Moby - All visible objects

Moby- All visible objects

Embassy Of Music / Little Idiot / Tonpool
VÖ: 15.05.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rama bei die Fische

Moby ist einer der unwahrscheinlichsten Weltstars der letzten 20 Jahre. Ein Allerweltstyp, glatzköpfig, meist mit Brille unterwegs. Man munkelt, dass zwischen ihn und Beyoncé eine Galaxie passt. Sein Trademark-Sound des großen Durchbruchs war unverkennbar: Samples eher obskurer Songs früherer Tage trafen auf Synthesizer-Gedöns. Ja, das muss man so ausdrücken. "Play" und "18", die beiden erfolgreichsten Alben des New Yorkers, waren randvoll mit großartigen Hooks, aber klangen schon damals ziemlich dürftig. Der Kniff dabei ist, dass Moby das wahrscheinlich genau so wollte. Und ein "Why does my heart feel so bad?" funktioniert auch deshalb so hervorragend, weil es scheppert und knarzt. Das eigentlich Besondere an Moby war jedoch seine Vielseitigkeit. Bluesgetränkte Melancholie existierte neben fiesem Techno und nachdenklichen Akustiknummern. Und alle hörten zu.

Irgendwann, sagen wir spätestens nach "Hotel", flaute das Interesse an dem vegan lebenden Frickler ab. Und Moby machte es sich fortan in seiner Nische bequem. Hier und da ein Album, zwar mit teils neuen, aber selten zwingenden Ideen. Besonders die zurückliegende Dekade war nicht gnädig zu ihm. Naheliegend also, dass der Amerikaner auf seinem neuen Werk "All visible objects" versucht, an die Zeit seiner größten Erfolge anzuknüpfen. Ein Versuch, der zum Scheitern verdammt ist. Moby war und ist jemand, der seine politische Weltanschauung vor sich herträgt. Kein Wunder also, dass er damit auch auf seinem neuen Album nicht hinter dem Berg hält. Die Vorabsingle "Power is taken" geht diesbezüglich in die Vollen. Pathetisch, ja fast belehrend kommt das daher. Dass die Musik wie ein Amalgam aus Faithless und "Future trance 11" klingt, hilft nicht. Viel schlimmer wiegt jedoch das Gefühl, jemandem beim Salbadern zuzuhören, der kein Problem damit hatte, ganze Alben für Werbezwecke zu lizensieren. Achtung, Buzzword: Das Narrativ hängt schief.

Ähnlich schauderhaft ist "Refuge", dessen beharrliches Kreisen um ein Sprachsample schon nach drei Minuten merklich auf den Zeiger geht. Schlimmer nur, dass der Track fast sechs Minuten dauert. Moby ficht das alles nicht an. Er trägt auf. Dick. Dass er noch immer ein Händchen für schöne Melodien besitzt, zeigt hingegen "Too much change", in welchem sich eine in Moll getünchte Ballade mit luftigem House abwechselt. Seicht vielleicht, aber alles andere als schlecht gemacht. Auch "Forever" hat durchaus das Zeug dazu, so manchen Sommerabend am Strand zu beschallen. Das große Problem wird aber auch hier offenbar: Moby hängt soundtechnisch in der Vergangenheit fest. In "Morningside" und "My only love" fährt er folgerichtig eine ganze Batterie aus Streichern auf, damit auch der Letzte merkt, wie viel Gefühl in der Musik steckt. Denn keiner hört ihm zu.

Aber manchmal, da geschehen Zeichen und Wunder. Schon immer gab es sie auf seinen Alben, diese an Brian Eno erinnernden Verschnaufpausen. Was damals "Guitar, flute & string" hieß, trägt nun den Namen "Separation". Ein Track zum Dahinschmelzen ist das. Man möchte Moby packen, schütteln und ihn anschreien, dass er sich doch endlich mal auf eine Sache konzentrieren möge. Dass er endlich diesen gruseligen Ibizastampfern den Rücken kehre. Aber Moby hört nicht zu. Er produziert lieber heillos überfrachtetes Gewummer wie "Tecie" oder gleich Musik gewordene Einschlafhilfen wie "One last time". Das müsste nicht sein, und wahrscheinlich weiß er das auch. Jemand, der so großartige Songs wie "All visible objects" schreiben kann, sollte eigentlich andernorts merken, dass er sich völlig verrannt hat. Aber Moby hört nicht zu.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Forever
  • Separation
  • All visible objects

Tracklist

  1. Morningside
  2. My only love
  3. Refuge
  4. One last time
  5. Power is taken
  6. Rise up in love
  7. Forever
  8. Too much change
  9. Separation
  10. Tecie
  11. All visible objects

Gesamtspielzeit: 72:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

musie

Postings: 2877

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-15 22:28:40 Uhr
und komischerweise sehr einzigartig. so klingt sonst niemand.

musie

Postings: 2877

Registriert seit 14.06.2013

2020-05-15 22:26:39 Uhr
oh! hier sind aber schon wieder vier fünf perlen mit dabei.. My only love, Too much change, all visible objects und auch ein paar weitere halten das gut zusammen. eine positive Überraschung

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18352

Registriert seit 08.01.2012

2020-05-06 21:10:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1975

Registriert seit 12.12.2013

2020-05-02 18:28:18 Uhr
"Power is taken" ist schlimm.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18352

Registriert seit 08.01.2012

2020-05-01 18:35:28 Uhr - Newsbeitrag
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