Sorcerer - Lamenting of the innocent

Sorcerer- Lamenting of the innocent

Metal Blade / Sony
VÖ: 29.05.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Langsam, aber sicher

Was lange währt, wird endlich gut. Und bevor die Leserinnen und Leser (sowie die geschätzten Kollegen der Schlussredaktion) ob des Einstiegs-Satzes aus den tiefsten Floskel-Katakomben nach ihren Herztropfen suchen müssen: Bei Sorcerer stimmt das. Denn die Anfänge der Epic-Doom-Band aus Schweden gehen bis in das Jahr 1988 zurück, doch als Bassist Johnny Hagel nach zwei Demos die Band in Richtung Tiamat verließ, war vorerst Schluss. Genauer gesagt bis 2010, als die Organisatoren des Würzburger "Hammer of doom"-Festivals, ohnehin bekannt für überaus fundierte Underground-Kenntnisse, die Skandinavier für eine Reunion zusammentrommelten. Der Rest, auch das weiß das Gemeinplätze-Archiv, ist Geschichte, und nach dem 2015er-Debüt – erschienen schlappe 27 Jahre nach der Gründung der ersten Band-Inkarnation – und vor allem dem überragenden Nachfolger "The crowning of the fire king" aus dem Jahr 2017 gelten Sorcerer plötzlich als die legitimen Erben von Candlemass und Solitude Aeturnus.

Es dauert inklusive dem Intro "Persecution" etwa eineinhalb Minuten, dann ist klar, dass Sorcerer mit "Lamenting of the innocent" diesen Ruf nicht nur halten, sondern ausbauen wollen. Schon der Opener "The hammer of witches" überzeugt mit tollen, für die Verhältnisse der Band fast schon rasanten Riffs und einem großartigen Refrain, der sofort mitreißt. Doch was dann mit dem Titeltrack folgt, ist eine Doom-Hymne, wie sie auch die ganz großen Vertreter des Genres nur dann schreiben können, wenn wirklich alles zusammenpasst. Wer in den ersten Minuten dieses unfassbaren Epos keine fingerdicke Gänsehaut bekommt, wer bei diesem Monument von Refrain nicht andächtig auf die Knie sinkt, der hat Doom Metal nie geliebt. Oder so ähnlich. 8:48 Minuten pure Epik jedenfalls, die sich auf Dauer in den Kanon dieser Stilrichtung einbrennen werden.

Alles andere als eine kurze Pause wäre jetzt den folgenden Songs gegenüber unfair. Also bitte kurz durchschnaufen.

Weiter im Text. Denn faszinierenderweise beschränken sich Sorcerer nicht nur darauf, Songs für die Ewigkeit auf die Festplatte zu stanzen, sondern betten diese auch in einen Gesamtkontext ein. Hexenverfolgung und Inquisition bilden den roten Faden um die Stücke, die dadurch in sich geschlossen bleiben dürfen, nicht als Mittel zum Zweck für die große ganze Geschichte dienen müssen. Genau deshalb darf "Where spirits die" ebendiese tief melancholische Stimmung verbreiten, aus der das folgende "Deliverance" den Weg weist – im Übrigen unterstützt durch den Candlemass-Frontmann Johan Langquist. So viel zum Thema Konkurrenzdenken in der Szene.

Was auch völlig unangebracht wäre, denn eine etwaige Konkurrenz hätte dieser Wucht, dieser sprühenden Kreativität nicht allzu viel entgegenzusetzen, auch wenn "Age of the damned" vielleicht ein kleines bisschen zu konventionell ist. Denn zum Ende warten mit dem höchst variablen "Condemned" und vor allem dem bravourösen Schlussakt "Path to perdition" zwei Songs, die für sich genommen schon ihresgleichen suchen, im Albumkontext aber noch dazu die Spannung bis zum letzten Riff auf Höchstniveau halten. Und das ist auch das einzige Attribut, das "Lamenting of the innocent" ansatzweise gerecht wird. Man könnte sich jetzt darauf zurückziehen, dass im Doom Metal, vor allem im mit kräftigen klassischen Metal-Anleihen versehenen Epic Doom, eigentlich alles erzählt sein könnte. Denn natürlich thronen über allem die Urväter Black Sabbath. Doch Sorcerer gelingt es nicht nur, sich vor diesen Legenden tief und würdevoll zu verneigen. Sie übertreffen nicht nur sich selbst, sondern heben mit dieser Platte das momentan boomende Genre auf ein neues Niveau. Was für ein beeindruckendes Album.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Lamenting of the innocent
  • Deliverance
  • Condemned
  • Path to perdition

Tracklist

  1. Persecution (Intro)
  2. The hammer of witches
  3. Lamenting of the innocent
  4. Institoris
  5. Where spirits die
  6. Deliverance
  7. Age of the damned
  8. Condemned
  9. Dance with the devil
  10. Path to perdition

Gesamtspielzeit: 63:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Schwarznick

Postings: 729

Registriert seit 08.07.2016

2020-06-09 07:49:11 Uhr
dann du kaufen
;)

Analog Kid

Postings: 1425

Registriert seit 27.06.2013

2020-06-08 18:04:49 Uhr
Will haben

Schwarznick

Postings: 729

Registriert seit 08.07.2016

2020-06-08 17:34:07 Uhr
Lamenting of the innocent
Deliverance
Age of the damned
Condemned

Was für erhabene Stücke. Wahnsinn

Schwarznick

Postings: 729

Registriert seit 08.07.2016

2020-06-06 22:40:32 Uhr
das wird ein klassiker werden.
meddl!

Marküs

Postings: 650

Registriert seit 08.02.2018

2020-05-31 11:51:06 Uhr
Ja nur leider wurde der physische Release irgendwie um eine Woche verschoben
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