Cup - Nothing could be wrong

Cup- Nothing could be wrong

Aagoo
VÖ: 08.05.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schwarzlicht oder Kerzenschein

Schon mal eine Posaune durch ein Fuzz-Pedal gejagt? Timothy Wojcik auch nicht. Zwar zog der gebürtige Texaner, der das Blasinstrument in seiner Kindheit mit Begeisterung spielte, Derartiges bereits in Erwägung – die resultierenden Drones klängen ihm zufolge nämlich gerade grauenhaft genug, um einen Song für sein Projekt Cup daraus zu machen. Letztendlich ergriff der inzwischen in New York residierende Musiker aber konventionellere Maßnahmen und erweiterte Cup für den dritten regulären Longplayer vom Solo-Ding zum Quartett. Auch in einer imaginierten Garage, wo scharfkantig zerrende Reverbs von den Wänden widerhallen, kann es eben ziemlich einsam werden – selbst wenn das "Night lite" funzelt und das Joy-Division-Riff so missmutig knurrt, als hätte sich Peter Hook gerade erst mit dem Rest der Band zerkracht. Doch Lärm macht "Nothing could be wrong" auch ohne Zoff reichlich, und Cup gehören bestimmt nicht zu den trüben Tassen, für die man nach der Schwarzlicht-Party Luftmatratzen aufpusten muss.

Auch währenddessen gönnt sich "Nothing could be wrong" vor lauter verderblichem Schnaufen aus groben Post-Punk-Schlägen und der verranzten Sumpfigkeit von The Gun Club oder The Birthday Party kaum mal eine Pause – da können Cup auf dem Cover bei Kerzenschein in sakral anmutender Kulisse sitzen, wie sie wollen. Besonders zu Beginn spielt das Quartett in einer Tour unheilvolles Drum-Rumoren, ohrenscheinlich kurz vor der Einäscherung stehende Gitarren und Wojciks angewidert schnarrenden Gesang gegeneinander aus, was nicht nur im Titelstück für einen bassigen Knüller mit Stampfgarantie sorgt: Auch "Hideaway" zischt so geräuschig ab wie eine schwarze Katze mit frisch eingeklemmtem Schwanz und profitiert zudem von Chad Sardashtis fidelen Elektronik-Spritzern. Und schlürft sich "Swarm" mit Schlagzeugerin Kelsey Chapstick am Mikro in ein körperloses, von dunklen synthetischen Schwaden durchzogenes Shoegaze-Jenseits, hat sich die Personalaufstockung bereits nach der Hälfte dieses Albums gelohnt.

All das eint Cup mit den Brooklyner Nachbarn Pop. 1280, wobei sie ihre knochigen Finger weitaus seltener in der Cyber-Goth-Steckdose versenken. Lieber wompert sich der Vierer in die vergleichsweise lockere Surf-Schunkelei "When we ride" hinein und steht für einen Augenblick zotteligen Slack'n'Rollern wie Ty Segall oder Jay Reatard näher als bleichen Gestalten mit auftoupierten Haaren und scheinbar angewachsener Sonnenbrille. Beides beherrschen Cup jedoch genauso gut wie die zweiminütigen Punk-Rüttler "Wrong animal" und "Strange dreamer", die The Horrors' "Sheena is a parasite" den letzten Rest Kajal von den geröteten Glubschaugen ätzen. Und was ist das da zum Schluss in "You don't need anybody"? Doch noch das eingangs angedrohte Getröte oder nur eine perfide malträtierte Sechssaitige? Das wird vermutlich ein Geheimnis bleiben, das wir Wojcik und Kollegen nicht nehmen möchten – Hauptsache, sie produzieren weiter schaurig-schöne Platten wie diese. Und jetzt bitte ein Fuzz aufmachen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Night lite
  • Hideaway
  • Swarm
  • Strange dreamer

Tracklist

  1. Night lite
  2. Hideaway
  3. Nothing could be wrong
  4. When we ride
  5. Swarm
  6. Wandering
  7. Bright blue sea
  8. Wrong animal
  9. Ghost dance
  10. Strange dreamer
  11. You don't need anybody

Gesamtspielzeit: 37:35 min.

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Armin

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2020-06-03 19:36:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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