Built To Spill - Built To Spill plays the songs of Daniel Johnston

Built To Spill- Built To Spill plays the songs of Daniel Johnston

Ernest Jenning / Membran
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nicht gesucht, gefunden

"True love will find you in the end / You'll find out just who was your friend." Als am 11. September 2019 von offizieller Seite aus die Nachricht verbreitet wurde, dass Daniel Johnston im Alter von 58 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben sei, war das ein trauriger Moment. Nicht, weil Johnston der größte oder gar populärste Musiker seiner Generation gewesen sei – das war er nicht –, sondern weil mit ihm ein Stück Unschuld in einem sündigen Geschäft gegangen ist. Dem gebürtigen Kalifornier, der zeit seines Lebens mit einer Reihe psychischer Erkrankungen zu kämpfen hatte, war möglicher Ruhm egal und die Möglichkeit, seinem Talent durch seine Kunst Ausdruck zu verleihen, oft wohl das größte Geschenk. Als Johnston starb, starb damit auch ein Unikat – und der Held von unseren Helden.

"Don't be sad, I know you will / But don't give up until / True love will find you in the end." Und nicht nur Cobain verehrte Johnston: Das Indie-Gespann von Built To Spill – noch so eine Heldentruppe – begleitete ihn 2017 sogar auf seiner Abschiedstour. Johnston war damals bereits nicht mehr bei allerbester Gesundheit und auf Hilfe auf der Bühne angewiesen. Fast schon Ehrensache also, dass ihm die Band rund um Doug Martsch nun auf die einzige angemessene Weise Tribut zollt. Zwar wäre es langsam Zeit für einen amtlichen Nachfolger des 2015 erschienenen "Untethered moon", aber auch diese kleine Cover-Sammlung stimmt trotz des traurigen Hintergrunds überaus glücklich. "Built To Spill plays the songs of Daniel Johnston" vereint ein paar der schönsten Stücke dieses Ausnahmetalents, hat die Produktion im Vergleich zu den Originalen aber mit ordentlich Glätte- und Aufhübschfilter nachbearbeitet. Warum auch nicht: Die Gymnasial-Oberstufenband covert halt den Kunst-Nerd der Förderschule.

"This is a promise with a catch / Only if you're looking can it find you / 'Cause true love is searching, too." Eigentlich aber ist es die perfekte Mischung. Klar fehlt ein bisschen dieser unverfälschte, rohe DIY-Charme, anderseits versöhnt der liebe- bis respektvolle Umgang, mit dem Built To Spill hier ans Werk gehen. Natürlich ist ein Stück wie "Good morning you", das in Johnstons Version klingt, als habe er es mit nichts anderem außer einer Kartoffel und einem Schnurrbartkamm aufgenommen, so überarbeitet ein völlig neuer Track. Und dennoch bemerkt man, dass Martsch & Co. nach bestem Wissen und Gewissen handeln. "Bloody rainbow" büßt trotz üppigerer Instrumentierung nichts von seiner Leichtfüßigkeit ein, "Honey I sure miss you" ist nicht minder dramatisch und sehnsüchtig, und "Life in vain" zwar etwas zackiger auf den Beinen, aber genauso uneitel wie aufrichtig.

"But how can it recognize you / Unless you step out into the light, the light / Don't be sad, I know you will / But don't give up until / True love will find you in the end." Es bleibt natürlich die Frage offen, wie Johnston selbst dem Werk gegenübergestanden hätte. Schwer vorstellbar aber, dass ihm nicht ein breites Grinsen übers Gesicht gehuscht wäre, wenn Built To Spill nicht nur ihm selbst, sondern auch "Queenie the dog" die Ehre erweisen, oder wenn "Fish" gar nicht so anders daherkommt wie zu seinem Veröffentlichungsdatum im Jahr 2003. Und spätestens dann, wenn man sich eine kleine Playlist mit all den Originalsongs zusammenstellt, wird auch klar, was für einen massiven Einfluss Daniel Johnstons Musik nicht nur auf Built To Spill, sondern auf ziemlich viele unserer großen Helden gehabt haben muss. Immer noch skeptisch? Nun, wie schon an so mancher Stelle in diesem Text angedeutet: Wer suchet, der findet. Bei aller Traurigkeit – wenn jemand Daniel Johnston durch dieses kleine Tributalbum überhaupt erst kennengelernt, kann man jedenfalls getrost von einem kleinen Licht im Schatten sprechen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Honey I sure miss you
  • Queenie the dog
  • Fish

Tracklist

  1. Bloody rainbow
  2. Tell me now
  3. Honey I sure miss you
  4. Good morning you
  5. Heart, mind and soul
  6. Life in vain
  7. Mountain top
  8. Queenie the dog
  9. Impossible love
  10. Fake records or rock & roll
  11. Fish

Gesamtspielzeit: 34:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Fiep

Postings: 473

Registriert seit 29.04.2014

2020-06-25 11:06:53 Uhr
Wie die rezension sagt, wen ihn dadurch entdeckt...

also ich hab ihn grad dadurch entdeckt.
Und muss mich Xavier hier anschließen, das flair seiner ultra lo fi aufnahmen hat das ganze nicht. Und er macht ja jetzt nichts ungewöhnliches, aber die produktion verleiht dem ganzen etwas...intimes.

Das bringen sie nicht so wirklich rüber. Aber dafür kenne ich ihn jetzt, also danke für die cover =D

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18639

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-24 12:07:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Xavier

Postings: 448

Registriert seit 25.04.2020

2020-06-14 14:36:38 Uhr
Nun , ich muss zugeben, dass diese Aufnahmen für sich genommen phantastisch gespielt sind. Es ist der reine Schönklang. Und das gefällt mir nicht.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 3210

Registriert seit 14.05.2013

2020-06-14 13:55:41 Uhr
Findest Du? Ich höre es sehr gern.

Xavier

Postings: 448

Registriert seit 25.04.2020

2020-06-14 13:53:02 Uhr
Einer meiner Lieblingssongwriter. Ich höre ihn wirklich sehr oft. Das sind ziemlich langweilige Interpretationen, nicht?
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