Norah Jones - Pick me up off the floor

Norah Jones- Pick me up off the floor

Blue Note / Universal
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

She has potential

Hä, wie jetzt? Im Thread zur letzten Fiona-Apple-Platte tauchte plötzlich der Name Norah Jones als Vergleich auf. Norah Jones? Ihr smoother Contemporary Jazz Pop und das kratzbürstige Kammerflimmern von Apple auf einer Wellenlänge? Wohl doch nur, wenn im eigenen Kosmos "Musik von Frauen" oder "Irgendwas mit Klavier" Genres darstellen. Schließlich fiel Jones zudem selten mit Wut oder dem Willen auf, etwas im System anprangern zu wollen. Sondern eher mit geschmackvollen Arragements und einem äußerst erfolgreichen Flirt mit reinem Pop auf der Danger-Mouse-Kollaboration "Little broken hearts". Ihr achtes Album "Pick me up off the floor" sitzt nach dem zu ihrem Wurzeln schielenden "Day breaks" und dem gerade einmal sieben Songs langen Mini-Intermezzo "Begin again" wieder entschieden zwischen den Stühlen. Kein richtiger Mainstream-Pop, aber auch keine eingeschobenen Jazzcover. Und tatsächlich braust das tolle "Flame twin" in seinem Refrain so energisch auf, dass zu Fiona Apple gar nicht mehr so viel fehlt. Sachen gibt's.

Natürlich hat "Pick me up off the floor" mit "Fetch the bolt cutters" aber herzlich wenig zu tun. Jones verpackt ihren Herzschmerz selten in karthatische Momente, sondern leidet melancholisch im Kreise ihrer Mitspieler. Das trägt durchaus ganz wunderbare Früchte, wie im melodisch schön verorgelten "Hurts to be alone". "I try to be somebody else / Or find new ways to be myself", singt Jones und man kann ihr zugestehen, dass diese elf Songs einen eigenen, in sich stimmigen Anstrich tragen. Sei es das leise, vorsichtige Tapsen des Openers "How I weep" oder das wolkenverhangene "Say no more", das sich immer wieder aus seinem Kokon traut. Schade nur, dass das lethargische Klagen zeitweise in Belanglosigkeit mündet. "To live" will im Gospel Trost und Hoffnung finden, gerät aber dermaßen dösig in seiner vorhersehbaren Tonfolge, dass es lediglich als Einschlafhilfe taugt. Auch bei "Heartbroken, day after" dauert es lange, bis am Schluss noch ein kleiner Twist die Gleichförmigkeit durchbricht.

Meistens funktioniert "Pick me up off the floor" aber als kleine Ode an die Liebe, insbesondere an ihre Abwesenheit. Gerade weil sich die Mitte der Platte leicht zäh gestaltet, haut der Schluss umso mehr um. "Were you watching?" funktioniert nicht nur dank der fulminant klagenden Geige, sondern auch aufgrund der großartigen Klimax. "Were you listening when there's nothing left to say?", fragt Jones noch. Doch mit dem hübschen Country-Schunkler "Stumble on my way" und dem sensiblen "Heaven above" gibt "Pick me up off the floor" allen Grund, bis zum Ende zuzuhören. Klar, wer Jones schon vorher für Wischiwaschi-Musik für hippe Kaffeehäuser hielt, wird mit diesem Werk nicht mehr bekehrt. Für alle anderen macht sie sehr vieles richtig: Ihren Grundsound erweitert sie in einem stimmigen Werk, das genug Highlights bietet. Auch wenn es von einem Meilenstein natürlich weit entfernt ist. Fiona Apples "Shameika" hätte damals aber sicher auch für Norah Jones aufmunternde Worte gehabt.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Flame twin
  • Hurts to be alone
  • Say no more
  • Were you watching?

Tracklist

  1. How I weep
  2. Flame twin
  3. Hurts to be alone
  4. Heartbroken, day after
  5. Say no more
  6. This life
  7. To live
  8. I'm alive
  9. Were you watching?
  10. Stumble on my way
  11. Heaven above

Gesamtspielzeit: 45:22 min.

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Armin

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2020-06-10 20:25:52 Uhr - Newsbeitrag
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