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Brigid Mae Power - Head above the water

Brigid Mae Power- Head above the water

Fire / Cargo
VÖ: 05.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nahe an Zuversicht

Folk für Eingeweihte und Fortgeschrittene. Brigid Mae Power hat es ihren Hörern immer ein bisschen schwer gemacht, mit ihrer Musik warm zu werden. Wo andere Künstler möglichst nach Abwechslung und Impact trachten, ging die Irin auf ihren bisherigen zwei Alben einen anderen Weg. Schmerzhafte Repetition, langgezogene Klagegesänge, die auf existentielle Weise enervierend waren. Dazu eine meist spartanische Instrumentierung, die den Blick nicht auf das Wesentliche, die Einsamkeit, die Verzweiflung, verstellte. Jetzt, auf "Head above the water", gibt es in Nuancen jedoch Verschiebungen, die im Kosmos Powers wie ein Erbeben erscheinen. Die Öffnung hin zu einer reicheren instrumentalen Ausstattung, das Zusteuern auf Höhepunkte in Form eines Refrains, dies alles gibt es nun auf Album Nummer drei zu bestaunen. Das Beste dabei: Brigid Mae Power hat ihre Intensität nicht eingebüßt.

Doch ist man erst mal erstaunt, wenn der Opener "On a city night" erklingt. Direkt üppig mit Pedal Steel, Hammond-Orgel und Streichern gleitet dieser Song durch die nächtliche Stadtlandschaft. Es wiederholen sich die melodischen Motive, nur ist dieses Mal alles warm und rund, in seiner Mantra-Haftigkeit aber direkt catchy. Man schwebt behütet und gleichmäßig durch dieses schimmernde Panorama, lässt sich einlullen, und vor allem: Nichts tut weh. Und so wundert es nicht, dass sich auch zu dem versonnenen Piano von "Wearing red that eve" ein genügsames Schlagzeug hinzugesellt und den Song über melancholisches Nachsinnen und kleine emotionale Ausbrüche hinwegträgt. "Wedding of a friend" besitzt ebenfalls eine zwar genügsame, doch eben auch reichhaltige Instrumentierung. Durch die trägen Percussions, das Auffunkeln der Pedal-Steel erhält das Spiel der Akustik-Gitarre einen differenzierten Untergrund, wirkt lebendig und auch zufrieden.

Dabei muss auf textlicher Ebene nicht alles eitel Sonnenschein sein. Neben Reflektionen über die eigene Mutterschaft findet sich auf diesem Album auch so manch dunkel Eingefärbtes, mentale Einsamkeit, die Frage nach dem eigenen Zuhause. Doch sorgt die musikalische Umsetzung, Ehemann Peter Broderick und Alasdair Roberts steuerten so manches Instrument bei, für eine Reichhaltigkeit und Wärme, die auch eher finstere Aspekte warm einbetten. Und doch gibt es sie, die Einsamkeit und die Versehrtheit. "I was named after you" kreist um einen milde betäubten Takt, wenige Gitarren-Figuren ziehen durchs einsame Tal. Power tändelt im lichten Falsett eine langsam sich windende Strecke entlang, und im Fortgang der sechs Minuten Spielzeit entfaltet sich eine kleine Odyssee, die offen lässt, ob an deren Ende eine sinnstiftende Erkenntnis steht. Nur steht auf diesem Album die Zuversicht nicht weit entfernt. Im zutraulichen Schunkeln von "You have a quiet power" werden sachte Anknüpfungen zum Gegenüber geschaffen. Und der Titelsong, begleitet vom sonntäglich jazzigen Klavier, hält eben den Kopf über und nicht unter Wasser. Und so kann man auch in das vorherige karge Songwriting ein wenig Üppigkeit und Farbe hinein lassen, wenn alles schon nicht mehr ganz so dunkel aussieht.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • On a city night
  • I was named after you
  • Head above the water

Tracklist

  1. On a city night
  2. Wearing red that eve
  3. Wedding of a friend
  4. Not yours to own
  5. I was named after you
  6. We weren't sure
  7. You have a quiet power
  8. I had to keep my circle small
  9. The blacksmith
  10. Head above the water

Gesamtspielzeit: 46:27 min.

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Armin

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2020-06-03 19:38:01 Uhr - Newsbeitrag
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