The Alligator Wine - Demons of the mind

The Alligator Wine- Demons of the mind

Century Media / Sony
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bekannter Stil, besondere Wege

Nach nur wenigen Sekunden ist klar, wo bei The Alligator Wine die Reise hingeht, beziehungsweise herkommt: Thomas Teufel und Rob Vitacca sind "Vintage-Rocker" und stehen mit mindestens anderthalb Beinen in der Zeit der energiegeladenen Rockbands vergangener Tage, insbesondere der 1970er-Jahre. The Doors stehen Pate, Black Sabbath und selbstverständlich auch Led Zeppelin. Natürlich kommen so einige Klischees zusammen: allein Bandname, Albumcover, Songtitel und natürlich Soundgewand entsprechen genau dem, was zu erwarten ist. Den Bogen in die heutige Zeit schlagen dabei die ordentliche Produktion und Verweise zu den White Stripes, Black Keys oder auch den neueren Opeth.

Eine reine Retro-Veranstaltung ist "Demons of the mind" trotz all der Hammondorgel-Klänge oder des massenhaft zum Einsatz kommenden Moog-Synthesizers nicht, denn das Duo hat eine interessante Eigenart, die zunächst gar nicht so auffällt: Obwohl es sich hier größtenteils um maximal nach Gitarrenrock klingende Sounds handelt, sind genau diese nicht vorhanden. Teufel und Vitacca schaffen es wirklich, ein solches Album einzuspielen, ohne dabei auch nur einmal ein Saiteninstrument in die Hand zu nehmen. Beachtlich ist dabei, dass dies nicht sofort ins Auge, oder eher ins Gehör springt.

Im nach kurzem Intro wild lospreschenden "Shotgun" etwa steckt eine derartige Dynamik, dass zwar alles nach röhrenden Gitarren klingt, diese aber nur vom Moog-Bass imitiert werden. Eine Mogelpackung? Ein verschwendeter Gedanke, denn treibend nach vorn geht es auch ohne. "Demons of the mind" bietet einige dieser Stücke. Schnell, groovend, eingängig, mit dem Ziel größtmöglicher Tanzbewegungen. "Voodoo", "Mamae" oder "The flying carousel" sind hier zu nennen: Hier geht es trotz der 70er-Jahre-Vorbilder nicht gerade progressiv zu, sondern jeweils um die vier Minuten konsequent auf die Zwölf.

Ein Album nur mit diesen Sounds hätte aber wohl nur eine kurze Halbwertszeit, beziehungsweise Aufmerksamkeitsspanne beim Hörer. The Alligator Wine gehen daher noch einen anderen Weg: Balladen im weitesten Sinn. Angereichert mit viel, viel Pathos. Klingt der Gesang in den Anheizstücken bisweilen nach Arnim Teutoburg-Weiß, erinnert die Stimme in ruhigen Momenten an Dustin Kensrue auf den letzten Thrice-Alben. Im ersten Anlauf passen drei der vier Balladen kaum zum Restkonzept. Lediglich "Sweetheart on fire" könnte sich zeitgetreu bei den Doors einreihen. "Dream eyed little girl" atmet dank düsterer Synthies überraschend den Geist des düsteren Emos von Stabbing Westward, und "Lorane" ist dank Klaviermelodie und verhalltem Schlagzeug ein absoluter Gegenpol zum sonst recht positiv daherkommenden Partysound. Merkwürdigerweise funktioniert beides, selbst im Albumkontext. Durch die Platzierung der ruhigeren Stücke erzeugt "Demons of the mind" einige Brüche, jedoch ist das jeweils folgende Aufmerksamkeitserhaschend und kurzweilig genug, um wieder in die Spur zu finden.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Crocodile inn
  • The flying carousel
  • Lorane

Tracklist

  1. Shotgun
  2. Crocodile inn
  3. Voodoo
  4. Ten million slaves
  5. The flying carousel
  6. Lorane
  7. Dream eyed little girl
  8. Mamae
  9. Sweetheart on fire

Gesamtspielzeit: 42:56 min.

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Armin

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2020-04-22 21:12:26 Uhr - Newsbeitrag
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