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Stinky - Of lost things

Stinky- Of lost things

M Theory / Membran
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Weggebügelt

Also jetzt mal im Ernst: Was soll denn das? Wer um alles in der Welt nennt seine Band denn so? In der Liga der beschissenen Bandnamen bekommen Stinky damit wahrscheinlich ein Denkmal, mit Sicherheit aber einen Ehrenplatz. Direkt neben Itchy Poopzkid. Und selbst die haben ja längst eingesehen, dass die Sache mit dem Poopzkid ziemlich stinky war. Aber die Namensgebung mal ausgeklammert: Was haben wir denn hier? Fünf Leute, großgeworden in der Hardcore-Szene um Nantes, die sich seit Jahren den Hintern abtouren und es dabei immerhin schon auf zwei Alben gebracht haben. Und jetzt eben "Of lost things" vorlegen. Schwieriges drittes Album, sagt man doch immer, oder? Das wollen wir doch erst mal sehen.

Oder auch nicht. Stinky nehmen mit dem größten Vergnügen derlei Stream-of-consciousness-Unfug und wischen mitsamt Verfasser den Boden damit auf. Blutige Nase und blaue Flecken inklusive. Die Band zieht auf "Of lost things" nämlich eine Melodic-Hardcore-Naht, dass es einem noch die verstecktesten Falten aus dem zu engen Hemd presst. Man ist ehrlich dankbar, wenn "Nosedive" zum Ende hin ein Einsehen hat, die Akustische hervorholt und ein paar Takte Pause macht. Die hat man zu diesem Zeitpunkt bitter nötig, weil wirklich unüberschaubar viel über einen hinweggewalzt ist. Gewalzt, weil Stinky eine tonnenschwere, chirurgisch präzise Produktion auffahren, die ihre Art des Hardcore-Roundhousekicks perfekt in Szene setzt, und die Backpfeifen-Armada bis dahin nicht stillstand. "Revival fire" stöpselt die Instrumente ein und stürzt sich mit Höchstgeschwindigkeit kopfüber in die hervorragend durchgeplante Klopperei. Halsbrecherische Breakdowns, die andere nicht mal aus der Ferne anschauen würden, natürlich inklusive.

"Strangers with familiar faces" zeigt ein paar Songs später, dass die Band sich offensichtlich auch dann pudelwohl fühlt, wenn der Tacho nicht am Anschlag ist. Da nehmen sich Stinky genüsslich Zeit, die Intensitäts-Daumenschrauben anzuziehen und erlauben sich sogar den ein oder anderen Umweg in epische Gefilde, bevor sie die unvermeidliche Tracht Prügel verteilen. Und weil das Quintett mit halben Sachen nichts am Hut hat, tritt nach der erwähnten kurzen Pause am Ende von "Nosedive" konsequenterweise "Struggle" die Tür ein, um das Feld zu bereiten, auf dem Vokalistin Claire ihr beeindruckendes Organ über die nächste Hardcore-Abfahrt malträtieren kann. Man will beinahe kapitulieren, bekommt dann aber in "Made it home" eine große Portion Melodie und ein weiteres Highlight spendiert. Von denen gibt es im Übrigen viele. Weil Stinky ganz exakt wissen, was sie hier tun. Dementsprechend versucht die Band gar nicht erst, ihren Stil von Subtilität leben zu lassen, sondern lässt den dick auftragenden, alles wegbügelnden Krach von der Leine und setzt treffsicher ihre Schläge. Am Ende steht ein Album, das auch den Comeback Kids dieser Welt das Fürchten lehren kann. Und das den Bandnamen locker vergessen macht.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Revival fire
  • Struggle
  • Made it home

Tracklist

  1. Revival fire
  2. Lame heart
  3. Distance
  4. Strangers with familiar faces
  5. Mind trapped
  6. Unloving
  7. Nosedive
  8. Struggle
  9. Made it home
  10. Spring letter
  11. Rough diamond (unplugged)

Gesamtspielzeit: 31:59 min.

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Armin

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2020-06-03 19:38:51 Uhr - Newsbeitrag
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