Princess Thailand - And we shine

Princess Thailand- And we shine

À Tant Rêver du Roi / Luik
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Wo ist jetzt?

Von der Schräglage des modernen Lebens zu berichten, ist kein leichtes Unterfangen. Irgendwie geht es immer weiter, vielleicht auch abwärts. Noch komplizierter wird es, wenn die Berichterstattung via Kunst erfolgt. Was dem einen zu extrem ist, ist dem anderen gerade abseitig genug. Die französische Band Princess Thailand hat sich auf ihrem neuen Album "And we shine" für die Ausfahrt in Richtung Radikalität entschieden. Aus dem verwehten Post-Punk des Debüts ist in der zweiten Iteration ein Tosen geworden. Im Subtext schwirren alle möglichen Einflüsse umher, ob man sie jetzt Noise, Gothic oder Industrial nennt, sei den Schubladenmachern überlassen. Princess Thailand sind "all-in". Was im Angesicht der eingangs erwähnten Schräglage mindestens angebracht erscheint

Der Sound der Band wildert tief in den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts. Monotone Basslinien, verhallte Gitarrenfiguren, ein mächtig stampfendes Schlagzeug. In "Night after day" duellieren sich beispielsweise Feedbackorgien mit einem stoischen Groove, während irgendwo dazwischen melodische Ideen in ihre Einzelteile zerlegt werden. Mächtig, ja unaufhaltsam klingt das. In eine ähnliche Kerbe schlägt "Sonar", dessen Refrain dank raumgreifender Achtelnoten die Sehnsucht nach ewiger Finsternis weckt. Bei aller Sperrigkeit sind die Songs jedoch immer sofort auf einem emotionalen Level greifbar. So packt einen "First time" schon nach wenigen Sekunden am Kragen, während sich "In this room" etwas mehr Zeit lässt, bevor die Gänsehaut kommt. Besonders eindringlich wirken hier die Bläser, welche auch in anderen Songs für Überraschungsmomente sorgen.

Im Auge des Sturms steht allerdings Sängerin Aniela Bastide, deren Singsang von Beginn an fasziniert. Egal, ob sie flüstert, spricht oder schreit. Die großen Melodien vermeidet sie bewusst, an vielen Stellen setzt sie ihre Stimme eher wie ein Instrument ein. Das tut den Songs gut, erst durch das manische Jaulen der Vokalistin wird aus dem wuchtigen "Now / where" das Meisterwerk, das es ist. Ein simpler Rhythmus genügt der Band als Startpunkt, um anschließend sukzessive ein Mahnmal des Krachs zu errichten. Die letzten Minuten sind dann so etwas wie ein Reinigungsritual. Krach ist überhaupt ein wichtiges Stilmittel, besonders erschütternd gerät diesbezüglich "Into her skin". Ganz ohne Schlagzeugbegleitung verlieren sich die Musiker in einer Geräuschorgie, die nur vom Wehklagen Bastides zusammengehalten wird. Anspruchsvoll vielleicht, aber eben auch großartig. Dies könnte die Musik sein, die den Menschen auf dem Weg nach unten begleitet. Selbstvergessen tanzend, mit einem Lächeln auf den Lippen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • In this room
  • Now / where
  • Into her skin

Tracklist

  1. First time
  2. Sonar
  3. In this room
  4. Now / where
  5. We shine
  6. Night after day
  7. Into her skin

Gesamtspielzeit: 31:37 min.

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User Beitrag

Mann 50 Wampe

Postings: 486

Registriert seit 28.08.2019

2020-05-03 15:42:57 Uhr
Gefällt sogar mir

slowmo

Postings: 622

Registriert seit 15.06.2013

2020-05-03 14:59:15 Uhr
Ob es nun ein AdW ist sei mal dahingestellt, aber immerhin ist es ein sehr ordentliches Dark Wave Album geworden. Das besondere ist vllt. etwas dieser Sonic Youth Einfluss. Innerhalb des Genres sicherlich ein kleines Jahreshighlight.

Mr Oh so

Postings: 1333

Registriert seit 13.06.2013

2020-05-02 17:22:08 Uhr
Not bad.

boneless

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Registriert seit 13.05.2014

2020-05-01 10:31:38 Uhr
mimimimi

Marküs

Postings: 575

Registriert seit 08.02.2018

2020-05-01 09:08:12 Uhr
Ich hätte auch Ulcerate als AdW eingesetzt
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