Mogwai - ZeroZeroZero: A Mogwai soundtrack

Mogwai- ZeroZeroZero: A Mogwai soundtrack

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.05.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hinter der nächsten Serpentine

Die wundervoll bergige Landschaft Kalabriens und ein dunkler, abgeschotteter Bunker inmitten darin. Ein luxuriöses, geschmackvoll ausgeleuchtetes Restaurant, das unvermittelt zum Schauplatz einer blutigen Konfrontation wird. Und überall Menschen, die ihren Egoismus und ihre Skrupellosigkeit hinter einer glatten Oberfläche mehr oder weniger gut verstecken. Die italienische Crime-Serie "ZeroZeroZero" verfolgt den Weg einer großen Ladung Kokain von Mexiko zu einem Mafia-Boss in Italien und taucht tief ein in die Geschichten des Bestellers, des Versenders und des transportierenden Familien-Logikstikunternehmens aus New Orleans. Und so wie hinter jeder geschwungenen Serpetine ein grausiger Tod lauern kann, gibt sich auch die zugehörige Musik entsprechend wandelbar. Der stammt von Mogwai und die Schotten haben dafür ihre bisher beste Soundtrack-Arbeit abgeliefert.

Wie die Untermalung zu einem spannungsgeladenen Standoff schleicht sich das Main Theme "Visit me" los, um in einem Sumpf aus Verzerrung zu versinken. Es setzt die Tonalität für die Mehrheit der stolzen 21 Stücke: elektronisch geprägt, meist in düsteren Farben gehalten und rein instrumental. Besonders am Anfang des Albums finden sich ein paar beängstigende schwarze Löcher. Dabei spielt die Serie eigentlich recht häufig im Tageslicht, auch wenn Momente der erzählerischen Leichtigkeit selten sind. Doch Mogwais Musik beißt die Zähne unbeirrt fest aufeinander, peitscht in "I'm not going when I don't get back" die Wellen auf oder tauscht in "Lesser Glasgow" ein Zischen durch Grollen aus. Das faszinierende "Frog marching" lässt tatsächlich so etwas wie ein Quaken durch die Stereo-Kanäle pingen, man möchte diesen Viechern allerdings nicht nachts begegnen.

Es gibt jedoch auch hellere Momente. Zwischendurch verarbeitet "El Dante" ein 8-Bit-Klingeln über harmonischen Synths und wirkt beinahe malerisch, auch "Fears of metal" scheint wie ein Sonnenstrahl nach zappendusterer Nacht. Das kurze "Space annual" erinnert derweil an die Klavierfiguren der "Ghosts"-Alben von Nine Inch Nails. Gegen Ende lassen die Stücke die Zügel generell etwas lockerer – zumindest bis zur aggressiv bimmelnden Verabschiedung "The wife was touched". "The winter's not forever" oder "Witches of alignment" setzen dazu sogar die sonst nur in die Nebenrolle gedrängte Gitarre ein, besonders ersteres Stück zaubert damit eine wundervolle Akustik hervor, wie man sie von Mogwai herzergreifenderen Kompositionen gewohnt ist. Doch ob organisch oder elektronisch, "ZeroZeroZero: A Mogwai soundtrack" ist vor allem ein beeindruckendes Ganzes.

Dazu ist es noch großzügig. Nicht nur, dass so viele neue Tracks abgefallen sind – ältere Mogwai-Songs wie "Moses? I amn't" oder "Sine wave" werden übrigens zwar in der Serie verwendet, bleiben hier aber außen vor –, auch zeigt die Band sich sozial bewusst. Aufgrund der Corona-Epidemie und der damit verbundenen Isolation haben sie das Album als Pay-what-you-want-Download auf ihre Bandcamp-Seite gestellt. Die Hälfte der Erlöse der ersten Veröffentlichungswoche gehen dabei an Hilfsorganisationen im Bereich Gesundheit und Musik. Da "ZeroZeroZero: A Mogwai soundtrack" mehr als nur ein paar Taler wert ist, können wir uns diesem Aufruf bedenkenlos anschließen. Man wird belohnt mit einer unglaublich stimmigen Reise in dunkle Abgründe, die eine visuelle Grundlage gar nicht braucht, um sich standesgemäß zu entfalten.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Visit me
  • Invisible frequencies
  • Frog marching
  • El Dante
  • The winter's not forever

Tracklist

  1. Visit me
  2. I'm not going when I don't get back
  3. Telt
  4. Chicken guns
  5. Nose pints
  6. Fears of metal
  7. Space annual
  8. Invisible frequencies
  9. Moon in reverse
  10. Don't make me go out on my own
  11. Lesser Glasgow
  12. Frog marching
  13. El Dante
  14. Major treat
  15. Rivers wanted
  16. Summon the sacred beast
  17. Modern trolls
  18. The winter's not forever
  19. He loved trees
  20. Witches of alignment
  21. The wife was touched

Gesamtspielzeit: 68:53 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

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Registriert seit 07.06.2013

2020-05-11 16:07:33 Uhr
Jetzt auch bei Spotify.

velvet cacoon

Postings: 189

Registriert seit 31.08.2019

2020-05-10 15:21:46 Uhr
die 8/10 ist berechtigt!

tjsifi

Postings: 449

Registriert seit 22.09.2015

2020-05-07 13:33:02 Uhr
Muss ich unbedingt mal reinhören bzw. die Serie anschauen.
Die Buchvorlage von Roberto Saviano ist sensationell gut aber auch schockierend und abstossend.

Given To The Rising

Postings: 7111

Registriert seit 27.09.2019

2020-05-07 13:20:15 Uhr
Nee, wirklich nicht. Was man kritisieren kann, ist dass die Songs anders als bei den letzten Soundtracks nicht aus einem Guss sind, sondern eher lose zusammengefügte sehr gute Einzeltracks.

sizeofanocean

Postings: 229

Registriert seit 27.01.2020

2020-05-07 13:11:40 Uhr
hm, wenn man mal ehrlich ist, ist der Soundtrack mit Sicherheit nicht besser als die letzten regulären Alben - zu 70 % sprechen wir hier ja von reinen Ambient-Sounds, die als Teil der Serie natürlich eine tolle Wirkung entfaltet haben, für sich genommen aber verzichtbar sind.
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