Various Artists - Songs for Australia

Various Artists- Songs for Australia

BMG
VÖ: 13.03.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der Schaden bleibt

Es ist eine seltsame Situation: Australien litt in der Saison 2019/20 an den schlimmsten Buschfeuern seit langer Zeit, neben 34 direkten Todesopfern und mehreren indirekten durch den Rauch sind rund eine Milliarde Tiere und 18,6 Millionen Hektar Fläche ausgelöscht worden. Die ökologischen und finanziellen Folgen sind noch nicht absehbar. Trotzdem spricht fast niemand mehr über die Brände, weil sich die Welt einer noch größeren Katastrophe namens Corona zugewandt hat. Die vorliegende Benefiz-Compilation "Songs for Australia", durch Julia Stone zusammengestellt und mit Künstlern aus aller Welt, die Songs australischer Originale covern, hing womöglich auch deshalb ein wenig in den Seilen. Still blieb es am eigentlichen Veröffentlichungstermin, leise wurde das Album in Richtung Streamingdienste und Digitalhändler eine Woche später nachgeschoben. Trotz großer Namen in der Tracklist.

Da sind die den Reigen eröffnenden The National, die INXS' "Never tear us apart" mit gut aufgelegten Bläsern nach Hause schaukeln. Joan As Police Woman mit einer wundervollen Version von Gotyes "Hearts a mess". Oder Kurt Vile, der Nick Cave & The Bad Seeds' "Stranger than kindness" in seine schlurfige Welt überführt und Spannung durch Lässigkeit ersetzt. Überhaupt Cave: Mit drei Songs ist er der am häufigsten gewählte Originalinterpret. "The ship song" wird von Martha Wainwright ganz leise intoniert, die Streicher schleichen sich erst in der Mitte durch die Hintertür ein. Das beste Cover hat jedoch Caves Landsmann Dan Sultan. Sein "Into my arms" setzt zunächst ganz auf die reduzierte Stärke des Originals, um das Stück in einen pathetischen Gospel umzuwandeln.

"Songs for Australia" ist an Highlights ohnehin nicht arm. Dope Lemon schlagen Kurt Vile mit dem verträumten "Streets of your town" sogar in seiner eigenen Slacker-Disziplin, Laura Mvula transferiert erfolgreich den Achtziger-Pomp von Australian Crawls "Reckless" in ... eine andere Art von Achtziger-Pomp. Damien Rice flüstert derweil den Sia-Hit "Chandelier" in seiner gewohnten Art ins Mikro. Generell wählen viele der 15 Stücke den Weg des Leisetretens. Das ergibt unterm Strich manchmal den Wunsch nach etwas mehr Energie im Albumfluss, aber die Stärke der einzelnen Songs reißt es dann doch raus. Auch oder gerade, wenn am Schluss mit "Beds are burning" und "Down under" zwei sehr große Eighties-Hits von Midnight Oil und Men At Work radikal entscheunigt und stillgelegt werden. Ersteres von Julia Stone selbst mit Spoken-Word-Vocoder in der Strophe entfremdet, zweiteres mit einer verblüffenden, intensiven Coda ausgestattet. In welcher nicht zum ersten Mal ein Didgeridoo zu hören ist.

Das verwendet zuvor schon Paul Kelly in "Native born", ein Manifest zur Bewahrung der australischen Landschaft. "So bow your head old Eucalypt and Wattle Tree / Australia's bush losing its identity." Es kommt als ganz klassischer, folkiger Protestsong daher, das Original stammt Archie Roach, der seit jeher für die Rechte der Aborigines kämpft. Im Gegensatz zu dieser ernsten Angelegenheit kommt Sam Amidons "Let me down easy"-Cover, ursprünglich von Gang Of Youths, fast wie Trolling daher, wenn er den Text in Windeseile innerhalb von eineinhalb Minuten runterrattert. Aber Humor ist ohnehin wichtig in diesen Zeiten, insofern passt diese kleine Einlage auch hier rein. Schade eigentlich in jeder Hinsicht, dass diese Compilation bislang so unterging. Vielleicht wird es ja was, wenn der physische Release folgt, nach aktuellem Stand im Juni. Die Probleme der Welt werden zwar nicht kleiner, die Schäden durch das Feuer aber auch nicht.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Streets of your town (Dope Lemon)
  • Hearts a mess (Joan As Police Woman)
  • Into my arms (Dan Sultan)
  • Down under (Partyface)

Tracklist

  1. Never tear us apart (The National)
  2. Reckless (Laura Mvula)
  3. Streets of your town (Dope Lemon)
  4. Chandelier (Damien Rice)
  5. Hearts a mess (Joan As Police Woman)
  6. Stranger than kindness (Kurt Vile)
  7. Let me down easy (Sam Amidon)
  8. Resolution (Dermot Kennedy)
  9. Native born (Paul Kelly)
  10. The ship song (Martha Wainwright)
  11. Chateau (Petit Biscuit)
  12. Into my arms (Dan Sultan)
  13. Big jet plane (Pomme)
  14. Beds are burning (Julia Stone)
  15. Down under (Partyface)

Gesamtspielzeit: 60:39 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17900

Registriert seit 08.01.2012

2020-04-22 21:17:33 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Kai

Postings: 443

Registriert seit 25.02.2014

2020-03-09 11:19:32 Uhr
Gibt nun weitere Songs zu hören.

Damien Rice - 'Chandelier'
https://youtu.be/rutC3xoAjo4

The National - Never Tear Us Apart
https://youtu.be/K6BQ8aD1AZI

DOPE LEMON - Streets Of Your Town
https://youtu.be/xZv_UnqTTlg

Dermot Kennedy - Resolution
https://youtu.be/mql5T-gjEB4

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17900

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-19 19:04:28 Uhr
Physische Tonträger erscheinen im Juni 2020.

Davon geh ich dann aus.

Kai

Postings: 443

Registriert seit 25.02.2014

2020-02-19 18:04:19 Uhr
Der deutsche Pressetext lässt auf ein EU-Release hoffen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17900

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-19 17:18:25 Uhr
Julia Stone initiiert das Album-Charityprojekt "Songs For Australia"
mit The National, Martha Wainwright und anderen namhaften Künstler*Innen

"Songs For Australia" ist eine Sammlung australischer Pop-Hits, die von Künstler*Innen aus aller Welt eigens für diese Compilation gecovert wurden. Die Erlöse werden verschiedenen gemeinnützigen Organisationen in Australien zugutekommen, um den Wiederaufbau nach den verheerenden Buschfeuern finanziell zu unterstützen.
Details dazu gibt es hier: www.songsforaustralia.com.au

"Songs For Australia" wird am Freitag dem 06. März 2020 digital via BMG erscheinen.
Physische Tonträger erscheinen im Juni 2020.

Initiatorin der Platte ist die australische Songschreiberin und Musikerin Julia Stone. Bei Aufnahmen in London über den Jahreswechsel erfuhr Stone, dass ihre Mutter aus ihrem Haus am Lake Conjola an der Südküste von New South Wales evakuiert wurde. Stone verfolgte die sich ausbreitende Buschfeuer-Krise in den Nachrichten, zusammen mit dem Rest der Welt, und fühlte sich hilflos, frustriert und verzweifelt. Als Reaktion nahm sie eine eindrückliche Coverversion von Midnight Oils "Beds Are Burning" auf - vor 33 Jahren über die Landrechte der Ureinwohner geschrieben. Auch das Video zu Julia Stones Version thematisiert die Klimakatastrophe und ihre Auswirkungen auf das australische Land:

▶ Ansehen: Julia Stone - "Beds Are Burning" (Midnight Oil Cover)

Stone begann, befreundete Musiker um Unterstützung zu bitten und sagt: “I couldn’t believe the responses I was getting. I received the most heart-warming replies from the biggest, busiest artists in the world. Most of these artists have toured here, have family here, friends here, have lived here or spent time here. Everyone has such great memories of this country and to see it in flames was breaking everyone’s hearts. I often got the response that people were so happy to be offered the opportunity to do something. Everyone feels helpless in times like this.”

Diese Künstler*Innen lieferten innerhalb kürzester Zeit Coverversionen:

The National - "Never Tear Us Apart" (INXS)
Kurt Vile - "Stranger Than Kindness" (Nick Cave)
Joan As Police Woman - "Hearts A Mess" (Gotye )
Sam Amidon - "Let Me Down Easy" (Gang of Youths)
Damien Rice - "Chandelier" (SIA)
Dermot Kennedy - "Resolution" (Matt Corby)
Martha Wainwright - "Ship Song"(Nick Cave)
Angus Stone's Band Dope Lemon - "Streets Of Your Town" (Go-Betweens)
plus Songs von Petit Biscuit, Pomme, Paul Kelly und Dan Sultan...

Nicht nur Musiker halfen bei der Arbeit an dem Album mit:

Eric J. Dubowsky (Album-Mix)
Greg Calbi (Mastering)
David Stenbeck (Album-Artwork)
Monster Children (Produzenten/Verleger "Beds Are Burning")
The Editors (Videoschnitt "Beds Are Burning")
SqueakeClean (Ton-Mix Clip "Beds Are Burning")



Und einmal auf Deutsch.
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