Worriers - You or someone you know

Worriers- You or someone you know

6131
VÖ: 06.03.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Survival Pop

an wundert sich ein bisschen, wie rund die Sache dieses Mal geworden ist. Natürlich waren Worriers seit jeher keine Krawalltruppe und im Zweifel immer auf Seiten der Melodie, aber auf "You or someone you know", dem dritten Streich der Band um Sängerin und Songschreiberin Lauren Denitizio, geht es mal so richtig fluffig zu. Dabei setzt die Band musikalisch eigentlich nur das Albumcover um. Dort, wo Indie und Punk sich heimlich treffen, um sich jenseits aller Genrekonventionen ihre unsterbliche Liebe zu gestehen, lässt das Quartett aus Brooklyn seine zehn neuen Stücke in den Sonnenaufgang linsen. Vielleicht noch ein bisschen verschlafen, aber schon mit ordentlich Bock auf den Tag.

Entsprechend gestaltet sich auch das Klangbild von "You or someone you know". Die Verstärker sind genau so weit aufgedreht, wie es die einfühlsamen Kompositionen brauchen, die Lautstärke hat einen guten Tag erwischt und macht sich nicht wichtiger als es unbedingt sein muss. Denitizio trägt ihre kleinen und großen Geschichten mit einiger Verve so vor, wie es Modern Baseball und auch The Weakerthans gerne tun oder getan haben. Das klingt nicht nur unauffällig, das ist es am Ende auch. Im besten Sinne aber, wie man direkt bemerkt, wenn der Opener "End of the world" ganz im Widerspruch zu seinem Titel die Vorhänge aufreißt, diese zehn Songs umfassende Rasselbande aus ihren Betten schmeißt und ganz nebenher mit kleinen Synthiespielereien und zielsicher die Mundwinkel nach oben schiebender Melodie die Sonne aufgehen lässt. Das nimmt einen so gut gelaunt mit, dass ein eventuelles Ende der Welt gar nicht mehr so wichtig erscheinen würde.

Das Schöne an diesem Album: Das geht so weiter! "You or someone you know" ist eine musikalische Katze, die knapp 35 Minuten lang vergnügt mit einem Wollknäuel spielt. "Big feelings" lässt die Gitarren von der Leine, erinnert aber mit Zeilen wie "Maybe I wake up alone for the rest of my life", dass man hier nicht nur auf Indiepunk-Kaffeefahrt unterwegs ist. "Curious" unterstreicht mit Leuchtmarker die Macht der vier Akkorde, "PWR CPLE" packt im Refrain kraftvoll die Tasten aus, "Terrible boyfriend" tritt im Gegenzug den Beweis an, dass es die Band auch ganz hervorragend ruhig kann. "Relentless noise" verneigt sich vor The Mountain Goats und der treffend betitelte Schlusstrack "Grand closing" macht, was das Songwriting-Schulbuch von einem großen Schlussakt erwartet: Er beginnt ruhig, lässt aber schon die Vorahnung zu, dass es hier noch lauter werden könnte. Zur Halbzeit hält der Song dieses Versprechen dann ein, langt kräftig hin und hält sich bis zum letzten Ton auch nicht mehr zurück. Klingt formelhaft, trifft aber genau ins Schwarze. Ins Herz geschlossen hat man dieses Album zu diesem Zeitpunkt eh schon längst. Als musikalischen Mutmacher, den man im Zweifel gern an seiner Seite weiß. Survival Pop eben.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • End of the world
  • Terrible boyfriend
  • Grand closing

Tracklist

  1. End of the world
  2. PWR CPLE
  3. Big feelings
  4. Terrible boyfriend
  5. Chicago style pizza is terrible
  6. Curious
  7. What comes next?
  8. Enough
  9. Relentless noise
  10. Grand closing

Gesamtspielzeit: 34:40 min.

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Armin

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2020-04-08 20:54:09 Uhr - Newsbeitrag
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