The Fruitcakes - Into the sun

The Fruitcakes- Into the sun

[PIAS] Poland
VÖ: 13.03.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fest und flauschig

Hand auf Herz, wer hatte kürzlich bei den im Plattentests.de-Forum durchgeführten Wahlen zu den 100 besten Alben oder Songs einen polnischen Interpreten oder eine ebensolche Band bei seinen Favoriten gelistet? Viel zu unbekannt scheint die dortige Musikszene, gerade englischsprachiger (Indie-)Pop und Rock spielen vor allem international kaum eine Rolle. Umso schöner ist es dann, wenn sich mit The Fruitcakes aus Danzig eine vierköpfige Band aufmacht, in erstaunlich große Fußstapfen zu treten und sich an sonnendurchflutetem Sixties-Pop zwischen Beatles und Byrds zu versuchen.

2013 vom Schweizer Schlagzeuger Lukas Hellmann sowie den einheimischen Musikern Kuba Zwolan (Gesang und Gitarre), Przemek Bartos (Bass und Gesang) und Tomasz Zietek (Gesang, Gitarre) gegründet, debütieren The Fruitcakes mit "Into the sun" nach zwei Eigenveröffentlichungen bei einem Label. Psychedelischer, großformatiger Pop oder auch Rock, der sommerlich daherkommt und seine Ursprünge deutlich an der amerikanischen Westküste zu suchen scheint. Es sind harmonieselige, golden durchwirkte Songs, denen häufig hübsche kompositorische Kleinigkeiten beigefügt worden sind. Zudem strahlen die zehn Songs eine bezaubernde Ruhe aus, was sich direkt in "Wherever" bemerkt macht. Sanfte Sonntagmorgenstreicher, die Stimmen in trautem Zusammenklang nach höheren Sphären greifend, die Gitarrenakkorde tropfen süßlich auf den weichen Instrumentalteppich. Immer wieder streuen die Musiker allerdings auch so ein paar kurze Störfeuer ein, dann begehren vor allem Schlagzeug und Gitarre kurz auf, nur um sich dann doch wieder hinter den durchscheinenden Klangvorhang zurückzuziehen. "Home" schleppt sich noch langsamer heran, wechselt allerdings auch zweimal die Richtung, um dann kurz vor Schluss in eine hallende Psych-Session zu münden. Das alles geschieht allerdings in erhabener Seelenruhe, aufbrausende Feedbackorgien sind eher die Seltenheit. Herzstück des Albums ist ganz eindeutig der Titelsong, dem die Wärme der polnischen Sonne aus jeder Pore sprudelt. Der chorale Gesang der Band bekommt hier noch mal eine extra Portion Schmelz, und der Schlagzeuger hat seine Sticks hörbar mit Flauschstoff umwickelt. Doch so viel Wohlklang über die siebeneinhalb Minuten aufrecht zu erhalten, ist dann doch nicht Sache von The Fruitcakes, die sich in den letzten zweieinhalb Minuten darauf besinnen, dass ein wenig Tempo und ein bisschen mehr Freispiel die ganze Sache aufhübschen könnten. "Dalai Lama" klaut ungeniert bei King Gizzard & The Lizard Wizzard zu Zeiten von "Paper mâché dream ballon", während "She loves the rain" Beatles und Beach Boys miteinander vereint.

"Aim for the sun" steht hier wahlweise als Blaupause für den gesamten Sound, so sehr streben die vier Musiker in höchste Höhen, doch auch hier gönnen sie sich allerdings das ein oder andere überdrehte Freispiel, "Lavender" hingegen setzt auf griffige Akkorde und psychedelische Kinkerlitzchen, die man gefühlt seit nahezu 60 Jahren nicht mehr gehört hat. Allerdings sind diese kurzen Momente des Aufbegehrens immens wichtig, könnte es doch passieren, dass die Sounddecke ein wenig zu flauschig geraten ist. Ein paar schärfere Kanten hier, ein paar greifbare Konturen da, und "Into the sun" könnte es mit den Klassikern des Genres aufnehmen. Sunshine-Pop nannte man das einst, und ein besseres Etikett kann man dem dritten Album von The Fruitcakes kaum attestieren. ...

(Carl Ackfeld)

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Highlights

  • Wherever
  • Into the sun
  • Dalai Lama

Tracklist

  1. Wherever
  2. Tell you more
  3. Home
  4. Into the sun
  5. Dalai Lama
  6. Unravel
  7. She loves the rain
  8. Aim for the sun
  9. Lavender
  10. Words of love

Gesamtspielzeit: 48:50 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2020-04-15 20:29:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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