Obstler - Death jingles

Obstler- Death jingles

Martin Hossbach
VÖ: 15.05.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Nachschlag

In einem mittlerweile gelöschten Tweet aus dem Jahr 2019 wollte Max Rieger den spaßig-provokanten Ansatz seines Solo-Projektes Obstler erst gar nicht verheimlichen: "Wie ich einfach seit zwei Jahren an meinem Black-Metal-Album arbeite und ausnahmslos jeder, dem ich es vorspiele, es hasst." Geglaubt hat im Kern natürlich niemand, dass das umtriebige Multitalent Rieger ganze zwei Jahre braucht, um 12:43 Minuten Musik aufzunehmen. Inwieweit der Obstler-Nachschlag "Death jingles" schon vor Zeiten von Covid-19 im Kasten war, ist indes nicht zweifelsfrei aufzuklären. Rieger nennt es sein "Quarantäne-Werk", während Spotify diese immerhin 23 Minuten als "EP" ausweist, wogegen der deutlich kürzere Vorgänger ein "Album" sein soll. Spaß an der Verwirrung.

Der Opener "A cage within a cage" vertont in seiner bedrohlichen Monotonie zunächst die Schockstarre, die Videoclips und Fotos von Lastwagen mit Leichensäcken aus Norditalien im März 2020 in die Welt sendeten. "Caterpillar" startet mit Orchester-Touch, bevor das erste Gewitter den schönen Schleier hinwegfegt. Max Gruber alias Drangsal schreit und grunzt sich die Seele aus dem Leib, der Hörer hat Deafheaven im Ohr und wird ähnlich unverzüglich von Tara Nome Doyles zartem Gesang in die kurze Ruhe nach dem Sturm geführt. Alleine dieser Track darf als Weiterentwicklung von Riegers Black-Metal-Stil gelten, und doch liegt "Death jingles" eine sphärischere Stimmung zugrunde als "Demonji". Auch Martha Roses zartes Säuseln im Instrumental "Everything, constantly moving" bricht den Moment des verstörenden Innehaltens nicht, das Stück könnte auf jeder Beerdigung gespielt werden. Tränchen im Auge, alle Köpfe nach unten, und Rieger baut ein hübsches Piano-Fundament für die Trauer.

Über das kompakte "Cut the light", neben "Caterpillar" das zweite brachialere Stück, darf sich Casper am Mikro komplett ausgrunzen, während Rieger das Gitarrengewitter von Lukas Korn nutzt, um ein krachendes Drum-Gefüge zu kreieren. Ein wenig ratlos bleibt man am Ende dieses Experiments auch wegen des Achtminüters "No reason no truth" zurück. Monotoner Tiefklang, man sieht den dunklen, langen Tunnel vor sich, der ab Minute 3:40 von einem kleinen Strahl erhellt wird, bevor Basslauf und Percussion das Stück samt Stimm-Samples für die letzten drei Minuten heimbringen. Klar ist: "Death jingles" verlässt das Black-Metal-Korsett und bricht auf zu neuen Drone-Ufern. Corona hat den Stillstand eingefordert, doch ein Rieger macht da nicht mit. Wäre ja noch schöner.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Caterpillar
  • Everything, constantly moving

Tracklist

  1. A cage within a cage
  2. Caterpillar
  3. Death jingle
  4. Everything, constantly moving
  5. Cut the light
  6. No reason no truth

Gesamtspielzeit: 23:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Klaus

Postings: 1856

Registriert seit 22.08.2019

2020-06-11 17:10:31 Uhr
Hatte es zum Release mal gehört. Recht kurzweiliger Spaß. Wertung geht klar.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18615

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-10 20:27:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Rainer

Postings: 750

Registriert seit 22.03.2020

2020-06-05 19:51:24 Uhr
Find's absolut grottig.

Given To The Rising

Postings: 7400

Registriert seit 27.09.2019

2020-06-05 19:27:43 Uhr
Sollten als Vorgruppe zu Korn auftreten. Da bekommt man direkt Appetit. :)

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7678

Registriert seit 23.07.2014

2020-06-05 19:20:23 Uhr
Mensch, das ist ja erheblich besser als der Vorgänger. Viel abwechslungsreicher, richtige ausgetüftelte Songs und mit Gästen wie Drangsal und Casper, die sich wunderbar eingliedern. Tolles Release.
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