Tim Burgess - I love the new sky

Tim Burgess- I love the new sky

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 22.05.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Peace, love & Röstkaffee

Zeiten ändern sich. Das weiß auch Tim Burgess. Als Sänger von The Charlatans trug er diesem Umstand in den Titeln der letzten beiden Alben "Modern nature" und "Different days" Rechnung, wiewohl diese merklichen Qualitätsschwankungen unterlagen. Und auch für die Corona-Isolation hat der Mann mit dem vielleicht kriminellsten Pilzkopf des Brit-Pop da mal was vorbereitet: "Tim's Twitter listening party", bei der sich Fans allabendlich ähnlich wie im Plattentests.de-Forum gemeinsam ein Album anhören und via Kurznachrichtendienst kommentieren – kuratiert vom jeweiligen Künstler höchstselbst. Wenn man nur will, ist eben immer was zu tun – zumal Burgess wegen des ausgefallenen Festival-Sommers nicht mit dem Stand seiner fairen Kaffeerösterei Tim Peaks unterwegs sein kann. Aber so ein richtiges Gemeinschaftserlebnis kann nun mal nichts ersetzen.

Auf seinem vierten Soloalbum geht es hingegen umso personalintensiver zu: The-Charlatans-Gitarrist Mark Collins ist genauso mit von der Partie wie Peter Broderick an der Geige oder Produzent und Julian-Cope-Kumpel Thighpaulsandra. In dessen südwalisischem Rockfield Studio, wo rund 25 Jahre zuvor "Tellin' stories" Gestalt annahm, stand offenbar sogar ein Klavier herum – kein unwesentliches Instrument auf "I love the new sky", einer Platte, auf der grundsätzlich alles passieren kann. Listige popkulturelle Verweise, luftige psychedelische Orchestrierung, Northern-Soul-geschwängerte Indie-Grooves im ungefähren Sinne der Hauptband – und eingedenk von Burgess' Haartracht fehlt auch die "Sgt. Pepper's lonely hearts club band"-Schlagseite nicht. Sie wissen schon: "A splendid time is guaranteed for all" und solche Sachen. Größtenteils trifft das hier zu.

Hörbar Spaß in den Backen hat auch Burgess' sechsjähriger Sohnemann, der im Piano-Rumpler "Comme d'habitude" fröhlich dazwischenkreischt, während Mama und Lebensgefährtin Nik Colk Void von Factory Floor ein paar modulare Synthie-Sprotzer dalässt. Diese sind auf "I love the new sky" jedoch in der Unterzahl – und wären im launig Sixties-rockenden Auftakt "Empathy for the devil" oder bei den ebenso spitz wie geschwind arrangierten Streichern des gediegenen Pop-Dramas "Lucky creatures" auch denkbar fehl am Platze. Im lockeren Groover "Sweetheart mercury" macht sich das dezente Fiepen zum imaginären "Coffee & TV"-Schlürfen mit Blur ohnehin viel besser, und stromert Burgess samt mehrstimmiger Begleitung wie ein croonender Lebemann durch "The mall", ist das vielleicht nicht übermäßig aufregend, aber dafür äußerst elegant.

Man muss sich den zum Release von "I love the new sky" gerade noch 52-Jährigen als glücklichen Menschen vorstellen, der in "Sweet old sorry me" oder "The Warhol me" gelassen auf seine drogenvernebelte Vergangenheit schaut – auch wenn letzteres Stück zusehends in einer wirren Coda versinkt. Deutlich mehr Klasse hat es, wenn "Only took a year" scheinbar ahnungslos fragt "What's your favourite Cure LP? / I like 'Pornography' / But it could be any one of three" und einen verspielten Keyboard-Shuffle mit der womöglich depressivsten Platte der Rockgeschichte versöhnt. Noch versöhnlicher: Zum hymnischen Gitarrenpop-Finale "Laurie" fasst sich das versammelte Personal bei den Händen und beschließt dieses aufgeräumte Album mit einem Hohelied der Hippie-Seligkeit. Darauf ein faires Gesöff – den Mehrweg-Becher aber bitte selbst mitbringen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Empathy for the devil
  • Only took a year
  • Laurie

Tracklist

  1. Empathy for the devil
  2. Sweetheart mercury
  3. Comme d'habitude
  4. Sweet old sorry me
  5. The Warhol me
  6. Lucky creatures
  7. The mall
  8. Timothy
  9. Only took a year
  10. I got this
  11. Undertow
  12. Laurie

Gesamtspielzeit: 53:04 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22945

Registriert seit 07.06.2013

2020-05-28 11:23:14 Uhr
Dafür hier nochmal beide Videos:



Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18639

Registriert seit 08.01.2012

2020-05-27 19:50:04 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Kalle

Postings: 90

Registriert seit 12.07.2019

2020-02-14 09:12:57 Uhr
Da hat wohl jemand das falsche Video verlinkt🤔

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18639

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-12 20:14:39 Uhr - Newsbeitrag
TIM BURGESS

Tim Burgess, bekannt als Sänger von Manchesters Indie-Veteranen The Charlatans, kündigt seine musikalische Rückkehr mit dem Album “I Love The New Sky” für den 22.05. über Bella Union an.

Anders als auf seines bisherigen Alben verfasste Burgess alle Songs selbst. Tim beschreibt die Arbeiten an den vorherigen Alben wie folgt: „In the past, I’ve written collaboratively. (2012’s) ‘Oh No I Love You’ was written with Lambchop’s Kurt Wagner in Nashville, and then ‘Same Language, Different Worlds’ was a collaboration with Peter Gordon who had worked extensively with Arthur Russell.”



Als ersten Song des neuen Album präsentiert er den Albumopener “Empathy For The Devil”, eine lebendige Rockabilly Hymne, die von Burgess als „a mood-changer, influenced by 10cc” beschrieben wird. Die eingängigen Gitarrenriffs, die mit Leichtigkeit gespielt sind, stammen vom The Charlatans-Gitarristen Mark Collins. Das Musikvideo zu “Empathy For The Devil” erzählt das Leben vom Teufel, der von den Menschen schikaniert wird.

Die ersten Aufnahmen von “I Love The New Sky” wurden im Eve Studio in Stockport von dem langjährigen Toningenieur der Charlatans aufgenommen. Besonders der Ort Rockfield spielt eine wichtige Rolle während der Produktion des Albums, wie Burgess erklärt: “I hadn’t been there since we recorded ‘Tellin’ Stories.It was a matter of ending this long period of not going there, because after Rob died we couldn’t face it again. So nearly 25 years later, we returned and the positive feelings came back. Mark Collins [Charlatans guitarist] came down to play on ‘Empathy For The Devil’ and ‘Sweetheart Mercury’, and he actually had the same room as he had in 1996. It was like no time had passed at all.”

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