LA Priest - Gene

LA Priest- Gene

Domino / GoodToGo
VÖ: 05.06.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Und es macht bumm

Mein kleiner elektronischer Freund. Sam Eastgate kann eigentlich gut mit Menschen. Als Mitglied von Late Of The Pier sorgte er für Furore, und auch seine Kollaboration mit Connan Mockasin als Soft Hair erreichte schnell Kultstatus. Doch der Waliser Eastgate ist eben auch ein Tüftler, der sich wochen- und monatelang verkriechen kann, um an den Details zu schrauben. Und so bastelte er ein halbes Jahr an "Gene", einer Drum Machine, die sich laut Eigenaussage Eastgates viel weniger an konform gegebene Rhythmen hält, viel beweglicher in der Ausgestaltung der Percussion ist. Und da LA Priests neues Album eben davon unheimlich profitiert, nannte Eastgate Platte Nummer zwei gleich nach seinem kleinen, technischen Wunderwerk.

Da groovt es auch gleich smooth in "Beginning", Eastgate positioniert sich gesanglich als etwas nüchterner Prince, und das melodische Setting gemahnt an zurückgelehnte Talking Heads. Was dabei sofort gefangen nimmt, ist diese freigeistige Lockerheit. Unangestrengt, beweglich in den Gliedern, aber trotz rhythmischer Ungezwungenheit mit klarer Richtung, so präsentiert sich "Gene" auf den ersten Metern. Fast schon orientalisch schlenkert dann der Melodienverlauf von "Rubber sky", das weiche Gitarrenspiel macht einem urigen Funk-Beat mit satter Bassbegleitung Platz, und man ist erneut erstaunt, mit welch sachtem Druck Eastgate seinen Songs ganz ungezwungen zu neuen Richtungen verhilft. Sexy und mit melodischer Hartnäckigkeit kommt hingegen "What moves" um die Ecke, und trotz weicher Ausgestaltung herrscht hier eine Bedrängnis, die sich in einer enervierend wiederholten Hook äußert: "What moves / When you act the way you are?"

Dass bei einer vordergründigen Leichtigkeit auch absolut zwingende, eingängige Melodiepassagen auftauchen, macht "Gene" im weiteren Verlauf unheimlich lohnend. Da folgen mit "Open my eyes" und "Sudden thing" zwei unwahrscheinliche Art-Pop-Balladen, die trotz artifiziellem Charakter nachdrücklich anrühren, da sie einiges der melodischen Klarheit eines Achtziger-Jahre-Schmachtfetzens in sich tragen. Aber diese wird eben durch eine spannende Rhythmik und ebensolche Sounds umrahmt. Die zweite Albumhälfte entfernt sich dann jedoch etwas vom eingängigen Song-Format mit Strophe und Refrain, wuselt noch etwas freier und ungebundener.

Die kräftigen Drums von "Monochrome" sind ein einsames Kunstwerk für sich, knarzende Synthie-Figuren unterhöhlen dieses dunkle Stück zusätzlich, und man merkt, dass Eastgate hier mehr das Spiel und das Experiment im Blick hatte. Das ulkige Falsett von "What do you see" ist merklich stolz darauf, die klangliche Vorlage eines entspannten Reggaes bizarr zu kontrastieren, "Black smoke" hingegen fährt zu allerlei tiefenentspanntem Pluckern windschiefe und ausgeleierte Klänge auf. Es scheint fast so, als gäbe Eastgate sich hier freien Assoziationen hin, auch der schräg aufgehängte Abschluss-Jam "Ain't no love affair" lässt sich durch allerelei Unkonkretes an fremde Küsten schwemmen. Doch in Kombination mit der lockeren Fokussiertheit inklusive einiger unangestrengter Hits auf der ersten Albumhälfte entsteht eine beeindruckend lässig rausgehauene Werkschau, die mindestens einmal aufzeigt, was so alles in Eastgates kleiner Maschine steckt. Die daraus resultierenden Songs sind dabei eine wunderbare Mischung aus Freigeist und zwingender Melodik.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • What moves
  • Open my eyes
  • Sudden thing
  • Ain't no love affair

Tracklist

  1. Beginning
  2. Rubber sky
  3. What moves
  4. Peace Lily
  5. Open my eyes
  6. Sudden thing
  7. Monochrome
  8. What do you see
  9. Kissing of the weeds
  10. Black smoke
  11. Ain't no love affair

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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Armin

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2020-05-27 19:51:14 Uhr - Newsbeitrag
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