Hal Johnson - Seasons

Hal Johnson- Seasons

Uncle M / Cargo
VÖ: 17.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

It's a match!

Es ist schon erstaunlich, wie simpel gestrickt und manchmal auch vorhersehbar das eigene Verhalten sein kann. Und wie sehr genau dieser Sachverhalt von außen verstärkt wird. Das fängt bei der simplen Tatsache an, dass man dem Autor dieser Zeilen oft nur ein paar hübsch arrangierte Powerchord-Melodien um die Ohren prügeln muss, um eine überdurchschnittliche Wertung zu erhalten, geht über "Genau deine Musik" und "Dein Mixtape 1 bis 42" bei Spotify weiter und endet in dystopischen Fantasien von einer Welt, in der man Bands nur noch anhand kurzer Hörproben nach links oder rechts wischt. Ganz so weit ist es zum Glück noch nicht. Und so eine simple Heuristik ist ja bisweilen auch eine gute Sache.

So auch erwartungsgemäß im Falle von Hal Johnson und ihrem ersten Longplayer "Seasons". Hier reicht allein der Name Uncle M zur Einordnung in das Punkrock-Lager. Und obwohl der Opener "Ghost" seine Hörer zunächst mit einer A-capella-Finte auf's Glatteis führen will, stimmt das natürlich auch. Das Quartett aus dem Münsterland beginnt sein Debüt dabei allerdings auffällig unauffällig: Drei Songs lang gibt es handwerklich einwandfrei Hausgemachtes, sauber Produziertes aus Punkrock und Pop-Punk, wobei nur die Sehnsuchtsschlagseite von ebenjenem "Ghost" andeutet, dass die Band zu mehr in der Lage ist und man das Gefühl der angezogenen Handbremse nicht loswird. Das erledigen Hal Johnson dann aber spätestens mit "Professional help", wo sie sich in gemächlichere Fahrwasser manövrieren und sich auf das verlassen, was sie am besten können: Midtempo, Melodie, Melancholie.

Von dort an berauscht sich "Seasons" merklich an sich selbst. Das beginnt zurückhaltend mit dem erwähnten "Professional help", das erst nach und nach an Kraft und Lautstärke gewinnt, geht weiter im nur vordergründig breitbeinig daherkommenden "Better", das einen Refrain auspackt, den so auch die Donots abgenickt hätten. Und endet im Albumhighlight "Control". Da geistern erst verschlafene Bläser durchs Bild, weden von einer zerbrechlichen Gitarre an die Hand genommen, bevor die Band das Stück im wahrsten Sinne des Wortes von der Leine lässt. Mehrstimmiger Gesang, perlend-wehmütige Gitarren, Bläser, die die Sonne an den Horizont prügeln. In einem Wort: wunderschön! Und Hal Johnson sind clever genug, die etablierte Stimmung nicht mit Uffta-Punkrock auszutreten. Sie macht vielmehr nicht nur mit dem veträumten "Dream / awake" genau dort weiter, sondern mit allem, was da noch so kommt. Und zwar bis zum Schluss.

So schauen in "Home" Shoreline vorbei und tragen ihren Teil zu einem Song bei, der so auch auf deren letzten Album "Eat my soul" stattfinden hätte können, "Let it go" wird von einer großartigen Leadgitarre getragen, der Titeltrack begrüßt ein paar Streicher und verteilt großzügig die ganz großen Punkrock-Gesten. Und ganz zum Schluss wird in "Stay with me" gar das Klavier vorstellig und die Band beweist im Vorbeigehen, dass sie sich auch ganz hervorragend auf dramatischere Stücke versteht. Krachiges Finale inklusive, versteht sich. Danach dankt man dem simplen Auswahlprozess, der einem dieses Album beschert hat. Und wischt nach rechts.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Control
  • Dream / awake
  • Seasons

Tracklist

  1. Ghost
  2. Gang in black
  3. Party nights
  4. Professional help
  5. Better
  6. Control
  7. Dream / awake
  8. Let it go
  9. Home
  10. Seasons
  11. Stay with me

Gesamtspielzeit: 34:12 min.

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Armin

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2020-04-29 20:38:58 Uhr - Newsbeitrag
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