Jason Isbell And The 400 Unit - Reunions

Jason Isbell And The 400 Unit- Reunions

Southeastern / Thirty Tigers / Membran
VÖ: 15.05.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

After the gold rush

Was kommt nach dem großen Wurf? Diese Frage musste sich Jason Isbell stellen, schließlich hat er mit The 400 Unit ein genreprägendes Meisterwerk namens "The Nashville sound" erschaffen. Alles, was man an Americana lieben kann, wurde da in Perfektion geboten, plus einer Vielzahl an emotionalen Momenten, die dem Hörer das Herz sprengen wollten. Immer berührte das Songwriting Isbells unumwunden und hat leichtes Spiel, jeden zu überwältigen, der sich diesen Songs näherte. Aber was nun? Noch einmal das große Ding ansteuern, noch mal eine Handvoll Übersongs auf die Hörer loslassen? Geht das überhaupt, verhebt man sich damit nicht fast mit Sicherheit? Das Problem war Isbell bewusst: "Erfolg ist ein sehr schönes Problem, aber ich frage mich, wie ich es durchstehen kann und nicht das verliere, was mich überhaupt erst gut gemacht hat." Die Lösung des Nachfolgealbums "Reunions" scheint in der Bescheidenheit zu liegen. Denn Isbell hat spürbar einen Gang zurückgeschaltet, anstatt die ganz großen Jackpot-Momente in einer Revue vorbeimarschieren zu lassen, erfreut sich die Platte an eher gediegenen Songs, die ihre Schönheit nicht laut herausschreien, sondern die Hörerschaft nach und nach mit eher kleinen Gesten bezaubern.

So steuert das eröffnende "What've I done to help" nicht auf irgendwelche klar umrissene Höhepunkte zu, sondern gefällt sich darin, über sieben Minuten eine gewisse Spannung locker aufrecht zu erhalten, nur mit dezenten dramaturgischen Spitzen. Doch fast beiläufig vermittelt dieser Song eben wieder Verzweiflung, ein inniges Sehnen und den Wunsch nach Orientierung, all dies jedoch ohne auf eine Brechstange zurückgreifen zu müssen. "Dreamsicle" und "Only children" sind dann folgerichtig sehr klassisch angelegte Folk-Songs, die mild dahin gleiten, Freude an einer unaufgeregten Instrumentierung haben und vor allem dadurch bestechen, dass sie ohne großes Furor nach einigen Hördurchgängen sich wirklich wunderbar anschmiegen. Auch der lässig abgehangene Rock von "Overseas" drängt sich nicht auf, die Lead-Gitarre jault zwischen Genuss und Verzweiflung und jenes "My love won't change a thing" ist eben nicht eine melodramatische Übergeste, sondern eine kraftvoll und konsequent vorgetragene Zuspitzung der Strophe.

Wenn es mal ins Hymnische geht, dann auch mit einer sorgsam abgestimmten Subtilität. "Running with our eyes closed" bettet sein melodisches Sehnen in ein ruhiges, fast schon sprödes Setting ein und auch das grandiose "Be afraid" reizt das Drängende, die Emphase nicht bis zum letzten Tropfen aus. "Reunions" ist angenehm zurückhaltend, auch in den stürmischeren Momenten gesetzt. Dass mit "Letting you go" zum Abschluss ein traditionsbewusster Country-Schunkler den Kehraus macht, ist konsequent und emotional ein runder Abschluss. Und dadurch, dass Isbell es schafft, mit leichtem kompositorischen Zugriff erneut berührende Wundermomente wie das betrübte "St. Peter's autograph" zu erzeugen, vermisst man auch nicht die Übersongs des Vorgängeralbums. Bescheidenheit steht Isbell und The 400 Unit nämlich ebenfalls richtig gut.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • What've I done to help
  • Overseas
  • Be afraid
  • St. Peter's autograph

Tracklist

  1. What've I done to help
  2. Dreamsicle
  3. Only children
  4. Overseas
  5. Running with our eyes closed
  6. River
  7. Be afraid
  8. St. Peter's autograph
  9. It gets easier
  10. Letting you go

Gesamtspielzeit: 41:15 min.

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User Beitrag

Wolf

Postings: 29

Registriert seit 04.10.2014

2020-05-18 15:14:54 Uhr
Eigentlich meine Musik der 90iger, aber so wie hier lass ich mir das auch heute noch gerne gefallen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17656

Registriert seit 08.01.2012

2020-05-06 21:09:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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