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Pauls Jets - Highlights zum Einschlafen

Pauls Jets- Highlights zum Einschlafen

Lotterlabel / Sony
VÖ: 29.05.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Universelle Albernheiten

Pauls Jets, diese herrlich unbedarften Österreicher, knabberten auf ihrem Debüt "Alle Songs bisher" munter an allem rum, was irgendwie nach Indie aussah. Das haben sie gut gemacht, jedoch bemängelte Kollege Holtmann dabei die fehlende Stringenz. Nun, auf dem lakonisch betitelten "Highlights zum Einschlafen" verspricht der Blick auf die Tracklist nicht unbedingt Besserung. 14 Songs, wieder ein ganz schönes Brett. Verspielt und ungebunden sind Pauls Jets, so der erste Höreindruck, immer noch. Und trotzdem, nach und nach spürt man dem ganz eigenen Geschmack dieser Platte nach, wo es an der einen Stelle melancholisch tönt, spurtet das Trio andernorts munter voran, ein übergeordnetes Feeling stellt sich dennoch ein. Und dies ist eines der gehobenen Ernsthaftigkeit, welches jedoch mit Passagen, deren mutwilliger Fremdschämfaktor in die Höhe steigt, gekreuzt werden.

"Der Teufel steigt mit mir ins Bett / Er macht mein buntes Höschen wet." Was soll man dazu sagen? Vielleicht, dass diese geschmacklose Entgleisung in eine wunderschöne Folk-Schmachterei eingefügt ist, die dann auch noch mit Orgel-Stampf in Richtung Hymne geht. Man denkt so manches mal, so könnten sich Isolation Berlin anhören, wenn sie sich die Brit-Pop-Großtaten der Neunziger vornehmen würden. Überhaupt ist der rein klangliche Faktor dieser Platte durchaus um so etwas wie Größe und Erhabenheit bemüht, manches besitzt einen uneitlen Schönklang. Das "Da da da" dieses Trios hört sich dann auch an wie eine Mischung aus Falco und Pulp, Nachtpflaster-Tragödien, die sich nicht zwischen erhabenen Pathos und Schund-Literatur entscheiden mögen. Doch ein gewisser edler Glanz verbreitet sich fast immer, konterkariert von pseudocoolem Jugendsprech wie "Ich bin down / Gehen wir runter in die Stadt." Dazu gibt es stürmischen Noise-Rock, der drückt, aber eben auch freiheitliche Ungebundenheit ausatmet, hach, süße Jugend. Frontmann Paul Buschnegg hat dabei das Talent, in seinem Gesang, Trotz, Verletzlichkeit und Unschuld mit einer zweideutigen Cleverness zu verbinden. Der Typ leidet an den Alltagsunzulänglichkeiten, durchschaut als wissender Verführer aber eben auch die ganze Chose.

Im mit einem sumpfigen Bass-Spiel tänzelnden "Trap band" wird ein romantischer Mitternachts-Klammer-Blues aufgeführt, in der zutraulichen Kuschelei mit Honeymoon wird jedoch die musikalische Karriere-Planung vorangetrieben. An solchen Punkten kann man die musikalische Gewichtigkeit dieser Platte eben doch nicht ganz ernst nehmen, da hier scheinbar unbedarfte Kids mit klanglicher Üppigkeit hantieren – circa wie Blur mit "The universal": "Ich liebe Trap / Ich zeig's jedem, der jetzt lacht." Und doch ist man verblüfft, mit welcher Komplexität ein Song wie "Die dunklen Prinzessinnen der Nacht" eine morbide Finsternis mit luftigen Wave-Ausritten kombiniert. Lächeln, Weinen, wissend die Augenbraue hochziehen? Alles ist möglich auf dieser Platte, wobei diese Vielschichtigkeit einen mit großer Geste ausgeworfenen musikalischen Überzug erhält. Dass diese Band reifer daherkommt, ohne sich das Recht auf Albernheit und schlechten Geschmack nehmen zu lassen, ist dann vielleicht der eigentliche Triumph dieser Platte. Hier ist jemand erwachsen geworden, ohne das Kind in sich zu töten.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Weißt Du wie es wird?
  • Da da da
  • Ich bin down
  • Die dunklen Prinzessinnen der Nacht

Tracklist

  1. Weißt Du wie es wird?
  2. Raus aus der Essenz
  3. Blizzard
  4. Der Teufel
  5. Da da da
  6. Für die Fische
  7. Je suis le chevalier Rebol
  8. Eiszeit (Da da da 2)
  9. Geister
  10. Ich bin down
  11. Trap band
  12. Highlights zum Einschlafen
  13. Die dunklen Prinzessinnen der Nacht
  14. Villa Tugendhat

Gesamtspielzeit: 60:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

musie

Postings: 2915

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-29 10:53:39 Uhr
Es ist wirklich alles etwas tragender geworden. Haben sich weiterentwickelt. Zu früh für ein Urteil, aber das kommt gut...

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2339

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-29 10:40:35 Uhr
Was ich bislang gehört habe, finde ich ganz okay. Aber das Ungestüme und die Frische des Debüts sind nahezu weg, das genau mag ich aber an der Band.

Gordon Fraser

Postings: 1696

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-29 01:23:03 Uhr
Erster Eindruck: deutlich getragener, ruhiger als das Debüt. "Ich bin down" sticht sofort ins Ohr, ist aber auch einer der wenigen Uptempo-Tracks. Den letzten Song hätte es nicht gebraucht, ganz komisches Ding.

Mal drüberschlafen...

Gordon Fraser

Postings: 1696

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-28 15:26:56 Uhr
5 1/2 Sterne in ME: jetzt bin ich richtig gespannt.

https://www.musikexpress.de/reviews/pauls-jets-highlights-zum-einschlafen/

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Postings: 528

Registriert seit 25.09.2014

2020-05-27 23:05:28 Uhr
Oha, die zweite Single "Der Teufel" ist nicht so meins. Zu viel Anajo.
Der erste Song "Blizzard" ist schon besser und beide nicht bei den Highlights dabei!

Für ein Konzert wirds wohl nicht reichen, hier in den Norden verirren sie sich wohl nicht nochmal (einmal hab ich sie schon verpasst..)
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