Arterials - The spaces in between

Arterials- The spaces in between

Gunner / Broken Silence
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zeit zurück

Man konnte es kommen sehen: In Krisenzeiten dringt es noch lauter durch ihre Filterblase hindurch, das dumpfe Geschrei der Klimawandel- und nun auch Pandemie-Leugner, der Greta-Hasser und Diesel-Liebhaber, der angeblich so bürgerlichen Hasserfüllten. Schwafeln vom Niedergang der Demokratie, während sie mit "Merkel-Diktatur!"-Schild auf der Straße stehen (und nicht abgeführt werden), von nicht-existenter Meinungsfreiheit, während sie lautstark herumkrakeelen. Und weil Grenzenschließen und angeblicher Bevölkerungsaustausch gerade nicht so ziehen, werden wir also bald von Bill Gates (höchstpersönlich!) geimpft, ruhiggestellt und – logisch – mit 5G per Handy ferngesteuert. Stop, halt, Schluss, aus. Werte Leser, bitte denken Sie sich ein stärkeres Wort als "grotesk". Oder folgen Sie uns auf eine Zeitreise in seligere Zeiten. In die späten Neunziger, als Fake News keine Rolle spielten, weil SMS tippen nicht so easy war wie der "Teilen"-Button: Arterials sind so frei, uns mitzunehmen.

Die Combo mit dem auf den zweiten Blick leicht blutrünstigen Namen musiziert in Hamburg und scheint nicht nur ein Faible für erdigen Punkrock aus der Spätphase jener Dekade zu haben, Arterials haben auch die guten Songs. Greift diese Kombination, wie fast überall auf "The spaces in between", dann dauert es eben bloß drei Minuten, bis der Opener "Friendship is a four-letter-word" mit Arschtritt, Räucherstimme, feiner Refrainmelodie und gut eingetakteten Ecken und Kanten nicht nur Genre-Freunde um den Finger wickelt.

"Jaded & hated" und der 68-sekündige Hardcore-Punker "Savage season", der Gewalt und toxische Männlichkeit ins Visier nimmt, sind nicht nur stimmlich nah bei Russ Rankin und Good Riddance. Bei den melodischen Momenten dieser treffenden Referenz sollte man auch "Faith in yourself" mit seinem schönen E-Gitarren-Schweif verorten. Arterials schaffen mit ihrer zweiten Platte auch ohne bahnbrechende Neuerungen ein wundersam vertrautes Gefühl: Zeitlos und stilvoll, ähnlich dem Faible der Musiker für geschichtsträchtige Gebäude, scheint der 90s-Punkrock auf "The spaces in between" weder modern noch altbacken, wie der tolle Closer "Greener hills" mit fettem Textmarker unterstreicht.

Und natürlich wäre Punkrock ohne das kritische Aufbegehren zu sozialen und gesellschaftlichen Themen auch irgendwo fad. Da Arterials das nicht sind, kommen "Pump the brakes" und das energisch-hymnische "Storm the fortress" samt geballter Faust und Mittelfinger daher. Offene Münder und ein pochendes Herz hinterlässt der Titelsong, der erst in Höchstgeschwindigkeit auf die Überholspur und dann in ein wunderbares Midtempo-Finale einbiegt. "I hope you'll find your comfort / In the spaces in between" heißt es da, und um die Gedanken eingangs dieses Textes aufzugreifen: Eine sachlich-kritische Analyse, gut argumentierte Kritik, die auf Fakten fußende Gegenrede – all das ist immer wichtig, auch in der Krise. Aber bitte nicht stumpf, sondern mit Hand, Fuß und Hirn. Wie auf diesem Album zum Beispiel.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Friendship is a four letter word
  • Storm the fortress
  • The spaces in between
  • Greener hills

Tracklist

  1. Friendship is a four letter word
  2. Faith in yourself
  3. Savage season
  4. Storm the fortress
  5. Bitter fruit for broken homes
  6. The spaces in between
  7. Jaded & hated
  8. Pump the brakes
  9. Corpse motel
  10. Shades of brown and blue
  11. Break your bones
  12. Greener hills

Gesamtspielzeit: 35:21 min.

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User Beitrag

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 871

Registriert seit 31.10.2013

2020-05-27 18:03:06 Uhr
Gutes Album!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18562

Registriert seit 08.01.2012

2020-05-06 21:09:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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