Larkin Poe - Self made man

Larkin Poe- Self made man

Tricky-Woo / Bertus
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Damen der Schöpfung

Schwestern müsste man sein. Was man da alles anstellen kann. Sich am einen Abend danebenbenehmen und sich am nächsten Tag gegenseitig ein Alibi geben oder zusammen die Geschichten von Edgar Allan Poe lesen und dabei Bauklötze staunen, was für unheimliche Storys sich der arg entfernte Verwandte anno Frack einfallen ließ. Und gemeinsam Musik produzieren, sich nach einem Intermezzo bei einer großen Plattenfirma mit eigenem Label selbständig machen und für das 2018er-Album "Venom & faith" eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Contemporary Blues einheimsen. Entsprechend selbstbewusst blicken Rebecca und Megan Lovell alias Larkin Poe auf dem Cover ihres vierten regulären Albums "Self made man" drein – wohl wissend, dass Roots und Rotz in ihrer kraftvoll überbratenen Spielart des Southern Rock dicht beieinanderliegen.

Schon der Opener "She's a self made man" macht deutlich, dass die zwei es noch nie nötig hatten, sich als weibliche Westentaschen-Ausgabe der Allman Brothers hinstellen zu lassen. Nicht mit derart offensiv aufbegehrenden Stromgitarren und schmatzigem rhythmischem Unterbau, während Rebecca den vor Neid erblassenden Herren der Schöpfung kehlig Larkin Poes aktuellen Geschäftsbericht um die Ohren haut – dissonanter Schmurgel-Break nach Vorbild von The White Stripes' "Icky thump" inklusive. Womit das Nashville der Lovells trefflich umschrieben wäre: Immer-Pedal-Steel-Piefigkeit raus, knirschige Power und übersteuerte Ruppigkeit aus permanent im roten Bereich laufenden Verstärkern rein. Und wenn die spirituelle Entität aus dem genauso lautstark auftischenden "Holy Ghost fire" ab und zu nach dem Rechten sieht, kann das immerhin nicht schaden.

Die Zügel fest in der eigenen Hand haben die Lovells trotzdem und wissen auch auf "Self made man" nur zu gut, wie weit sie der Indie-Fraktion mit Elementen aus traditioneller Americana und Southern-Rock-Puristen mit der punkigen Unflätigkeit kämpferischer Riot Grrrls kommen können. Bester Beweis: die von breitbeinigen Leads angetriebene Neuinterpretation der Gospel-Moritat "God moves on the water". Hier besang Blind Willie Johnson einst die Titanic-Katastrophe und Larkin Poe brezeln das Stück nun zur mit geschwinden Handclaps abzischenden, auch inhaltlich aktualisierten Wuchtbrumme auf. Tief in düster kokelnden Analog-Synthies hingegen versinkt das großartig brütende "Every bird that flies", bis der Song sich zu bluesigem Zerren und dicken Percussions am eigenen Schopf aus dem emotionalen Sumpf zieht. Selbst ist nun mal die Frau.

Larkin Poe haben also einiges hinter sich gebracht, bis das Duo abschließend mit Hawaiigitarre im Anschlag gut gelaunt über die "Easy street" scharwenzelt: die aufgekratzte Südstaaten-Hommage "Back down South" mit dem geistesverwandten texanischen Kollegen Tyler Bryant an der sechssaitigen Heulboje, stachelige Liebeswirren im sehnigen Uptempo-Riffmonster "Scorpion" und Zwiesprache mit dem "Ex-con", der eigentlich nur wieder auf den Arm will – am liebsten auf den von Mama. Für zwei gestandene Ladies wie Rebecca und Megan keine Option – dennoch bleiben ihre speckig-kumpeligen Rocksongs stets respektvoll und loyal gegenüber den krummen Hunden und zuweilen einfach gestrickten, aber grundehrlichen Existenzen, die sie bevölkern. Und wer jetzt irgendwas von wertkonservativer Musik brabbelt: Heult nicht rum, wenn Larkin Poe lachen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • She's a self made man
  • God moves on the water
  • Every bird that flies
  • Scorpion

Tracklist

  1. She's a self made man
  2. Holy Ghost fire
  3. Keep diggin'
  4. Back down South
  5. Tears of blue to gold
  6. God moves on the water
  7. Every bird that flies
  8. Scorpion
  9. Danger angel
  10. Ex-con
  11. Easy street

Gesamtspielzeit: 35:06 min.

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User Beitrag

squand3r

Postings: 62

Registriert seit 24.01.2019

2020-06-18 22:04:11 Uhr
Bin ich der einzige der hier krasse Albumcover-Parallelen zu Linkin Parks Hybrid Theory sieht? Der Name selbst, Schrift, Farbcode und die 39 Grad Neigung der Mädls... kann kein Zufall sein.

Abseits davon werd ich mir das Album definitiv genehmigen, lese hauptsächlich nur Gutes.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17893

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-17 20:11:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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