Oakhands - The shadow of your guard receding

Oakhands- The shadow of your guard receding

This Charming Man / Cargo
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tod oder Freiheit

Rockmusik galt einst als rebellisch, unbequem, fast schon revolutionär. Dass mit dem Erwachsenwerden der jungen Menschen im Sturm und Drang irgendwann auch die jeweilige Musik zu einer glatten und angepassten Karikatur ihrer selbst verkommt, liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache. Glücklicherweise ist in den zahlreichen Subgenres der Gitarrenmusik eine gewisse Dringlichkeit dennoch erhalten geblieben, die gerade durch die fehlenden wirtschaftlichen Mittel und die damit verbundene kantige Produktion herausgestellt wird. So klingt "The shadow of your guard receding" so wunderbar roh und unangepasst, wie man es von einer schrammeligen Emo-Band aus München erwartet. In der künstlerischen Attitüde und dem Gesang erinnert das alles ganz klar an die anderen Lokalmatadoren Blackout Problems, der musikalische Output des Zweitwerks schielt aber eindeutig auf Post-Hardcore-Größen à la Touché Amoré oder La Dispute.

"A reverie, 1980" startet das Album mit wuchtiger Kälte und einer mitreißenden Performance des Quintetts, das Ecken und Kanten ungeniert zur Schau stellt und aufgrund dieser Authentizität und einem gelungenen Mix aus 2000er-Pop-Punk und modernem Post-Hardcore gleich klarmacht, dass neben Stuttgart nun auch München als neues Zentrum für alternative Musik gelten sollte. "Several; (others may thrive)" führt nicht nur die an Bon Iver erinnernden verkopften Songtitel weiter, sondern auch die wunderbar dicht komponierten Emo-Ausbrüche, die in all ihren zornig herausgeschrienen Sebstzweifeln keinen Platz zum Durchatmen lassen, nur zum Resignieren: "I will never be good enough for me."

Single-Note-Läufe in "La jetée" erinnern an American Football, die strahlende Melancholie der Rhythmusgruppe an Pianos Become The Teeth oder Movements. Dass "The shadow of your guard receding" trotz seines produktionstechnischen Understaments von so fortgeschrittenem Songwriting geprägt ist wie nur wenige Alben dieser technischen Qualität, mag daran liegen, dass Oakhands bereits seit fünf Jahren gemeinsam Musik machen. Zeit genug, ihre Sturm-und-Drang-Interpretation von Indie mit an die romantische Lyrik erinnernden Texten zu perfektionieren.

Das fiebrige "Samsa" mag mit seinem fiebrig-minimalistischen Beat, den schrulligen Rhythmuswechseln und dem unorganischen Synthesizer nicht zur Sternstunde des Albums gehören, zeigt aber die große Bandbreite der Münchner innerhalb des Post-Hardcore-Outfits, das sie kompromisslos durch ihr ganzes Album ziehen. "Twenty-two" dagegen beweist mit fünfeinhalb Minuten niederschmetternden Emo-Instrumentals die Größe dieser Band. Oakhands' nächstes Album wird vielleicht besser produziert sein, hoffentlich verlieren sie damit aber nicht ihre Besonderheit.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • A reverie, 1890
  • Several; (others may thrive)
  • La jetée
  • Twenty-two

Tracklist

  1. A reverie, 1890
  2. Several; (others may thrive)
  3. Rejoice! Rejoice!
  4. La jetée
  5. Twenty-two
  6. Samsa
  7. тоска
  8. P A L M I N G
  9. The parnassus
  10. 漏れ日
  11. There will come soft rains

Gesamtspielzeit: 41:27 min.

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Armin

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2020-05-13 20:39:50 Uhr - Newsbeitrag
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