Empress Of - I'm your Empress Of

Empress Of- I'm your Empress Of

Terrible / XL
VÖ: 03.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dancing on my own

"I only have one girl / But the only girl is like having thousands of girls / Because look at how many times she reproduces herself in each one of you." So schwärmt Reina Rodriguez von ihrer Tochter Lorely alias Empress Of zu Beginn deren dritten Albums "I'm your Empress Of". Wie schon bei "Me" und "Us" erscheint der Titel programmatisch, trägt dem Universalitätsgedanken Rechnung, den auch das Lob der Mama herausstellt. Doch wo "Us" noch heftig mit massentauglichen Pop-Formeln flirtete, ist der Ansatz dieses Mal eher individualistisch. So lässt Lorely Rodriguez im Intro nicht nur ihre Mutter zu Wort kommen, sondern spielt nebst geschäftigen Synths und Bässen auch ein Salsa-Riff am Keyboard, das sie als Mädchen von ihrem Vater lernte. Anders als der unter jahrelanger Arbeit mit anderen entstandene Vorgänger schrieb und produzierte die Amerikanerin mit honduranischen Wurzeln hier fast alle Songs komplett alleine innerhalb von zwei Monaten. Belastet vom Tour-Stress und einer kurz zuvor in die Brüche gegangenen Beziehung nutzt sie die Musik hörbar als Ventil. Zwischen Dance-Pop, Chicago-House und karibischen Einflüssen präsentiert "I'm your Empress Of" eine kompakte halbe Stunde schwitziger Clubmucke – perfektes Futter für die Wohnzimmer-Disco.

Die Rastlosigkeit des Albums dient als perfekte Tragfläche für Rodriguez' Innenleben, das selbst noch nicht zu wissen scheint, wie es die Trennung genau verarbeiten soll. In "Bit of rain", einem der dringlichsten Hits unter fast nur dringlichen Hits, zeichnet sie das frische Verliebtsein nach und sehnt sie sich nach der körperlichen Liebe ihres Gegenübers. "Not the one" löst sich wiederum von der konkreten Einzelperson und feiert sexuelle Freizügigkeit: "You're not the one, but it helps." Mit "Love is a drug" schüttelt die 30-Jährige nicht nur einen Pop-Banger aus dem Ärmel, der sonst eine Armada von schwedischen Produzenten braucht, sondern drückt auch tief in ganz frische Wunden: "I just wanna be touched." Aua. Doch das Selbstbewusstsein und die erotische Zügellosigkeit sind nur eine Seite der vernarbten Medaille. "Should've" unterbricht die Tanzekstase für ein mysteriöses Zwischenstück mit statischem Rauschen und gequältem Gesang, das Rodriguez' Selbstzweifel zum Ausdruck bringt. Das eifersüchtige "Give me another chance" geht sogar noch weiter und bittet den Partner explizit um Vergebung. Das Robyn'sche Lehrbuch "Wie lade ich oberflächlich straighten Dance-Pop mit komplexen emotionalen Tumulten auf" liegt aufgeschlagen unter der Discokugel.

Letztgenannter Song besticht durch seinen Mix von hypnotischem Trance mit tropischen Rhythmen, was das an der Selbstbestimmung gewachsene Produktionstalent seiner Erschafferin unterstreicht. "What's the point" schichtet zerhackte Samples um pulsierende Beats, während "Void" mit seiner karibischen Percussion ein warmes Entspannungsbad einlässt. Mama Reina spricht hier erneut und scheint um die musikalische Emanzipation ihrer Tochter Bescheid zu wissen: "Woman is a word / But you make yourself the woman you wanna be." Bezeichnenderweise ist mit "U give it up" einer von zwei fremdproduzierten Tracks der einzige auf dem Album, der es mit seiner "Hände hoch im Club"-Mentalität etwas übertreibt. Der andere, das präfinale "Hold me like water", gelingt allerdings als schöne Ballade, die auf eine falsche Fährte lockt. Man möchte es sich schon am ruhigen Schlusspunkt der Platte gemütlich machen, ehe die synthetischen Ohrfeigen von "Awful" das Nickerchen unsanft stören. Rodriguez ist noch lange nicht fertig mit sich selbst: "I get off on being awful to myself / I need some help / I need myself." Das immerzu hibbelige "I'm your Empress Of" endet – wie hätte es auch anders sein können – in einem weiteren Moment der Unruhe.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Bit of rain
  • Void
  • Love is a drug
  • Give me another chance

Tracklist

  1. I'm your Empress Of
  2. Bit of rain
  3. Void
  4. Love is a drug
  5. U give it up
  6. Should've
  7. Give me another chance
  8. What's the point
  9. Maybe this time
  10. Not the one
  11. Hold me like water
  12. Awful

Gesamtspielzeit: 33:21 min.

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Armin

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2020-04-22 21:14:53 Uhr - Newsbeitrag
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