Prinz Porno - Mit Abstand

Prinz Porno- Mit Abstand

Keine Liebe / Sony
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Dickes P

Warum kleckern, wenn man auch richtig schön klotzen kann? Eben! Der schöpferische Tatendrang des Friedrich Kautz schien im letzten Jahr kaum ein Ende zu haben. Wo anderen Mitstreitern zündende Ideen für neues Liedgut fehlen, sprudeln aus dem Berliner Sprengelkiez mal eben dreißig neue Songs heraus. Während der Großteil davon auf dem zeitgleich veröffentlichten "Wahre Legenden" von Prinz Pi gelandet ist, bringt der Hauptstadt-Rapper 13 Tracks unter seinem Alter Ego Prinz Porno unter die Leute. Warum nicht gleich als Doppelalbum unter einem von beiden Namen, wird manch einer sich fragen. Sind denn da so große Unterschiede?

Die Antwort auf diese Frage gibt Kautz selbst: "Bei Prinz Pi ist alles immer so verkopft und anspruchsvoll, da lege ich jedes Wort auf die Goldwaage. Das ist schwerere Kost, eher so der Drei-Stunden-Arthaus-Film. Prinz Porno ist die Folge 'Rick and Morty'." Und in der Tat hat "Mit Abstand" wenig mit "Wahre Legenden" gemein. Prinz Porno schwelgt weder in Melancholie, noch neigt er zu tiefgründigen Emotionsausbrüchen. Er zeigt schlichtweg eine andere Facette seiner Existenz und es würde ihm auch nicht gerecht werden, würde man ihn lediglich als die Ghetto-Version seines Ichs bezeichnen. Natürlich geht es wie gewohnt etwas derber zur Sache, wenn Prinz Porno hier knapp vierzig Minuten lang das heimische Hip-Hop-Business aufs Korn nimmt und überzeichnete Stories aus dem Gangsta- bzw. Straßen-Rap-Milieu zum Besten gibt.

"Und Du bleibst nur ein unfassbarer Bastard / Stapel Scheine wie die Steine bei Nintendo / Inshallah bald in meinem Ferrari Enzo / Glaub mir seit Sokrates gab es was so Krasses / Nur auf Pablo Escobar seiner Hazienda." Gleich im eröffnenden "Terrorbyte" und dem anschließenden "Lifestyle Intro" wird geschimpft und ordentlich auf dicke Hose gemacht. So ist es dann auch vollkommen logisch, dass nach dem Business-Lunch des Gangsta-Rappers von heute "hundert Euro Wein gerade in das Pissbecken fließen", während draußen die "Akhis" in ihrer schwarzen G-Klasse vorbeidonnern. Das ist alles so herrlich übertrieben und doch so nah an der Wirklichkeit, dass sich manch Genreneuling irgendwo zwischen "4 Blocks" und einer Spiegel-TV-Reportage aus Neukölln wähnt. "Es läuft bei Dir auf Insta, viele Fans, doch Dicker, chill jetzt / Bei Licht gesehen bist Du nur eine Hackfresse wie Skrillex", rappt Kautz und macht keinen Hehl daraus, dass ihn viele Dinge der heutigen Hip-Hop-Landschaft einfach nur nerven: "Rapper haten Rapper für ihren Boxinhalt / Wenn der Typ Dich so krass nervt, Alter, dann box ihn halt." Bämm. Da weiß halt jemand, wovon er redet.

Mit Manuellsen ("Politik"), Samra ("Dead Kennedys" und "Baldessarini") und Kez ("Ratten") hat sich Prinz Porno in Sachen Straßen-Rap im Trap-Beat-Gewand Verstärkung geholt. Kann ja nicht schaden. Gemeinsam rotzen sie ein kurzweiliges Irgendwas zwischen Maybach, Bentley, Hass, Brüder, Bugatti, Ghetto in Versace, Kleopatra mit Wonderbra, Family und einer Block-Doppelflinte F3 zusammen. Das Porno-Ich von Friedrich Kautz taucht tief in die Szene ein und hält ihr gleichzeitig den Spiegel vor. "Du bist von der Street, ich bin von der Wallstreet / Jeder ist hier seines eigenen Glückes Goldschmied", gibt der Berliner zum Besten. Als "König vom KaDeWe", der "alle Punkte auf der Bucket List gecheckt hat" und "in Kilo, nicht in Gramm" rechnet, muss man einiges im Leben richtig gemacht haben. Geklotzt eben.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Laokoon
  • Baldessarini (feat. Samra)
  • König vom KaDeWe

Tracklist

  1. Terrorbyte
  2. Lifestyle Intro
  3. Eau de Provence
  4. Paul Newman
  5. Politik (feat. Manuellsen)
  6. Laokoon
  7. Dead Kennedys (feat. Samra)
  8. Ratten (feat. Kez)
  9. Baldessarini (feat. Samra)
  10. Mond (feat. Young Kira)
  11. König vom KaDeWe
  12. Halleluja
  13. Stress

Gesamtspielzeit: 38:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Rainer

Postings: 409

Registriert seit 22.03.2020

2020-04-22 22:56:46 Uhr
Jetzt wird hier schon Prinz Abiturient*innen-Pop-Rap mit 'ner 7 gewürdigt. Uff.

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1693

Registriert seit 12.12.2013

2020-04-22 22:44:02 Uhr
Musste das beim 2. Track ausmachen. Fremdscham.

HassoChanel

Postings: 14

Registriert seit 03.04.2020

2020-04-22 22:06:00 Uhr
Ist mies. Noch schlimmer als die andere Platte. 2/10

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17640

Registriert seit 08.01.2012

2020-04-22 21:16:40 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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