Jessie Reyez - Before love came to kill us

Jessie Reyez- Before love came to kill us

Island / Universal
VÖ: 27.03.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Jetzt erst recht

Wenn man wissen möchte, worum es Jessie Reyez bei ihrem Debütalbum "Before love came to kill us" geht, muss man sich nur das Cover anschauen. Und zwar am besten nicht das der regulären Version über dieser Rezension, sondern das Artwork der eine Woche später erschienenen Deluxe Edition. Das kommt nämlich wie ein Filmplakat daher: Liebe, Tod, Gewalt, Sehnsucht – ein Bild wie ein All-in-one-Carepaket. Die Songs halten entsprechend Schritt, denn es ist deutlich zu merken, dass Reyez hier eine umfassende Visitenkarte all ihrer Facetten auf dem Tisch lassen möchte. Ein verbindendes Element ist neben der stets durchscheinenden Latino-Schlagseite die Rotzigkeit der 28-jährigen Kanadierin. "I should've fucked your friends / It would've been the best revenge / For the fire that you started", das sind die Zeilen mit denen "Before love came to kill us" ins Haus fällt. Dabei ist der Opener "Do you love her" noch einer der besonneneren Tracks.

Die Spannweite ist hoch, reicht von aggressiven Beatattacken wie "Deaf (Who are you)" bis hin zu sanften, unscheinbaren Momentaufnahmen wie "Same side". Reyez rappt, singt, schreit, flüstert und stellt in allen Aggregatzuständen unbestreitbar ihr Talent unter Beweis. Es ist allein ihr Verdienst, dass diese heterogene Mischung aus stilistisch weit gespannten Songs, die teils bereits bis zu drei Jahre auf dem Buckel haben, so gut funktioniert. Dazu braucht sie keine großen Namen, im Gegenteil. Eminem – leider wohl aufgrund Reyez' Gastauftritten auf "Kamikaze" unvermeidlich – sorgt mit seinem öden Singsang-Rap in "Coffin" für die einzige schlechte Minute. Denen stehen 46 meist tolle gegenüber. Auch gerade, weil Reyez häufig mit viel Theatralik und Überzogenheit an die Sache rangeht. Das musste sie beim Schreiben von Hits für andere, etwa Calvin Harris' "One kiss", noch zurückfahren und kann es hier umso mehr ausleben.

Auf "Imported", der Neuauflage eines Tracks ihrer zweiten EP "Being human in public", vermischt sich ihre Stimme ganz wunderbar mit dem aufstrebenden 6lack und einem verträumten Setting. Die Ruheoase zwischen Songs, die auf Zack sind. Reyez kann Zeilen wie "Go get ya bitch right / She all on my dick like / I am the one that got you in love / 'Cause I never miss, right" im herrlichen hyperaktiven "Deaf (Who are you)" mühelos mit der nötigen Schärfe rüberbringen. Nur, um sich direkt danach in einem mit Akustikgitarren gesäumten Track wie "Intruders" ins Herz zu spielen. Ehrensache auch, dass "Kill us" – in gewisser Hinsicht der Titeltrack der Sause – als große Piano-Pomp-Nummer überzeugt, obwohl er dann doch einen Tick zu nah an Rihannas "Love on the brain" heranrückt. "It beats me black and blue / But it fucks me so good", verlautete jene damals. Wäre nichts, was bei Reyez in den Lyrics überraschen würde.

Es bleiben wenige Kritikpunkte an "Before love came to kill us" haften, außer vielleicht, dass es ohne den angesprochenen Eminem-Part und mit der alternativen Version des aufmüpfigen "Ankles" inklusive Gastpart von Rico Nasty noch besser hätte sein können. Dafür, dass Reyez die Sache aber großartig zusammenhält, verdient sie allen Respekt. Wie als Trophäe beschließt das sehr reduzierte "Figures" den Reigen, bereits 2017 auf der Debüt-EP "Kiddo" in unveränderter Form enthalten gewesen. "Something so special, something so real / Tell me, boy, how in the fuck would you feel?" Nach "Before love came to kill us" fühlt man sich einmal durch die Mangel genommen, aber definitiv besser. Soll die Liebe doch kommen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Deaf (Who are you)
  • Intruders
  • Imported (with 6lack)
  • Figures

Tracklist

  1. Do you love her
  2. Deaf (Who are you)
  3. Intruders
  4. Coffin (feat. Eminem)
  5. Ankles
  6. Imported (with 6lack)
  7. La memoria
  8. Same side
  9. Roof
  10. Dope
  11. Kill us
  12. Love in the dark
  13. I do
  14. Figures

Gesamtspielzeit: 46:57 min.

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Armin

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2020-04-15 20:30:30 Uhr - Newsbeitrag
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