beide Acts bringen hier ihre unwiderstehlichen Signature Sounds ein, so dass das Ergebnis letztlich zwar keine großen Überraschungen bereithält, aber als überzeugendes Amalgam durchgeht. Und weil wir gerade bei angesagten Indierock-Bands sind: Auch die latent grantigen Idles folgten dem Ruf Skinners. Im grimmig voranschreitenden Titeltrack brummen sich die Beats gewittergleich durch die Szenerie, die Stimmung erinnert in ihrer britischen Kaputtheit an die rotzigen Sleaford Mods. Schon früh ist ersichtlich: Eine klare Marschrichtung gibt es auf diesem Mixtape nicht, die Großwetterlage ändert sich von Track zu Track, die Gäste bestimmen, ob der Regenschirm aufgespannt werden muss oder die Sonnencreme zum Einsatz kommt. Der Oldschool-2step von "I wish you loved you as you loved him" sorgt dann jedenfalls für Retro-Gefühle, denn aus jener elektronischen Ursuppe entwickelten sich The Streets vor mittlerweile über zwei Jahrzehnten.

"You know the truth / Like your phone knows the time": Im melancholischen "Conspiracy theory freestyle" wäscht Skinner dann all denjenigen den Kopf, die an die jüdische Weltverschwörung, Echsenmenschen oder ähnlichen Quatsch glauben und diese kruden Hirngespinste auch noch weiterverbreiten. Der Song gibt sich dabei weniger krawallig, würde im Grunde schon fast als eine Ballade durchgehen. Garstiger tönt da schon "Eskimo ice" mit seinen Post-Dubstep-Beats, die bedrohlich durch die Boxen dröhnen und stellvertretend für die soundästhetische Variabilität stehen, die The Streets hier abliefern. "None of us are getting out of this life alive" zeigt sämtliche künstlerischen Bezugspunkte Skinners auf, manches wirkt eher wie eine Fingerübung, anderes könnte auf längere Sicht zum Karrierehighlight avancieren. Insbesondere wäre hier das schlingernde, hypnotische "The poison I take hoping you will suffer" zu nennen: Über elektronische Soundschlieren bounct ein fetter Beat, Skinners verschnupfte Stimme spuckt desillusionierte Verse über die Beschissenheit der Dinge. Und das ist in jedem Fall: Balsam für die Seele.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • I wish you loved you as much as you loved him (feat. Donae'o & Greentea Peng)
  • The poison I take hoping you will suffer (feat. Ragz)
  • Conspiracy theory freestyle (feat. Rob Harvey)

Tracklist

  1. Call my phone thinking I'm doing nothing better (feat. Tame Impala)
  2. None of us are getting out of this life alive (feat. Idles)
  3. I wish you loved you as much as you loved him (feat. Donae'o & Greentea Peng)
  4. You can't afford me (feat. Ms Banks)
  5. I know something you did (feat. Jesse James Solomon & Eliza)
  6. Eskimo ice (feat. Kasien)
  7. Phone is always in my hand (feat. Dapz On The Map)
  8. The poison I take hoping you will suffer (feat. Ragz)
  9. Same direction (feat. Jimothy Lacoste)
  10. Falling down (feat. Hak Baker)
  11. Conspiracy theory freestyle (feat. Rob Harvey)
  12. Take me as I am (feat. Chris Lorenzo)

Gesamtspielzeit: 38:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18836

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-04 19:22:58 Uhr - Newsbeitrag
Gestern Abend hat Mike Skinner das Video zu zum Titeltrack seines Mixtapes ‘None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive’ veröffentlicht.

The Streets, IDLES - None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive:

velvet cacoon

Postings: 191

Registriert seit 31.08.2019

2020-07-26 14:58:15 Uhr
Ich muss gestehen, das Album hat mittlerweile arg an Reiz verloren, aber eine Katastrophe ist es weiterhin nicht.

UndercoverBrother

Postings: 98

Registriert seit 16.08.2013

2020-07-26 08:13:57 Uhr
Alter Fan, völlig enttäuscht.

Nach 9 Jahren ein komplettes Feature Album ist schon traurig, das ganze dann auf Grund mangelnder Struktur Mixtape nennen um etwas Street Cred einzufahren.

Ich will jetzt nicht so alter Mann mäßig rumjammeren, aber warum besinnt er sich nicht auf seine besten Zeiten und echte Stärken?

Erzähl mir Stories aus dem Leben eines Working Class End-dreißigers, wegen mir auch als Konzeptalbum. Thematisch gibts da so viel abzuarbeiten und in clevere Texte/beats zu verpacken.

Sein Leben hat sicher wenig mit der britischen Realität zu tun, aber er wird ja "normale" Freunde haben.

Hochgradig verpasste Chance was ersnthaft relevantes abzuliefern für seine Zielgruppe / Fans.

Die Lobeshymnen aus der Presse sind auch alle nur seinem Status von Anfang der 00er geschuldet.

smrr

Postings: 54

Registriert seit 02.09.2019

2020-07-25 22:25:09 Uhr
Aus Nostalgiegründen gehört. Die 20 Postings bisher sind angemessen. Ein absolut überflüssiges Werk und auch von der Produktion her teilweise regelrecht stümperhaft (Vocal-Aufnahmen, Beats).

maxlivno

Postings: 2225

Registriert seit 25.05.2017

2020-07-13 10:59:52 Uhr
Was ist eigentlich heutzutage im HipHop Bereich der genaue Unterschied zwischen Mixtape und Album? Verstehe ich das richtig, dass ein Mixtape quasi nur über das Internet direkt und eher unkommerziell vermarktet wird (allein mit dem Ziel seine popularität zu steigern), während es ein Album auch regulär als Vinyl/CD zu kaufen gibt und über den üblichen Labelweg veröffentlicht wird?

Früher war das der Fall. Heutzutage sind Mixtapes meist zur erkennen an der fehlenden Kohärenz. Das Mixtape hier gibt's beispielsweise auf Vinyl und hatte einen gewissen Promo-Vorlauf
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