Sohn - Live with the Metropole Orkest

Sohn- Live with the Metropole Orkest

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 05.06.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Generiert großen Mehrwert

Für die Daheimgebliebenen oder die Dagewesenen? Wer sind eigentlich die Adressaten von Livealben? Nochmal die Energie des Abends nachleben oder besondere Versionen erhalten? Im Falle von Christopher Taylor, Künstlername Sohn, ist es letzteres. Klar, dass er nicht der große Entertainer ist, dürfte allein durch seine Kunst klar sein und tatsächlich, oftmals bleibt von ihm als Person bei seinen Auftritten nur eine im Nebel versteckte Silhouette mit Hut. Dafür aber auch: der nahezu perfekte Klang – eine großartige Voraussetzung für ein Livealbum.

Das Besondere trägt dieses Album schon im Namen: "Live with the Metropole Orkest". Letzteres ist ein niederländisches Orchester, die Aufnahmen stammen von einem Auftritt in Amsterdam. Mit dieser 54-köpfigen Verstärkung gibt Sohn 15 eigenen Stücken einen neuen Klang. Allein durch die Personen- und Instrumentenanzahl ist dieses Experiment interessant, ist Sohn samt seiner Musik sonst oftmals eher als Leisetreter unterwegs, wenn auch mit teils heftigen elektronischen Ausbrüchen. Statt E-Piano und Synthie nun also die ganz große Geste? Nun, wenn etwas hier überrascht, dann wie unscheinbar teilweise eine solche Masse an Tonspuren daherkommen kann. Das Orchester übernimmt Sohns Stücke nicht, sondern ergänzt sie – und fügt hier und da interessante neue Facetten hinzu.

Keine große Ankündigung, kein Eingangsapplaus. Nur die Tastenanschläge von "Hue" eröffnen das konservierte Erlebnis. Der Sound ist, wie zu erwarten war: perfekt bis in den letzten Ton. Taylors Gesang ist so abgemischt, dass im gesamten Verlauf seine Stimme das zentrale Element ist, um den sich die halbe Hundertschaft kreist und unterordnet. Wie viel Liveatmosphäre steckt hier überhaupt drin? Sohn spricht wenig bis nichts und Zuschauerreaktionen sind eingangs nicht zu hören. Das ist jedoch nichts Schlechtes, würden sie doch auf "Live with the Metropole Orkest" wie schlecht platzierte künstliche Lacher in Comedysendungen wirken. Kein Rufen ist zu hören, kein Labern, keine berühmt-berüchtigten Selbstdarsteller, lediglich verhalten eingespieltes Klatschen nach den jeweiligen Songs. So dezent, dass die Ohren diese zwischendrin sogar ausblenden – bis kurz vor Schluss, wenn es in die Zugaben übergeht und es Sinn ergibt: Hier wird einem besonderen Auftritt gehuldigt.

Die Setlist ist neben den beiden Songs der Standalone-Single "Hue"/"Nil" von 2018 eine Best-Of der beiden Alben. Langsam, aber kontinuierlich baut sich dabei der Sound des Auftritts immer weiter auf. Sind Anfangs noch Streicher und einzelne Instrumente des Orchesters prominent platziert, übernehmen später teils brachiale Synthiewände und das Metropole Orkest sekundiert. Über "Bloodflows", "Harbour" bis zu "Hard liquor", welches das Hauptset abschließt, steigt merklich der Lautstärkepegel. Die Zugaben "Artifice", "Conrad" und das wunderschöne "Rennen" spielen danach noch einmal in einer eigenen Popliga. Das Metropole Orkest fügt noch die ein oder andere Ecke Pathos hinzu, etwa mit filmscorehaften Streichern oder ganzen Ausbrüchen klassischer Instrumente, die bislang natürlich noch nicht in Sohns Sound vorkamen. Dennoch sind die 15 Stücke nicht komplett dekonstruiert, sondern haben jeweils genau den Schliff bekommen, um eine perfekte Einheit zu formen.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Oscillate
  • Bloodflows
  • Nil
  • Rennen

Tracklist

  1. Hue
  2. Fool
  3. Oscillate
  4. Signal
  5. The wheel
  6. Bloodflows
  7. Tremors
  8. Harbour
  9. Nil
  10. Lights
  11. Lessons
  12. Hard liquor
  13. Artifice
  14. Conrad
  15. Rennen

Gesamtspielzeit: 65:46 min.

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User Beitrag

myx

Postings: 1021

Registriert seit 16.10.2016

2020-06-10 23:30:18 Uhr
Oh, schön. Habe mich die Monate immer mal gefragt, wann man wieder was von Sohn hören wird. Jetzt immerhin ein Live-Album.

Habe ihn schon beim Poolbar-Festival in Feldkirch erlebt, aber ohne Orchester. Da bin ich jetzt wirklich gespannt drauf. Wird sofort angehört, wenn ich wieder in den eigenen vier Wänden bin.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17873

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-10 20:28:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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