The Soft Pink Truth - Shall we go on sinning so that grace may increase

The Soft Pink Truth- Shall we go on sinning so that grace may increase

Thrill Jockey / Indigo
VÖ: 01.05.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wut im Hauch

Wut als Ausgangspunkt für Musik ist im Moment schwer angesagt. Die Trump-Election, ein auf der Welt rapide um sich greifender Faschismus, der Klima-Notstand in jeder Kleinstadt. Da ballen sich die künstlerischen Fäuste mit Ansage. Drew Daniel, eine Hälfte des Weirdo-Electronic-Duos Matmos, steht also nicht alleine da mit seinem Ärger. Der Unterschied liegt aber im Resultat. Daniel wollte keine "Angry-white-man-music" machen. Er suchte etwas, das die Seele heilt, auf konstruktive Weise ein mentales Ruhekissen anbietet. Und wenn sein Projekt The Soft Pink Truth bisher eher verstörend mit ganzen Wagenladungen von Distortion ankam, kehrt jetzt Ruhe ein, sein neuestes Werk "Shall we go on sinning so that grace may increase" ist eine Meditation aus Deep House, Mnimimal und Ambient, weich gebetteter Stream of consciousness.

Was Daniel weiterhin wichtig war, ist eine möglichst große kollaborative Komponente. Gast-Vocals von Angel Deradoorian, Colin Self und Jana Hunter von Lower Dens setzen mal glasklare, mal reizvoll verfremdete Akzente. An der Percussion darf Sarah Hennies für Vielfalt und Vielschichtigkeit sorgen und das Saxophon von Horse Lords Andrew Bernstein sorgt an mancher Stelle für warme Reibung. Mit all diesen Mitstreitern entstanden idyllische Kompositionen, die sich eher in weich abgefederten Traum-Sphären aufhalten. Es fließt und tröpfelt so wohlgeformt dahin, das eröffnende "Shall" ist zum Beispiel nur ein verspielter Spaziergang der Stimmenerforschung.

Bescheiden bleibt meist diese Musik, der Deep-House von "We" entfaltet ein Understatement an Eleganz, die gedämpften Beats klopfen nur sachte an, während Stimm-Samples und Synthie-Spuren für blasse Farbgebung sorgen. Dieses ganze Säuseln und sanfte Sehnen funktioniert dann tatsächlich wunderbar als Seelen-Heiler, genüsslich werden die Glieder gereckt, die Konzentrationsfähigkeit in süßen Schlaf versetzt. Ein absolutes Highlight dabei ist "Sinning", welches etwas dichter getaktet daher kommt. Hier findet man eine Fülle von Klangerzeugern in freundschaftlichem Dialog. Ein wenig drängender geht der Song voran, es rappelt und raschelt an allen Ecken und auch die Percussion agiert fokussierter. Doch entsteht dabei nicht das Gefühl von Aggression, schon gar nicht von Attacke, sondern von einem vielgliedrigen Fest der Lebensfreude.

In der zweiten Albumhälfte nimmt dann das Klavier eine entscheidende Rolle ein, ist Stimmungs-Artikulator und Melodie-Träger. Dabei sprudelt es mitunter in selbstvergessener Vitalität, oder gefällt sich in zufriedener Trägheit, wie in "That". Immer jedoch ist auch dieses Instrument einladend und verleitet den Hörer zum ultimativen Loslassen. Der verzweifelten Welt-Situation Liebe und Vertrauen entgegenhalten, konsequent auf das Sanfte hinarbeiten, dies gelingt Drew Daniel wunderbar, ohne dass es zur selbstgefälligen Pose verkommt. Dieser Positivismus ist nämlich äußerst konstruktiv.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • We
  • Sinning
  • That

Tracklist

  1. Shall
  2. We
  3. Go
  4. On
  5. Sinning
  6. So
  7. That
  8. Grace
  9. May increase

Gesamtspielzeit: 43:31 min.

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Armin

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2020-05-20 22:31:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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