Tom Misch & Yussef Dayes - What kinda music

Tom Misch & Yussef Dayes- What kinda music

Caroline / Universal
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Durch die Wand

Sobald ein Genre auserzählt ist, braucht es ein paar vorzugsweise junge Künstler, um mit der entsprechenden musikalischen Sozialisation im Rücken die Grenzen zu durchbrechen und neuen Pioniergeist zu entfachen. Tom Misch, Jahrgang 1995, hat sich im letzten Jahrzehnt einen Namen als einer der vielversprechendsten Newcomer South Londons gemacht. Erst als Produzent für Oldschool-HipHop-Remixes und Lo-Fi-Beats in der frühen Soundcloud-Zeit, dann mit seinen beiden Beat Tapes, nicht zuletzt als Pop-Künstler mit Jazz-Appeal auf seinem Debütalbum "Geography". Mittlerweile spielt der 24-jährige Londoner auch gerne mal live mit John Mayer. Die ganze Zeit war und blieb der Engländer ein überragender Gitarrist, Sänger und Songwriter. Wenn man also den Neo-Soul einmal durchgespielt hat, so wie Misch, wieso ihn nicht neu erfinden?

Gemeinsam mit dem englischen Jazz-Schlagzeuger Yussef Dayes verfolgt er mit "What kinda music" offensichtlich dieses Ziel. Dayes gilt als eines der größten Schlagzeug-Talente der Insel, sein Repertoire reicht von Jazz bis zu Grime – perfekte Ausgangsbedingungen also. "What kinda music" steigt mit einem der bestproduzierten Schlagzeug-Beats der letzten Monate ein, der knarzende Bass und Tom Mischs psychedelisch-geheimnisvoller Gesang samt Streicher-Arrangements lassen auf die Innovation schließen, die die beiden Soul-Shootingstars auf ihrem gemeinsamen Album anstreben. Was dann folgt, ist eine kompromisslose Demonstration ungebündelter Musikalität: "Tidal wave" wird dominiert von lässigem Neunziger-Groove, der in einen phänomenal komponierten Refrain mündet und "Nightrider" liefert nicht nur experimentelle Violinen und einen wunderbar oldschooligen Rap-Part von Freddie Gibbs, sondern auch einen der eingängigsten Refrains im bisherigen Schaffen von Tom Misch: "So easily."

Das direkte, immer menschliche und dabei doch so überlebensgroße Schlagzeug von Yussef Dayes bringt dabei oft den entscheidenden Faktor, wieso "What kinda music" kein gewohnt überdurchschnittliches Album von Tom Misch ist, sondern eines, das er mit diesem Mindset vielleicht kein zweites Mal aufnehmen wird. Man merkt den beiden die gemeinsame Spielfreude an: Nach dem ersten, schon überragenden Drittel des Albums wimmelt es gegen Ende nur so von fiebrigen Jams. "Sensational" entzückt mit wunderbar ausgedehntem Instrumental und mächtig drückenden Basslines à la The Roots, "Storm before the calm" beendet das Album mit grimmig stampfendem, verrauchten Saxophon-Beat und auf dem dreckig groovenden "Lift off" zeigt Tom Misch dann endlich wieder seine meisterhaften, perfekt getimeten Neo-Soul-Gitarrenkünste. "What kinda music" ist dermaßen instrumental und mutmaßlich improvisatorisch geprägt, es kommt so an die Entstehungspraktiken alter Jazz-Klassiker heran. Nur, dass es neuer klingt als das meiste, was wir in 2020 bereits hören durften.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • What kinda music
  • Nightrider (feat. Freddie Gibbs)
  • Tidal wave
  • Lift off (feat. Rocco Palladino)

Tracklist

  1. What kinda music
  2. Festival
  3. Nightrider (feat. Freddie Gibbs)
  4. Tidal wave
  5. Sensational
  6. The real
  7. Lift off (feat. Rocco Palladino)
  8. I did it for you
  9. Last 100
  10. Kyiv
  11. Julie Mangos
  12. Storm before the calm (feat. Kaidi Akinnibi)

Gesamtspielzeit: 44:58 min.

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Registriert seit 25.09.2014

2020-04-23 10:06:01 Uhr
Wenn das Neo-Soul ist, find ich Neo-Soul schon ganz geil. Ich hätte bei der Bezeichnung ja eher auf sowas wie Michael Kiwanuka getippt, das hier ist aber doch deutlich jazziger und im Gesangsteil... softer(?).

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2020-04-22 21:15:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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