Jack Garratt - Love, death & dancing

Jack Garratt- Love, death & dancing

Island / Universal
VÖ: 12.06.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Im Homeoffice

Couch-Potatoes aufgepasst! Dies ist für all diejenigen unter uns, deren Jogginghosen noch nie auch nur einen Tropfen Schweiß abbekommen haben, geschweige denn mal an der frischen Luft waren. Für all die Stubenhocker, die ihr Wochenende liebend gerne bequem und ungezwungen in den eigenen vier Wänden genießen, anstatt sich dazu aufzuraffen, sich in Schale zu schmeißen und bis in die frühen Morgenstunden durch die Clubs zu ziehen. Jack Garratt schafft Abhilfe: Der Brite bezeichnet sich selbst als standhaften Zuhausebleiber und macht eigenen Angaben zufolge Tanzmusik für Leute, die nicht gerne tanzen gehen.

Und tatsächlich hat "Love, death & dancing" einiges an Liedgut parat, das das heimische Wohnzimmer in kürzester Zeit zum Dancefloor werden lässt. Wabert das großartige "Time" im ersten Drittel noch etwas spacig und ziellos vor sich hin, folgt aufs Stillsitzen nach rund zweieinhalb Minuten – ob man will oder nicht – unaufhörliches, sich steigerndes Mitwippen, bevor es in der letzten Minute kein Halten mehr geben kann. The stage is yours, liebe Heimscheißer und -tänzer. Ein Song als eine Art Befreiung, Erlösung und Neuanfang. Garratt schüttelt elfengleich und leichtfüßig all den Ballast ab, den er in den letzten Jahren mit sich getragen hat. Viereinhalb Jahre nach seinem vielerorts hochgelobten Debütalbum "Phase" und einer schwierigen Zeit zwischen Selbstzweifeln, Depressionen und dem vielzitierten kreativen Loch scheint er endgültig aus selbigem geklettert und wieder obenauf zu sein.

Noch deutlicher bekommt man das bei "Better" zu spüren, wo der Endzwanziger aus High Wycombe nochmals nachlegt und nicht nur aufgrund des fantastischen Refrains vermutlich eine der besten Dance-Nummern des Jahres in petto hat. Auch ohne Discokugel glitzert die Bude und eine gewisse Ausgelassenheit überstrahlt alles – auch die stellenweise etwas bedrückten Texte. Die bärtige One-Man-Show kann aber auch etwas zurückgelehnter. "Mara" ist ein klassischer Grower, der mit seiner Mischung aus minimaler Instrumentierung und fast schon gospelartigem Gesang von Mal zu Mal besser zu gefallen weiß. "Get in my way" ist auch so ein Fall, der anfangs befremdet, später jedoch begeistert. "No, nothing's gonna get in my way" wiederholt er hier fast schon mantraartig und zeigt seinen eigenen Dämonen trotzig den ausgestreckten Mittelfinger.

Etwas experimenteller geht Garratt bei "Return them to the one" zur Sache und tobt sich irgendwo zwischen Loops, Synthesizern und sonstigen elektronischen Spielereien bis hin zum etwas wirren Rumgefrickel aus. Wem das zu chaotisch ist, nutzt die Zeit zum Austreten und zu schauen, was der Kühlschrank noch an Kaltgetränken bereithält. Bestens versorgt warten dann noch Tracks wie "She will lay my body on the stone", "Doctor please" oder das abschließende "Only the bravest" auf einen, bei denen das musikalische Rumpelstilzchen ein paar Gänge zurückschaltet und gleichzeitig nochmal ganz tief in Gefühlskiste und Pianotasten greift. Was folgt, ist ein letzter Absacker und die wohltuende Gewissheit, dass der famose Tanzabend mit Jack Garratt im heimischen Club nach dem letzten Ton genau dort endet, wo er begonnen hat: Auf der Couch. Bequemer geht es nun wirklich nicht. Gute Nacht.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Time
  • Better
  • Doctor please

Tracklist

  1. Time
  2. Mara
  3. Return them to the one
  4. Better
  5. Get in my way
  6. Mend a heart
  7. Circles
  8. Anyone
  9. Doctor please
  10. She will lay my body on the stone
  11. Old enough
  12. Only the bravest

Gesamtspielzeit: 57:40 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18611

Registriert seit 08.01.2012

2020-06-03 19:36:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18611

Registriert seit 08.01.2012

2020-04-06 21:56:19 Uhr - Newsbeitrag
Bitte beachtet, dass sich die VÖ von Jack Garratts zweitem Album „Love, Death & Dancing“ vom 29.05. auf den 12.06.2020 schiebt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18611

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-07 19:45:25 Uhr - Newsbeitrag
JACK GARRATT kündigt neues Album „Love, Death & Dancing“ für den 29.05.2020 an / erste Single „Time“ inkl. Video veröffentlicht



Ein Bild, das Himmel, Mann enthält. Automatisch generierte Beschreibung



“I wrote this album as someone – and for anyone – who likes dancing but doesn’t necessarily want to go out on a Saturday. It’s dance music for people who don’t want to go out! And that’s the music that I love: music that doesn’t care if you’re standing up or sitting down. It’s going to give it to you either way.” –Jack Garratt



“The album was written from the point of view of someone who has a functioning sadness, who has had his day-to-day depressions and anxieties that have influenced the decisions he’s made. The album is about that functionality, that day-to-day battle, conversation, tug of war.” –Jack Garratt



***



Das zweite Album des britischen Multiinstrumentalisten Jack Garratt trägt den Titel „Love, Death & Dancing“ und wird am 29.05.2020 erscheinen.



Für die Albumkampagne hat sich Jack Garratt etwas Besonderes überlegt:

So ist gestern Abend nicht nur die erste offizielle Single „Time“ erschienen, sondern auch zwei weitere neue Tracks („Mara“ und „Return Them To The One“), die gemeinsam die EP „Love, Death & Dancing (Vol. 1)“ bilden. Bis zur Album-Veröffentlichung soll es drei weitere dieser „Volumes“ geben. Begleitet wird das Ganze von dem Kurzfilm „Love, Death & Dancing – a film by Jack Garratt“, dessen ersten Teil das Video zu „Time“ bildet.



Schaut Euch den Clip hier an:



JACK GARRATT – „TIME“







Fast vier Jahre war es sehr still um den britischen Musiker gewesen. Hört man sich seine neuen Songs an, versteht man schnell, weshalb. Jack selbst spricht ebenfalls sehr offen darüber: Mit dem Erfolg seines ersten Albums „Phase“ konnte er nur schwer umgehen, er fiel in ein tiefes Loch, fühlte sich leer und allein. Seine Verzweiflung gipfelte an einem Theaterabend mit seiner Freundin in New York vor knapp zwei Jahren ins Unermessliche:



“Somehow, in the middle of all this joy – we went to the theatre, to Saturday Night Live, it was lovely, all these things I’d wanted to do, with the woman I love -this overwhelming thought came into my head. It was the first time I’d ever truly contemplated suicide. I was so taken with this moment, within the joy that I was feeling; that still, despite that, this arrow was able to find a way through it all and hit me, directly, square between the eyes. I just broke down. No love for myself existed in that moment. It was just all self-loathing.”



Er zog sich eine Zeit lang zurück und räumte sich und sein Leben auf. All diese Erfahrungen flossen in „Love, Death & Dancing“, das er gemeinsam mit den Produzenten Jacknife Lee und James Flannigan aufnahm.

Auch musikalisch hört man dem Album an, dass es eine stürmische Phase in Jacks Leben widerspiegelt: Ruhige, wohlklingende Stücke wechseln sich mit solchen ab, die wild und ungestüm daherkommen. Man fühlt sich an Künstler*innen wie Fleetwood Mac, The Who, die Beach Boys, Daft Punk oder auch Cupid und Psyche 85 erinnert. Die einzige Konstante des Albums ist Jack Garratts soulig-bluesige Stimme.







JACK GARRATT | LIVE



06.03.2020 – Helios37 (Köln)

07.03.2020 – Silent Green (Berlin)

https://mct.tickets.de/de/event/1004023-jack_garratt




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