Run The Jewels - RTJ4

Run The Jewels- RTJ4

BMG / Warner
VÖ: 03.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bad cop, bad cop

"Hey Brain, was wollen wir denn heute Abend machen?" – "Genau dasselbe wie jeden Abend, Pinky. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen."

Was Mitte der Neunziger noch zwei Labormäuse waren, findet 2020 seine Entsprechung in einem US-Rap-Duo, das auf seiner vierten Platte als "Yankee and the Brave" auftritt. Komplett mit eigenem Intro und Outro, aufgemacht als Episode einer schlagfertigen Crime-Serie. Auf welcher Seite des Gesetzes El-P und Killer Mike alias Run The Jewels stehen, ist klar: "I got one round left, a hundred cops outside / I could shoot at them or put one between my eye." Im Opener, nach der fiktionalen Serie benannt, traden sie in Windeseile ihre Lines, und erst nachdem das Ding vorbei ist, merkt man, dass es keinerlei Hook oder Refrain gebraucht hat, um einen fulminanten Einstand aufs Parkett zu legen. Einmal mehr zählt die Attitüde, die Jagd nach der nächsten Line, welche die vorherige noch toppen kann.

Dass "RTJ4" diesmal die Abkürzung als offiziellen Titel trägt, ist allerdings schon die größte Neuigkeit im Hause Run The Jewels. Die Platte verbindet die Kompaktheit der ersten beiden Alben mit der emotionalen Bandbreite von "Run The Jewels 3". In der vorderen Hälfte stehen auch hier die launigen Brecher. "Holy calamafuck" – an sich schon ein großartiger Titel – marschiert sehr entschlossen, bevor in der Mitte überraschend der Beat gewechselt wird und eine grelle Stimme quer durch den Raum "More fire!" ruft. Bitte, gerne. "Ooh la la" holt sich mit DJ Premier und Greg Nice einen nicht originellen, aber funktionalen Oldschool-Piano-Beat ins Haus, steht aber als Single wenig repräsentativ für das Album. Die Krone holt sich in diesem Abschnitt vielmehr das mit herrlich brummigem Bass ausgestattete "Goonies vs. E.T.". "Ain't nothing to fuck with."

Wie bereits der Vorgänger legt auch "RTJ4" irgendwo in der Mitte den Schalter in der Tonalität um. Die Beats werden düsterer, die Themen ernster, die Wut größer. Es ergibt Sinn, dass der nun zum dritten Mal gastierende Zack De La Rocha das vergleichsweise minimalistische "Ju$t" veredelt, schließlich wäre die oft wiederholte Zeile "Look at all these slave masters posing on your dollar" sicher auch bei seiner alten Hauptband Rage Against The Machine eine funktionale Hook geworden. Pharrell Williams bleibt dagegen ein Komparse. Spätestens beim energischen, in seiner Härte beinahe an Crossover erinnernden "The ground below" hat sich jegliche Lockerheit verabschiedet, um Platz für das finale Drama zu machen. "RTJ4" ist dann eine andere Platte geworden – und das in nur unter 40 Minuten.

"Pulling the pin" hat mit Mavis Staples am Gesang und Josh Homme an der Gitarre nicht nur ein spannendes Pairing zu bieten, sondern überzeugt vor allem mit der kompromisslos apokalyptischen Atmosphäre. El-P rappt von "years of self-lobotomy", während Staples "There's a blade in my heart!" ausruft. Dass "RTJ4" seine Klimax ebenfalls mit einem nervösen Saxofon untermalt, mag wie ein Abschreiben wirken, aber "A few words for the firing squad (Radiation)" ist als Blockbuster-Closer einfach viel zu großartig, um sich daran zu stören. Vielmehr wirkt es wie ein Bruch, wenn später unvermittelt das Anfangstheme von "Yankee and the Brave (Ep. 4)" erneut hereinschneit und der Abspann etwas plötzlich kommt. Das macht die Platte unterm Strich etwas weniger rund als die grandiosen Teile zwei und drei, aber trotzdem zu einem sehr unterhaltsamen und bewegenden Ritt. "When the chips are down, I really don't think you wanna bet against 'em", meint der Erzähler im Outro in bester "A-Team"-Manier. Kann man so sagen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Yankee and the Brave (Ep. 4)
  • Goonies vs. E.T.
  • Pulling the pin (feat. Mavis Staples & Josh Homme)
  • A few words for the firing squad (Radiation)

Tracklist

  1. Yankee and the Brave (Ep. 4)
  2. Ooh la la (feat. Greg Nice & DJ Premier)
  3. Out of site (feat. 2 Chainz)
  4. Holy calamafuck
  5. Goonies vs. E.T.
  6. Walking in the snow
  7. Ju$t (feat. Pharrell Williams & Zack De La Rocha)
  8. Never look back
  9. The ground below
  10. Pulling the pin (feat. Mavis Staples & Josh Homme)
  11. A few words for the firing squad (Radiation)

Gesamtspielzeit: 39:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

painkilla

Postings: 13

Registriert seit 23.10.2017

2020-08-29 09:30:52 Uhr
Geil! Und: ich fand sie schon immer gut

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5756

Registriert seit 26.02.2016

2020-08-28 21:52:38 Uhr - Newsbeitrag

Klaus

Postings: 1862

Registriert seit 22.08.2019

2020-06-11 11:03:57 Uhr
Schon ein extrem gutes Album, die 8 hätte man hier mal locker ziehen können. Sehe eigentlich nur "Oooh lala" leicht abfallend, der Rest sehr gut.

Was für ein Killertrack Goonies vs E.T. einfach ist.

fuzzmyass

Postings: 3076

Registriert seit 21.08.2019

2020-06-10 22:27:27 Uhr
ja, absolut - find den Song auch gar nicht so unoriginell.

boneless

Postings: 3153

Registriert seit 13.05.2014

2020-06-10 20:45:08 Uhr
Ooh la la ist mMn der vllt. typischste El-P Track auf einem RTJ-Album bisher. Erinnert mit diesem schrägen Groove sehr an seine Arbeit mit Cannibal Ox bzw. seine eigenen Soloplatten.
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