Roger O'Donnell - 2 ravens

Roger O'Donnell- 2 ravens

99X10 / Caroline / Universal
VÖ: 24.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schwärzer als sein Flügel

Vom Vollzeit-Keyboarder zum Vogelkundler? Nun ja. Zwar ist Roger O'Donnell hauptberuflich bei den britischen Legenden von The Cure tätig, aber der Mann macht nebenher auch noch andere Dinge. Sein eigenes zum Beispiel: Schon seit den Neunzigerjahren spielt O'Donnell auch ganz gern mal alleine, wenngleich er sich lange gegen eine Veröffentlichung sträubte. Mit "2 ravens" gibt es nun jedoch abermals ein vollständiges Solo-Werk von ihm, das sich von seinen Vorgängern zwar durchaus unterscheidet, am Ende aber doch seine unverkennbare Handschrift trägt.

Entstanden ist das gute Stück zwar nicht während, aber durch eine Zusammenarbeit mit Morrissey für dessen autobiografischen Film "England is mine". Regisseur Mark Gill erzählte O'Donnell von einem gemeinsamen Projekt mit dem japanischen Fotografen Masahisa Fukase, der ausschließlich Aufnahmen von Raben machte. O'Donnell, nun selbst von der Vogelmuse geküsst, stürzte sich ins Studio und nahm den Pianoteil von "2 ravens" innerhalb von fünf Tagen auf. Ebenfalls mit an Bord sind zwei Cellisten sowie die Sängerin Jennifer Pague von Vita And The Woolf, die der Hälfte der acht Stücke ihre Stimme leiht.

Nun ist "2 ravens" kein rein instrumentales Klassikalbum, sondern kommt seinem Ursprungsgedanken als eine Art Ballett ziemlich nahe. Aus "Schwanensee" wird der Tanz der Raben, wie zarte Figuren umkreisen sich Piano und Pague hier oft, nähern sich wie im verhuschten "Don't tell me...." immer wieder an, berühren sich nur fast und können den Blick doch nicht voneinander lassen. Das klingt einerseits düster, andererseits hoffnungsvoll – so ambivalent wie die Tatsache, dass eine unfassbare Kraft hinter den federleichten Bewegungen bei einem echten Ballett notwendig ist.

Schon der Opener "December" setzt auf dieses Gefühl zwischen Gut und Böse: Fast ein bisschen wie Gustavo Santaolallas Soundtrack zum Post-Apokalypse-Videospiel "The last of us" wirkt das, trotz der vorherrschenden Ruhe scheint das Grauen schon hinter der nächsten Ecke zu lauern. Pagues hoher, unheilschwangerer Gesang im aufgebrachten "The haunt" tut da nur sein Übriges, um den Hörer vollends zu verwirren: Sind diese Raben hier, um ihn zu warnen oder warten sie nur auf ihr Abendessen? Wie schon bei "Schwanensee" kommt es auf die Inszenierung an. Im Abschlusstrack "I'll say goodnight" ist jedenfalls alles möglich, vom glücklichen Ende bis zum finalen Atemzug für beide. So oder so – zumindest für den passenden Abgesang ist gesorgt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • December
  • Don't tell me.... (feat. Jennifer Pague)

Tracklist

  1. December
  2. An old train (feat. Jennifer Pague)
  3. 2 ravens
  4. The haunt (feat. Jennifer Pague)
  5. On the wing
  6. The hearts fall
  7. Don't tell me.... (feat. Jennifer Pague)
  8. I'll say goodnight

Gesamtspielzeit: 39:14 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18555

Registriert seit 08.01.2012

2020-04-15 20:29:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18555

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-12 20:27:27 Uhr - Newsbeitrag
ROGER O'DONNELL (THE CURE)
NEUES PROJEKT "2 RAVENS"
ERSTE SINGLE "AN OLD TRAIN" FEAT. JENNIFER PAGUE AB JETZT

Roger O'Donnell, den meisten als Keyboarder von The Cure bekannt, hat sein Soloalbum "2 Ravens" angekündigt, das am 24. April via 99X10 Records/Caroline International veröffentlicht wird. Zeitgleich mit dem Announcement erscheint heute die erste Single „An Old Train“ und das begleitende Video.



"2 Ravens" ist ein sehr persönliches Album, das stark von O'Donnells Leben im ländlichen England beeinflusst ist. Er schrieb es während einer sehr kalten und dunklen Phase, nachdem er im Dezember 2016 von der Welttournee mit The Cure zurückgekehrt war. Aufgenommen wurde es in den Air Edel Studios in London mit einigen seiner Lieblingsmusiker*innen wie Alisa Liubarskaja, Miriam Wakeling, Aled Jones, Nadine Nagen und Daniel Gea.

"2 Ravens" entstand teils in Zusammenarbeit mit der Sängerin und Dichterin Jennifer Pague von Vita And The Woolf. Das Album wurde zunächst als Instrumentalplatte erarbeitet, die auf der einen Seite zwei Celli und auf der anderen Seite ein Streichquartett enthielt. Als Roger Jennifer vorgestellt wurde und ihr bald darauf das Album schickte, sang sie einige Passagen ein und schickte ihm die Aufnahmen zurück. Roger war sofort überwältigt und weitere Stücke folgten. Das Piano spielt auf "2 Ravens" eine eher unterstützende Rolle. Es bildet zusammen mit den anderen Instrumenten den Rahmen für die Bilder, welche Jennifer mit ihrem Gesang kreiert. Die reinen Instrumentalstücke des Albums hingegen erzählen diejenigen Geschichten, die mit Worten nicht beschrieben werden können.
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