Stone Temple Pilots - No. 4

Stone Temple Pilots- No. 4

Atlantic
VÖ: 02.11.1999

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rock als Drogensubstitution?

Totgeglaubte leben länger; für mich relativ unvermittelt liegt plötzlich die neue CD der Stone Temple Pilots vor. Nach diversen Ausflüge in Solo- und Side-Projekte wieder als Band um Sänger Scott Weiland. Um es gleich vorweg zu nehmen: es ist die bisher beste Platte der Pilots! Nach mehrmaligen Hören bin ich wirklich mehr als nur angenehm überrascht. So wird der Grunge wider Erwartens doch noch mit ins vielzitierte, neue Jahrtausend hinübergerettet. Das schlichte Cover (weißer Stern auf schwarzem Grund) könnte auch als Motto des Albums verstanden werden. Gar nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhalten; einfach nur spielfreudig Musik machen! Konzentration und Reduzierung auf das Wesentliche. Die teilweise recht kurzen Lieder sind hierfür auch ein Indiz.

Man setzt ganz auf die alten Stärken. Zum vierten Mal wird der Sound der Pilots von Brendan O' Brien (komisch, ich habe bisher noch keine einzige schlechte Platte gehört, auf der "produced by Brendan O'Brien" stand) produziert. Geniale Melodien, harte Gitarren und ein Sänger, der über sich hinaus wächst. Wurde Scott früher vorgeworfen, er wäre nur ein Möchtegern-Eddie-Vedder, so befreit er sich hiervon souverän. Auf "No. 4" ist er als eigenständiger, wandlungsfähiger, einfühlsamer und gereifter Interpret zu hören, dessen Facetten von düster - irre - hart (z. B. "Down") bis verletzlich - zerbrechlich - sanft (z. B. "Atlanta"). Der erste Preis im "Eddie-Vedder-Imitatoren-Wettbewerb" wird dann wohl doch eher an Mr. Stapp von "Creed" gehen.

Unbeirrt von allen musikalischen Entwicklungen der letzten Jahre ziehen die Pilots ihr Ding durch, als wäre der Grunge niemals gestorben. (Überhaupt habe ich das Gefühl, daß der Grunge derzeit ein kleines, heimliches Revival erlebt. Die Neuveröffentlichungen von den Pilots, Bush, den Foo Fighters oder auch Creed finden -in den USA zumindest- ihre zahlreichen Abnehmer.) Souverän kombinieren die Pilots Härte mit zum Teil beatlesken Melodien (z. B. "Pruno" oder auch "Church on Tuesday"). Gerade die härteren Trax ("Down", "Heaven & Hot Rods" oder auch "No way out") erinnern ein wenig an Alice in Chains zu "Dirt"-Zeiten. Wer damals seinen Spaß hatte, der kommt auch hier voll zum Zuge.

Außerdem darf man es nicht versäumen, Dean De Leo für sein banddienliches Gitarrenspiel lobend hervorzuheben. Er schafft es ohne endloses Solo-Gedudel mit seinem knackigen, aber doch sehr eigenständigen Stil den Pilots den unverwechslichen Stempel aufzudrücken. Jaja, auch moderne Musik ist ein Mannschaftssport. Dean De Leo hat das schon sehr bald verstanden. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Das beste Stück des Albums ist jedoch "Atlanta". Eine getragene Ballade, die von Scotts Stimme lebt. Unweigerlich will man Vergleiche zu Jim Morrsion ziehen. Von der Stimmung des Songs her, hätte es auch wirklich gut auf dem Album "Waiting for the sun" der Doors sein können. Ich habe in der letzten Zeit kaum ein Lied gehört, das mich mehr "berührt" hat. Der einzige Vorwurf, den man den Pilots für "No. 4" machen könnte, ist die geringe Spieldauer von nur 42 Minuten und 12 Sekunden. Heutzutage dauern CDs einfach länger. Aber man steht immer vor dem Problem: lieber eine CD mit relativ kurzer Spieldauer und nur geilen Songs oder volle Ausnutzung der Kapazität und dafür Lückenfüllersongs? Im Falle von "No. 4" entscheide ich mich für die erste Alternative!

(Matthias Allstadt)

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Highlights

  • Down
  • Sex & violence
  • Atlanta

Tracklist

  1. Down
  2. Heaven & hot rods
  3. Pruno
  4. Chruch on tuesday
  5. Sour girl
  6. No way out
  7. Sex & violence
  8. Glide
  9. I got you
  10. MC5
  11. Atlanta

Gesamtspielzeit: 42:12 min.

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