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Ghost Work - You'll be buried with

Ghost Work- You'll be buried with

IDEAS
VÖ: 05.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Denn sie wissen, was sie tun

Nicht jedem Anfang wohnt der oft bemühte Zauber inne. Im Falle von Ghost Work war es eine schnöde E-Mail samt musikalischem Anhang, die Aaron Stauffer, altgedienter Sänger der Grungeband Seaweed, zum Mitmachen bewog. "This is going to be terrible", soll er seiner Ehefrau gegenüber zunächst noch gesagt haben. Dass diese unscheinbare Anekdote hier aber allen Ernstes als Gründungserzählung herhalten muss, zeigt, wie unspektakulär und normal diese Truppe rüberkommt. Ghost Work sind vier nicht mehr ganz so junge Männer, die einfach das tun, worin sie mutmaßlich am besten sind – Musik machen. Angekündigt als neue Supergroup, die sich neben Stauffer aus ehemaligen Mitgliedern der allseits geschätzten Bands Snapcase, Minus The Bear und Milemaker zusammensetzt, hält es das Quartett dabei weder mit frickeligem Mathpop noch mit aggressiven Hardcore-Wütereien. Stattdessen spielen Ghost Work eine formidable Mixtur aus Postpunk und Emocore, die zu keinem Zeitpunkt so klingt, als hätten sich für "You'll be buried with" ein paar routinierte Musiker mal eben unverbindlich zu einem neuen Projekt verabredet.

"Fake blood" verbindet flirrende Gitarrenschwaden mit einem federnden Bassspiel, wie es einst Jason Black bei Hot Water Music kultiviert hat. Ein leises Echo findet der Shoegazesound des Openers in "Go stat" – einer treibenden Indie-Hymne, für deren Refrain so manche mittlerweile zu Recht vergessene 2000er-Kunststudentenkombo damals ihr letztes Sakko gegeben hätte. Auf eine ganz andere, aber nicht weniger effektive Form der Überwältigung setzt "Favored routes" mit seinem schleppenden Groove und einer wunderbar kratzigen Gitarre. Stauffers Gesang klingt hier mitunter noch eine Spur gequälter und leidender als ohnehin schon. Ebenso wie im darauffolgenden "Statues in Spain", das allerdings unerwartet die Vorhänge aufzieht und die Sonne reinlässt. Und so verdeutlicht bereits die erste Hälfte der Platte nicht nur, wie gekonnt Ghost Work diverse Traditionen und Einflüsse in ein organisches Ganzes überführen, sondern auch, wie sie scheinbar mühelos Stimmungen evozieren und modellieren. Als wüssten sie in jedem einzelnen Augenblick, was sie da eigentlich machen.

Die einfache Erklärung dafür wäre, dass es sich genau so verhält. Schließlich setzen sich die guten Momente auch mit zunehmender Spielzeit fort. Hälfte zwei gibt sich im Vergleich einen Ticken sperriger, einen Ausfall hat sie aber auch nicht zu verzeichnen. Ghost Work halten das Niveau. Dass nicht jeder einzelne Song dabei sofort so ins Ohr geht wie das beschwingte, beinahe schon heiter vor sich hin tänzelnde "Salt from tears", mag durchaus kalkuliert sein. Doch am Ende verhindern auch kleine Widerhaken an den passenden Stellen nicht, dass "You'll be buried with" einen veritablen Sog entfaltet. Im Gegenteil. Noch zwingender als die vielen respektablen Einzelteile ist unterm Strich nämlich das Puzzle, zu dem sich diese nach und nach und wie von Zauberhand zusammenfügen. Wobei: Mit Zauberei hat das nichts zu tun. Und Gespenster sind hier auch nicht zugange. Einfach nur vier normale Typen, die Musik machen. Klingt vielleicht nicht wahnsinnig neu und aufregend, ist aber richtig gut.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Fake blood
  • Favored routes
  • Salt from tears

Tracklist

  1. Fake blood
  2. Go stat
  3. Favored routes
  4. Statues in Spain
  5. Bricks of sun
  6. Greeting from gates
  7. Salt from tears
  8. Contact contract
  9. B. Ledgewood
  10. Confessions on 6

Gesamtspielzeit: 46:17 min.

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Armin

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2020-06-10 20:24:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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