Chicano Batman - Invisible people

Chicano Batman- Invisible people

ATO
VÖ: 01.05.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

I love you

Plattentests.de-Chef Armin eröffnet momentan seine Redaktions-Rundmails immer mit der Feststellung "Alles seltsam." Dem zustimmend spürt man gerade ein großes Bedürftnis nach Stabilität, nach etwas, an dem man sich aufrichten kann. Bitte, hier kommen Chicano Batman aus Los Angeles mit ihrem vierten Album "Invisible people." Das kalifornische Quartett hat sich ganz groß die Liebe auf die Fahnen geschrieben. Kostproben? "You got to color my life", oder "I just want to love you." Und natürlich "My heart beats for you." Da sind wir gerade beim dritten Song angelangt und alle Sensoren sind schon rosarot und ebenso kunterbunt auf Liebe ausgerichtet. Und dazu dieser Sound: Soul, Funk, Anleihen vom HipHop, das alles unterlegt mit einem variablen Tropicana-Feeling. Davon lässt man sich gerne umgarnen in, laut bandeigener Aussage, Zeiten der nahenden Apokalypse. Immer gibt es einen warmen Groove, die Beats dabei mal lässig bescheiden, mal freudig forsch. Ein sinnlicher Bass verbreitet Wärme, die Funk-Gitarren ziehen mal smooth vorbei, setzen andernorts witzige Widerhaken. Und was Orgel oder Synthies beitragen, tönt in den zärtlichsten Farben.

Großartig übrigens ist das durchgehende Live-Feeling der Songs, die zwar reichhaltig und raffiniert ausstaffiert sind, doch hat man immer das Gefühl, Chicano Batman tragen in Echtzeit vor, ohne Tricks und doppelten Boden. Und dann dieser Soul in Bardo Martinez' Stimme. Weich und entspannt bei den passenden Parts, entfaltet sie zum Beispiel im Titeltrack eine sämige Leidenschaft, beteuert, sehnt und fleht. So was kontrastiert dann schlaglichtartig die Lässigkeit, wie man sie zum Beispiel in "Color my life" findet. Feiste HipHop-Beats, lasziver Bass und die Hook als narkotisierter Sing-Sang, alles easy. Doch es gibt dann eben noch jene Bridge, in der das emotionale Engagement leicht angezogen wird und sich gefühlige Wärme und Ernsthaftigkeit breit macht.

Das karibische Feeling von "I know it" lächelt hingegen durch seine agilen Percussions hindurch voller Nach- und Zuversicht, Ehrensache, dass da ein leicht angeschickerter Engel-Chor einen langmütigen Refrain beisteuert. Mit sattem Bumms-Beat ist hingegen der "Pink elephant" ausgestattet, die Gitarren zeichnen ein paar chromatische Figuren auf die Bühne des Keller-Clubs und wieder ist da dieses reizvolle Gleichgewicht aus locker schäumender Coolness und drängenden Emotionen. Fast schon ein wenig im Americana-Sektor wildernd gibt sich dann "The prophet" doch noch etwas Neon-Glanz aus Synthies und Orgeln und groovt sich im Refrain so richtig funky ein. Alle Kompositions-Kniffe dieser Band erscheinen dabei folgerichtig und mühelos ausgeführt. Nichts hakt oder sperrt sich, Urban-Sounds kreuzen sich mit lateinamerikanischer Landschaftlichkeit, kunstvoll verwoben und weich in den Übergängen, ist dies eine Musik, die Gemeinsamkeiten der Genres aufspürt und daraus ein weltoffenes Statement und Plädoyer für die uneigenützige Liebe bildet. Und das hört sich nicht halb so kitschig an, wie sich das hier liest.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Color my life
  • I know it
  • Invisible people
  • The prophet

Tracklist

  1. Color my life
  2. Blank slate
  3. I know it
  4. Invisible people
  5. Manuel's story
  6. Moment of joy
  7. Pink elephant
  8. Polymetronomic harmony
  9. The way
  10. The prophet
  11. Bella
  12. Wounds

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

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Armin

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2020-04-29 20:37:58 Uhr - Newsbeitrag
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